„Nicht zeitgemäße Blickweise“

Samy Deluxe zerlegt rechte Hashtag-Bewegung „AllLivesMatter“ auf Insta: Hamburger Deutschrapper mega-emotional

Deutschrapper Samy Deluxe ist keine Person, die permanent in der Öffentlichkeit stehen muss. Meldet er sich zu Wort, ist es jedoch umso dringlicher. Nun bewegt der Hamburger mit einem emotionalen Instagram-Video und nimmt sich den Hashtag #AllLivesMatter zur Brust.

  • Samy Deluxe: Deutschrapper* mit harter Kritik an #AllLivesMatter.
  • Hamburger* mit emotionalem Instagram-Statement.
  • Große Sorge um Sohn Elijah Malik Russell.

HamburgDeutschrapper Samy Deluxe, der auf Social Media-Plattformen definitiv nicht so omnipräsent in Erscheinung tritt wie viele seiner Kollegen, meldet sich nun mit einem Instagram-Video zu Wort. Dieses kommt einem rund zehn Minuten langen, emotionalen Statement gleich, das wachrütteln soll. Denn der Hamburger kritisiert den Hashtag #AllLivesMatter, der sich quasi als Gegenstück zu der Black Lives Matter-Bewegung gebildet hatte – und dabei einiges verdreht und missversteht. Ganz im Gegensatz zu Samy Deluxe selbst, der sich konsequent zeigt und sein Restaurant „Gefundenes Fressen“ geschlossen hat*.

Rapper:Samy Deluxe
Geboren:19. Dezember 1977 (Alter 42 Jahre), Hamburg
Vollständiger Name:Samy Sorge
Musikgruppen:Dynamite Deluxe (1997 - 2008), Brothers Keepers

Samy Deluxe: Hamburger Deutschrapper kritisert Hashtag „AllLivesMatter“ auf Instagram

Samy Sorge, wie der Hamburger Rapper mit bürgerlichem Namen heißt, ist afrodeutscher Herkunft und thematisiert diesen Fakt immer wieder in seiner Musik. Er macht auf gesamtgesellschaftliche Missstände aufmerksam und zeigt sich mitunter auch politisch engagiert. Auch am 42-Jährigen gehen die aktuellen Bilder aus den USA* nicht spurlos vorbei. Das wird durch ein Instagram-Video deutlich, in dem Samy Deluxe vehement den Hashtag #AllLivesMatter und die damit verbundenen Hintergründe kritisiert.

Hebt die Faust hoch, wenn ihr mit mir seid: Der aus Hamburg stammende Deutschrapper weiß nicht nur auf der Bühne zu glänzen, sondern kritisiert via Instagram den für ihn sinnlosen Hashtag #AllLivesMatter.

Laut Sorge werde der allgegenwärtige Rassismus, der auch in Deutschland vorherrscht und von dem Ex-HSV*-Spieler Dennis Aogo in der Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz* berichtet hat, oft auf die „Spitze des Eisbergs“ reduziert. Gemeint ist hiermit die weit verbreitete Annahme, dass sich ausschließlich jene Person rassistisch verhalten würden, die als rechtsradikal gelten. Das ist Samy Deluxe jedoch zu eindimensional gedacht. Wie wohl auch die Debatte über seine Künstlerauswahl für ein Charity-Projekt*.

Ihm zufolge würden mit dieser Denkweise alltägliche Formen von Rassismus ausgeklammert werden, die der Gesellschaft inhärent sind. Wird der Black Lives Matter-Bewegung, die sich gegen Gewalt an Schwarzen beziehungsweise People of Color (PoC) einsetzt, der Hashtag #AllLivesMatter entgegengesetzt, würde ein Fehler begangen werden. Denn auf diesem Wege rücke eine Gruppe zwangsläufig aus dem Fokus, die in der historischen Retrospektive eine unvergleichliche Ausgrenzung und Missachtung erfahren hat. Der Hinweis, dass alle Leben gleich wertvoll sind, verwässere für Samy Deluxe das eigentliche Problem.

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Deutschrapper Samy Deluxe nimmt Hashtag „AllLivesMatter“ auseinander – Hamburger klärt auf

Jeder, der jetzt gerade versucht, da ein Argument für sich zu machen, nur weil er so erzogen worden ist von seinen Eltern – wir sind alle gleich, es gibt keine Unterschiede, es gibt keine Farben – der muss sich einfach eingestehen, dass es eine mega naive und nicht zeitgemäße Blickweise auf diese Welt ist. Früher oder später wird euch der geschichtliche Kontext korrigieren.

Samy Deluxe am 4. Juni 2020 via Instagram

Die brutale Ermordung vom Afroamerikaner George Floyd, der durch extreme Polizeigewalt zu Tode kam und die damit verbundenen Bilder und Videos, die global zu sehen waren, bezeichnet Samy Deluxe als etwas, das „Traumata aufweckt“. Für den Hamburger sei jetzt die „Zeit zu lernen und sich auszutauschen“. Ganz simpel könne man bereits beim Grundverständnis anfangen, appelliert Sorge an die Empathie eines jeden einzelnen. Denn jeder müsse begreifen, dass Rassismus bereits dort beginnt, „wo man nicht sensibel für die Feinfühligkeiten einzelner Gruppen ist“.

Dementsprechend würde durch den Hashtag #AllLivesMatter letztendlich nur eine besserwisserische Position zu #BlackLivesMatter eingenommen werden. Ein Zeichen von fehlender Feinfühligkeit. Vielmehr würden die Anhänger der vermeintlichen Gegenbewegung, die mit ihrem #AllLivesMatter auf Twitter immer mehr an Popularität gewinnt, aufzeigen, wie ignorant sie rassistischen Strukturen und Tendenzen gegenüberstehen.

Wenn du sagst: ‚Ich seh keine Farbe‘, heißt das nur, du bist nicht so aufgewachsen, dass du über deine Farbe definiert wurdest. Wenn du sagst: ‚Wir sind alle gleich‘, heißt das nur, du wurdest nie ungleich behandelt. Wenn du sagst: ‚Es spaltet, wenn nur eine einzelne Gruppe ihre Interessen vertritt‘, heißt das nur, du hast ein sehr gespaltenes Verhältnis zu der Gesellschaft.

Samy Deluxe am 4. Juni 2020 via Instagram

Samy Deluxe: Hamburger Deutschrapper sorgt sich um seinen Sohn – der stärkt schwarze Community

Einer der Gründe für Samy Deluxe, ein solch langes und emotionales Statement aufzunehmen und mit seinen Followern zu teilen, könnte darin liegen, dass der Hamburger eine spezielle Beziehung zu den USA hat. Dort lebt nämlich sein 19-jähriger Sohn Elijah Malik Russell, dem Sorge bereits Lieder wie „Superheld“ oder „Doppelt VIP“ gewidmet hat. Sein Kind hätte in diesen Tagen „Angst um sein Leben“ – aufgrund seiner dunklen Hautfarbe.

Dies wird auch durch ein Instagram-Video von Elijah Malik Russell deutlich, in dem der Sohn von Samy Deluxe über seine Erfahrungen mit Rassismus spricht. Darüber hinaus erklärt der 19-Jährige, dass neben den Leben auch die Geschichten der schwarzen Community in der aktuellen Zeit über eine immense Bedeutung verfügen. Denn hiermit sei es möglich, der privilegierten Gesellschaft weiter den Spiegel vorzuhalten und rassistische Denkstrukturen irgendwann aus den Köpfer vieler Menschen zu entfernen.

Das hoffen natürlich auch illustre Namen aus dem Deutschrap, darunter Xatar, Kay One oder Shirin David*, die sich zuletzt mit der Berliner Polizei konfrontiert sah, welche ihren nächtlichen Videodreh crashte*. Das Trio, aber auch zahlreiche andere Personen, die mit der hiesigen Rapszene assoziiert werden, nahmen am Dienstag, 2. Juni an der #blackouttuesday-Aktion auf Instagram teil, im Rahmen dessen ein schlichtes, schwarzes Bild gepostet wurde*, um den Opfern von Rassismus zu gedenken. Eine Art digitale Kondolenz, wenn man so will. Und auch Ur-Hamburger Udo Lindenberg* beschäftigt sich mit der Situation in den USA und fordert Gerechtigkeit für George Floyd*.

Quelle: 24hamburg.de-DeutschRap

* 24hamburg.de, merkur.de und nordbuzz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/dpa/picture alliance

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