Ingenieurbüros mit unterschiedlichen Konzepten zur Sanierung

Rost und Risse: Nienburger Wesertorbrücke mit Konstruktionsschwächen

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Erst 15 Jahre alt und schon sanierungsbedürftig: Die Wesertorbrücke in Nienburg.

Nienburg - von Leif Rullhusen. Konstruktionsschwächen und Schlamperei beim Bau sind mitverantwortlich für die massiven Rostschäden am Stahl und die Risse im Beton an der Wesertorbrücke in Nienburg.

Das Ingenieurbüro Hahn aus Wedemark hatte die gravierenden Mängel an Nienburgs jüngstem Brückenbauwerk im Rahmen der vorgeschriebenen Brückenhauptprüfungen vor gut zwei Jahren entdeckt. Aufgrund des von dem Büro veranschlagten, immensen Sanierungsaufwands von 782 000 Euro beauftragte die Kreisstadt mit der Lindschulte Ingenieurgesellschaft aus Nordhorn noch ein zweites Fachunternehmen mit der Erstellung eines Sanierungskonzeptes. Das ist weniger umfangreich, kostet dafür aber auch nur etwa die Hälfte.

Die Schäden an Nienburgs jüngstem Brückenbauwerk sind bekannt. Neu in dieser Deutlichkeit ist allerdings die Aussage von gleich zwei Ingenieurbüros, dass bauliche und konstruktive Mängel eine Mitschuld daran tragen.

Ingenieure beider Fachfirmen präsentierten dem Nienburger Bauausschuss am Donnerstagabend nun ihre Ergebnisse. So weit die Vorschläge zum Sanierungsumfang des erst 15 Jahre alten Bauwerks auch auseinander driften, so eng lagen sie bei den Ursachen zusammen. „Das Bauwerk hat konstruktive Schwachpunkte“, erklärte Lindschulte-Ingenieur Christoph Wübker. Zudem seien die Betonplatten teilweise nicht richtig eingesetzt worden. Die Folge seien Risse in den Platten, durch die Feuchtigkeit eindringe, die dann zu Korrosionsschäden führen.

Beim Bau sei nicht genau genug gearbeitet worden, bestätigte Andreas Hahn, Inhaber des Ingenieurbüros Hahn. „Das hätte man besser hinbekommen können.“ Die gravierenden Risse im Beton würden auf eine zu schwach dimensionierte Lagerung der Betonplatten hinweisen. Sein Vorschlag sieht deshalb den Austausch der kompletten Fahrbahnplatten vor. Bevor neue verlegt werden, müssten allerdings zusätzliche Lager eingebaut werden. Weniger konstruktiven Aufwand würde Lindschulte betreiben. Auch würde die Ingenieurgesellschaft aus Nordhorn nicht den gesamten Fahrbahnbelag austauschen. Angesichts dieser Fakten sprach SPD-Bauausschussmitglied Hartmut Waschke von „Pfusch“. Ihm sei es unverständlich, dass sich eine so junge Brücke in einem dermaßen desolaten Zustand befinde. „Da bekommt man ja Angst, rüber zu gehen“, schimpfte der Sozialdemokrat. Die braucht er nicht zu haben, beruhigten die Ingenieure. Die Brücke sei trotz der Rostschäden noch Jahrzehnte lang stabil. „Wegrosten werden die Auflagen nicht, aber ob die Platten dann noch richtig aufliegen ist fraglich“, schränkte Hahn allerdings ein.

Neuralgischer Punkt: Die Lagerung der fahrbahnplatten auf der Stahlkonstruktion.

Welchen Weg die Stadt Nienburg bei Sanierung der Wesertorbrücke gehen soll – teuer und auf langfristigen Werterhalt oder günstig und auf mittelfristigen Werterhalt ausgelegt – müssen nun Verwaltung und Politik beraten. Zu sehr sollten sie ihre Entscheidung allerdings nicht auf die lange Bank schieben, betonte Hahn am Donnerstagabend. Je länger man warte, desto größer werde aufgrund des voranschreitenden Korrosion der Sanierungsaufwand.

Die konstruktiven Probleme beruhen darauf, dass eine Brücke durch äußere Einflüsse, wie Wind, grundsätzlich schwingt. Da macht auch die Stahlkonstruktion der Wesertorbrücke keine Ausnahme. Die Betonplatten der Fahrbahn sind hingegen starr. Damit stellt die Lagerung der Fahrbahnplatten auf dem Stahl besondere Anforderungen an die Konstrukteure. Die haben sie in diesem Fall augenscheinlich nicht gut genug gelöst. Bei der Wesertorbrücke reiben nämlich beide Teile aneinander, was zu Korrosionsschäden und zu Rissen im Beton führt. Das Unternehmen, das die Brücke vor 15 Jahren baute, existiert übrigens nicht mehr.

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