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Ist der Buß- und Bettag eigentlich ein Feiertag?

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Ist der Buß - und Bettag 2017 eigentlich ein gesetzlicher Feiertag? Welche Bedeutung hat dieser kirchliche Feiertag für die evangelische Kirche?

Der Buß- und Bettag stiftet jedes Jahr Verwirrung. Ist dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag, oder nicht? Haben die Kinder schulfrei oder müssen Eltern das beantragen? Hier finden Sie alle Infos. 

München - Der Buß- und Bettag 2017 ist ein evangelischer Feiertag. Auch dieses Jahr findet der Feiertag an einem Mittwoch statt. Allerdings fällt der Buß-und Bettag jedes Jahr auf einen anderen Termin. Dieses Jahr ist der Buß- und Bettag am 22. November 2017.

Ob Schulen und Geschäfte an diesem Tag geschlossen sind, ist in Deutschland ganz unterschiedlich geregelt. In Bayern ist der Buß- und Bettag kein gesetzlicher Feiertag mehr, sondern ein ganz normaler Arbeitstag. Schulen in Bayern bleiben aber geschlossen - egal, ob die Schüler katholisch oder evangelisch sind. Das bringt viele berufstätige Eltern in eine Zwickmühle und sorgt jedes Jahr für Diskussionen.

Wann ist Buß- und Bettag? Termine 2017 bis 2020 

Buß- und Bettag 2017

Mittwoch

22. November 2017

Buß- und Bettag 2018

Mittwoch

21. November 2018

Buß- und Bettag 2019

Mittwoch

20. November 2019

Buß- und Bettag 2020

Mittwoch

18. November 2020

Was wird eigentlich an Buß- und Bettag gefeiert?

Auch wenn der Buß- und Bettag seinen Status als bundesweiten gesetzlichen Feiertag verloren hat, ist der Tag als kirchlicher Festtag für Protestanten bedeutsam. 

Besinnung, kritische Lebensbilanz und Neuortientierung stehen in evangelischen Gottesdiensten laut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Mittelpunkt. Der Feiertag dient evangelischen Christen zum Nachdenken über eigene Fehler und Versäumnisse, aber auch gesellschaftliche Irrtümer. 

Der Buß- und Bettag soll daran erinnern, dass Scheitern zum Leben gehört, aber auch daran, sich immer wieder neu auf das Leben zu besinnen und neu zu orientieren.

Buß- und Bettag 2017: Buße und Sühne „Und vergib uns unsere Schuld“

Ursprünglich wurde in besonderen Notfällen, nach Ausbruch eines Krieges oder drohenden Katastrophen ein Bußtag von einem Land oder Staat verfügt, damit die Menschen vor Gott um Vergebung und um Abnahme der Schuld bitten. 

Das Wort „Buße“ wurde zu Zeiten Martin Luthers noch gleichbedeutend mit Beichte benutzt. Gerade am damaligen Verständnis von Beichten und Buße übte Luther vor 500 Jahren Kritik an der päpstlichen Kirche. In seinen Thesen prangerte der Reformator diese Missstände an und leitete damit die Abspaltung von der katholischen Kirche ein. Mit dem Reformationstag feiern Protestanten jedes Jahr dieses Ereignis. 2017 ist er jedoch ein ganz besonderer Feiertag in Deutschland, wie Sie unter diesem Link nachlesen können.

Das wichtigste zum Buß- und Bettag auf einem Blick

  • Kein Halleluja im Bußtags-Gottesdienst
  • Liturgische Farbe des Buß- und Bettags ist lila, als Farbe der Einkehr und Buße.
  • 1532 hielt die evangelische Kirche in Straßburg im Schatten der Türkenkriege den ersten Buß- und Bettag ab. Daraufhin verordneten einzelne Kirchengemeinden Buß- und Bettage zu unterschiedlichen Terminen und aktuellen Anlässen.
  • 1892 setzte die preußische Generalsynode einen Termin für den Buß- und Bettag für das Staatsgebiet in Mittel- und Norddeutschland fest und zwar auf den letzten Mittwoch des Kirchenjahres.
  • 1995 wurde der Buß-und Bettag als gesetzlicher Feiertag bundesweit ersatzlos gestrichen. Nur in Sachsen haben Arbeitnehmer frei.

Warum fällt der Buß- und Bettag jedes Jahr auf ein anderes Datum?

Bei dem evangelischem Feiertag handelt es sich um einen sogenannten beweglichen Feiertag. Jedes Jahr fällt der Buß-und Bettag auf einen anderen Termin. Der Grund dafür: Der evangelische Festtag wird jedes Jahr am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres im November begangen, elf Tage vor dem ersten Advent.

Mit dem Ewigkeitssonntag im November, auch Totensonntag genannt, endet das Kirchenjahr bei den Protestanten. Der Gedenktag geht auf die Reformationszeit zurück und ist dem Andenken der Verstorbenen gewidmet. In der katholischen Kirche wird an Allerheiligen und Allerseelen der Toten gedacht. Alle Informationen rund um diese Feiertage finden Sie hier bei Merkur.de*

Warum wurde der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag abgeschafft?

Der Buß- und Bettag wurde seit dem Zweiten Weltkrieg in den meisten Bundesländern als gesetzlicher Feiertag behandelt.

Ab 1981 bis 1994 war der Buß- und Bettag bundesweit ein gesetzlicher Feiertag. Auch in Ländern mit überwiegend katholischer Bevölkerung hatten Arbeitnehmer an diesem Tag frei. 

1995 wurde der Feiertag gestrichen, um den Beitrag der Arbeitgeber zur Pflegeversicherung (die 1995 eingeführt wurde) aufzufangen. Nur in einem Bundesland ist der Buß- und Bettag weiterhin ein arbeitsfreier Feiertag und zwar in Sachsen.

Wer hat am Buß- und Bettag frei?

Der Buß- und Bettag war im Jahr 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft worden. Damals haben alle Bundesländer den gesetzlichen Feiertag ersatzlos gestrichen.

  • In dem ostdeutschen Bundesland Sachsen ist der Buß- und Bettag ein gesetzlicher Feiertag. Sächsische Arbeitnehmer zahlen deswegen einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung.
  • In Bayern und Berlin gibt es aber neben Sachsen eine Ausnahmeregelung.

Bundesland

Buß-und Bettag

gesetzlicher Feiertag

Ausnahmeregelung

Sachsen

gesetzlicher Feiertag

 - 

Bayern

nein

An bayerischen Schulen haben alle Schüler am Buß- und Bettag schulfrei (egal ob sie katholisch oder evangelisch sind).

Berlin

nein

In Berlin können evangelische Schüler selbst entscheiden, ob sie an diesem Feiertag die Schule besuchen oder nicht.

Durch die Feiertagsgesetze können Arbeitnehmer in den meisten Bundesländern unter Hinweis auf religiöse Pflichten frei nehmen. Zwar müssen sie keinen Urlaubstag dafür opfern, aber auf den Lohn verzichten. 

Wo ist der Buß- und Bettag kein gesetzlicher Feiertag?

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Berlin 
  • Brandenburg 
  • Bremen 
  • Hamburg 
  • Hessen 
  • Mecklenburg-Vorpommern 
  • Niedersachsen 
  • Nordrhein-Westfalen 
  • Rheinland-Pfalz 
  • Saarland 
  • Sachsen-Anhalt 
  • Schleswig-Holstein 
  • Thüringen

Warum sorgt der Buß- und Bettag in Bayern für Diskussionen?

In Bayern sorgt gerade die Ausnahmeregel am Buß- und Bettag jedes Jahr bei vielen Eltern für Unverständnis: Schüler freuen sich aufs Ausschlafen. Berufstätige müssen in die Arbeit und oft obendrein noch eine Kinderbetreuung organisieren.

Denn an diesem schulfreien Tag haben auch viele Kitas und Horte geschlossen. Wohin also mit den Kleinen? 

In Bayern müssen Familien den Tag deswegen, wie auch Schulferien, rechtzeitig planen. Viele Mütter und Väter nehmen sich an diesem Tag frei.

Haben Lehrer am Buß- und Bettag in Bayern frei?

Lehrer haben am Buß- und Bettag zwar unterrichtsfrei, aber nicht dienstfrei. „Sie besuchen am Buß- und Bettag in der Regel Fortbildungen oder haben pädagogische Tage“, erklärte Max Schmidt vom Bayerischen Philologenverband, gegenüberMerkur.de*. Öffentlich werde das aber nicht wahrgenommen.

Tanzverbot am Buß- und Bettag in Bayern?

Übrigens gehört der Buß- und Bettag in Bayern zu den sogenannten stillen Tagen. An stillen Tagen herrschen laut dem Bayerischen Feiertagsgesetz besondere Regeln. Ein ausdrückliches Tanzverbot, wie an Karfreitag, gibt es laut Merkur.de* allerdings nicht

Warum wird der Buß-und Bettag nicht wieder eingeführt?

Seit seiner Abschaffung 1995 gibt es immer wieder Bestrebungen, den Buß- und Bettag wieder zum gesetzlichen Feiertag zu machen. 2009 wollte sich der damalige der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und bekennender Protestant dafür einsetzen. Aber auch das Bundesverfassungsgericht sieht keinen Änderungsbedarf der Feiertagsregelung.   

Was bedeutet eigentlich ein „gesetzlicher Feiertag“?

Handelt es sich bei einem Feiertag um einen gesetzlichen Feiertag, wird der Tag wie ein Sonntag behandelt.

Arbeitnehmer haben grundsätzlich frei, Geschäfte sind geschlossen und Schüler können ausschlafen. Wer trotzdem arbeiten muss, bekommt Feiertagszuschläge.

ml

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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