Hüseyin Bayri steht unter Schock

Ein Opfer starb in seinen Armen: "Hab mich elend gefühlt"

München - Hüseyin Bayri leistete erste Hilfe für einen Jungen, doch es half nicht: Das Amok-Opfer starb in seinen Armen. Im Video schildert Bayri die erschütternden Momente.

Der Horror des Amoklaufs - Hüseyin Bayri (29) hat ihn am Freitagabend im Olympiaeinkaufszentrum hautnah miterlebt. Der Post-Angestellte half einem Opfer und wurde beinahe selber erschossen. In der tz erzählt er von den dramatischen Minuten und wie er versuchte, trotz Todesangst zu helfen.

"Ich bin mit dem Fahrrad gefahren. Bevor der Täter geschossen hat, war ich etwa einen Meter entfernt von dem Jungen", sagt Hüseyin. "Als die Kugeln ihn getroffen haben, warf ich mein Fahrrad auf die Seite und bin gleich zu ihm hin. Da sah ich erst, dass er drei Mal getroffen wurde. Im Brustbereich."

In diesen Sekunden geht es um Leben und Tod. "Ich habe ganz spontan reagiert. Und mit meinen Händen seine Wunden zugedrückt, damit er nicht so viel Blut verliert", sagt Hüseyin. Um den Verletzten bei Bewusstsein zu halten, spricht er auch mit ihm und stellt viele Fragen - etwa nach seinem Namen und wo er wohne. "Ich sagte ihm immer wieder, dass gleich Hilfe kommt. Und dass er mich ansehen soll."

"Ich habe mich elend fühlt und geweint"

Aber die Hilfe von Hüseyin Bayri kommt zu spät. Er kann nichts mehr tun. Der Junge stirbt. "Das war schlimm für mich. Ich habe mich elend fühlt und geweint", sagt der mutige Helfer. Er beschließt, sich auf seine Weise von dem Amok-Opfer zu verabschieden. "Ich habe ihn nochmal gestreichelt und dann zugedeckt."

Als die Rettungskräfte eintreffen, steht Hüseyin Bayri noch unter Schock. "Sie waren sehr schnell da. Aber ich hatte die ganze Zeit Todesangst. Für mich hat es sich angefühlt wie eine Ewigkeit", sagt er.

An Schlafen ist nicht mehr zu denken

Seit dem Amoklauf konnte er nicht mehr schlafen und braucht Beruhigungsmittel. "Es hätte genauso mich treffen können", sagt er. "Ich verstehe nicht, dass so ein Verbrechen hier in München passieren kann. Wie kommt ein 18-Jähriger denn an solche Schusswaffen und die Munition?" Es sind Fragen, die derzeit auch die Ermittler beschäftigen.

Hüseyin Bayri hat derweil Kontakt zum Bruder des Opfers aufgenommen. "Ich wünsche der Familie viel Kraft", sagt er. "Ich habe den Jungen in mein Herz geschlossen. Manchmal denke ich mir: Hätte er eine Kugel abbekommen und ich eine, dann hätten wir vielleicht beide überlebt. Dann wäre er jetzt noch am Leben." Stattdessen, so hofft Hüseyin, "ist er jetzt im Paradies. Ich werde ihn nie vergessen."

Andreas Thieme

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