Hijab und Haute Couture

Muslimische Mode bald in Frankfurt zu sehen

Gewänder muslimischer Designer aus Südostasien. Foto: Barbara Munker
1 von 5
Gewänder muslimischer Designer aus Südostasien. Foto: Barbara Munker
Die Werke des Künstlers Weesam Al-Badry zeigen Seidenschals von prominenten Designern wie Chanel, Valentino und Gucci. Foto: Barbara Munker
2 von 5
Die Werke des Künstlers Weesam Al-Badry zeigen Seidenschals von prominenten Designern wie Chanel, Valentino und Gucci. Foto: Barbara Munker
Die Idee zur Ausstellung kam Max Hollein bei Reisen nach Teheran und anderen Orten. Foto: Barbara Munker
3 von 5
Die Idee zur Ausstellung kam Max Hollein bei Reisen nach Teheran und anderen Orten. Foto: Barbara Munker
Die Stylistin Saba Ali hat die Ausstellung mit gestaltet. Foto: Barbara Munker
4 von 5
Die Stylistin Saba Ali hat die Ausstellung mit gestaltet. Foto: Barbara Munker
Ein Haute-Couture-Kleidungsstück (M) von Karl Lagerfeld für das Chanel-Ensemble Frühjahr/Sommer 2010. Foto: Barbara Munker
5 von 5
Ein Haute-Couture-Kleidungsstück (M) von Karl Lagerfeld für das Chanel-Ensemble Frühjahr/Sommer 2010. Foto: Barbara Munker

Der Markt für muslimische Mode wächst, die Welt wird langsam auf den Modetrend aufmerksam - jetzt auch das erste große Museum: mit "Contemporary Muslim Fashions" betritt das de Young in San Francisco Neuland. 2019 kommt die Ausstellung nach Deutschland.

San Francisco (dpa) - Das überdimensionale Foto eines Models mit einem kunstvoll drapierten Kopftuch leuchtet von der eleganten Fassade des de-Young-Kunstmuseums in San Francisco. Daneben die Fakten: 1,8 Milliarden Muslime, 53 Designer, 1 globale Ausstellung.

Mit der Schau "Contemporary Muslim Fashions" betritt das experimentierfreudige Museum Neuland. Für die erste große Ausstellung über zeitgenössische muslimische Mode haben die Kuratoren Leihgaben aus aller Welt zusammengetragen, darunter Haute-Couture-Stücke, aber auch gewöhnliche Straßenkleidung.

Es ist der spektakuläre Abschied des gebürtigen Österreichers Max Hollein, der nach zwei Jahren als Museumsleiter in San Francisco in diesem Sommer an das New Yorker Metropolitan Museum wechselte. "Manche Leute glauben noch, es gibt gar keine Mode für muslimische Frauen", sagt der 49-Jährige am Rande seiner Stippvisite zur Eröffnung der Schau. Er wolle mit Unwissen und Missverständnissen aufräumen. "Dies ist derzeit eine der künstlerisch interessantesten Modeszenen überhaupt", erklärt Hollein.

Schwarze Wände und riesige Augen hinter einem Lochmuster-Ornament - wie hinter dem Sehgitter einer Burka versteckt - sind die Kulisse für bodenlange Gewänder und Überwürfe, modische Abwandlungen des traditionellen schwarzen "Abaya". Hier beginnt der Rundgang durch eine Schau mit über 80 Outfits auf Schaufensterpuppen, 40 Fotos und Social-Media-Exponaten.

Hijab-Kopftücher sind als Modeaccessoires zu sehen, werden aber auch von der Bloggerin und Rapperin Mona Haydar besungen. Das Video zu ihrem Song Hijabi läuft in der Ausstellung. Damit hatte die in Syrien geborene Sängerin 2017 die Kopfbedeckung zu Rap-Takten thematisiert.

Ein Kopftuchschleier gehört auch zu dem roten, reich bestickten Seiden-Outfit, das die in den USA geborene Stylistin Saba Ali in der pakistanischen Heimat ihrer Eltern für ihre Hochzeit anfertigen ließ. Die vierfache Mutter, mit schwarzem Kopftuch und rot geschminkten Lippen, hat die Kuratoren der Ausstellung mit beraten. "Hoffentlich lernen die Besucher, dass die muslimische Welt voller Vielfalt ist. Keiner zwingt uns dazu, uns zu verhüllen, doch ich sehe Schönheit in der Verschleierung", sagt die Amerikanerin.

"Modest Fashion" oder verhüllende, nicht körperbetonte Mode, kann extrem kreativ, elegant und bunt sein. Das zeigen die Designs von Dian Pelangi aus Indonesien. Die 27-jährige Instagrammerin hat ihre opulenten Gewänder schon auf Modeschauen in Paris und New York gezeigt. "Mit der rasch wachsenden Gruppe junger Muslime ist der Markt für 'Modest Fashion' enorm angewachsen", sagt die britische Kunsthistorikerin Reina Lewis, die seit vielen Jahren muslimische Mode studiert. Etwa 44 Milliarden Dollar werden weltweit im Jahr für die verhüllende Mode ausgegeben, so die jüngsten Schätzungen.

Sportmarken sind auf den Trend eingestiegen, etwa mit Sportkopftüchern und Ganzkörper-Badeanzügen, ebenso die Haute Couture. Das Ende des "Contemporary Muslim Fashions"-Rundgangs krönen Designer-Stücke von Yves Saint Laurent, Karl Lagerfeld und Jean Paul Gaultier, einige von arabischen Herrscherhäusern in Auftrag gegeben.

Neben Kleidung werden auch Filme und Fotos gezeigt, darunter Aufnahmen der Fotografin Hengameh Golestan, die 1979 Proteste iranischer Frauen gegen die Einführung der Zwangsverschleierung dokumentierte.

"Es ist schon bewusst eine Ausstellung zu einem durchaus brisanten, komplexen Thema, auch um Burkiniverbot und Verschleierungsgebot", sagt Max Hollein. Natürlich fließt auch das von US-Präsident Donald Trump mit dem "Muslim Ban" geforderte Einreiseverbot für Menschen aus mehreren islamischen Ländern ein. Doch die Idee für die Schau sei ihm schon vor seinem Umzug in die USA und vor Trumps Wahl ins Weiße Haus gekommen, betont Hollein. "Das war auf Reisen nach Teheran und anderen Orten, wo ich überrascht war, wie modisch dort mit Kleidungsvorschriften umgegangen wurde."

In San Francisco ist die Ausstellung bis Anfang Januar zu sehen, danach kommt sie ab April nach Frankfurt am Main ins Museum Angewandte Kunst. "Wir wollten sie unbedingt in Europa zeigen, insbesondere in einer Stadt mit einem starken Migrationshintergrund", sagt Hollein. Auch eine weitere Station im arabischen Raum wird angestrebt. "Ich bin mir sicher, dass die Schau mit ihren vielen Facetten an jedem Ort etwas anders verstanden wird."

Contemporary Muslim Fashions

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Nienburg

Azubi-Speed-Dating in der Grundschule Hoya

Jeweils fünf Minuten hatten Bewerber und Unternehmen am Donnerstagnachmittag Zeit, um sich beim ersten, vom MF Medienservice Hoya organisierten …
Azubi-Speed-Dating in der Grundschule Hoya
Nienburg

Schützenfest in Calle

Auf dem Hof Isbrandt wurde die 2019er-Scheibe aufgehängt. Meike Isbrandt ist die neue Königin in Calle.
Schützenfest in Calle
Karriere

Die 50 besten Abi-Mottos aller Zeiten

Manchmal macht es zack und das Abi-Motto steht sofort. Für manche ist aber auch Gehirnschmalz gefragt. Hier eine Auswahl der besten Sprüche zum …
Die 50 besten Abi-Mottos aller Zeiten
Auto

Mit neuen Fotos: Kuriose Blitzer-Bilder - Die verrücktesten Radarfotos

Mit Laserpistolen und Radarfallen macht die Polizei Jagd auf Temposünder. Dabei kommt es auch zu ungewöhnliche Radarfotos. Klicken Sie sich durch …
Mit neuen Fotos: Kuriose Blitzer-Bilder - Die verrücktesten Radarfotos

Meistgelesene Artikel

Sylvie Meis zeigt sich in durchsichtigem Top - Wirbel um ihr Gesicht schon wieder vergessen?

Sylvie Meis zeigt sich in durchsichtigem Top - Wirbel um ihr Gesicht schon wieder vergessen?

„Sie übertreibt es“: Lena Meyer-Landrut erneut in ultraknappem Outfit - Bill Kaulitz schlägt Alarm

„Sie übertreibt es“: Lena Meyer-Landrut erneut in ultraknappem Outfit - Bill Kaulitz schlägt Alarm

Victoria Beckham am Tegernsee: Gerade dieses Details begeistert sie

Victoria Beckham am Tegernsee: Gerade dieses Details begeistert sie

Beatrice Egli mit Geständnis zu geheimer Liebe

Beatrice Egli mit Geständnis zu geheimer Liebe