Trotz Lockdown

Corona-Ansturm auf Berge trotz Lockdown: Münchner Virologe empfiehlt sogar Winter-Wandern - „Risiko praktisch null“

Trotz Lockdown strömten Touristen in letzter Zeit in die Berge. Ein Virologe betont nun: Hält man Abstand, ist das Ansteckungsrisiko bei solchen Ausflügen gering. 

  • Während des Corona-Lockdowns sollten die Menschen eigentlich so gut es gut daheim bleiben.
  • Viele Tagestouristen halten sich jedoch nicht daran - und strömen in Scharen in die Berge.
  • Ein Virologe aus München rät nun zu Winterwanderungen, Schlittenfahren oder Tourengehen.

München - Nach wie vor herrscht im Freistaat der Corona-Lockdown. Übersetzt bedeutet das: Die Bayern sollen so gut es geht zuhause bleiben. Schönstes Winterwetter zog in den letzten Tagen trotzdem Scharen von Tagesausflüglern ins Voralpenland. So ächzten etwa die Regionen Miesbach*, Bad Tölz* oder Garmisch-Partenkirchen unter den Touristen-Massen.

Trotz Lockdown in Bayern: Ausflügler strömen in die Berge - Politiker schalten sich ein

Trotz Corona-Lockdown zieht es viele Ausflügler derzeit in die Berge.

Das Ganze ging so weit, dass der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis (CSU) sogar Ministerpräsident Markus Söder per SMS um Unterstützung* bat, um den Ausflügleransturm unter Kontrolle zu bringen. Auch Landtagspräsidenten Ilse Aigner appellierte an die Menschen in München und Umgebung: „Unternehmen Sie Ausflüge in Ihre nächste Umgebung und verzichten Sie auf eine Fahrt in die Berge, um den Erfolg der Corona*-Maßnahmen nicht zu gefährden.“

In eine ganz andere Richtung geht nun die Aussage eines Münchner Virologen. Denn nach Einschätzung von Oliver Keppler birgt Bewegung an der frischen Luft - unter Einhaltung der Abstandsregeln - ein sehr geringes Corona-Ansteckungsrisiko. „Es gibt Studien, denen zufolge die Ansteckungswahrscheinlichkeit in geschlossenen Räumen neunzehnmal höher sein könnte“, betont der Chef der Virologie am Max-Pettenkofer-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität. „Wenn man draußen Abstand hält und eine Mund-Nasen-Bedeckung trägt, ist das Risiko praktisch null.“

Nach Massen-Ansturm auf Berge: Münchner Virologe empfiehlt Wanderungen an der frischen Luft - „halte ich für geringes Risiko“

Keppler weiter: „Die Leute sollen ja auch ein bisschen raus und an die frische Luft gehen.“ Der Virologe leugnet zwar nicht, dass es in Skigebieten „problematische Engstellen“ geben könne, selbst wenn man eine FFP2-Maske trage. Doch der Münchner stellt auch klar: „Wandern, Schlittenfahren und Tourengehen halte ich für ein wirklich geringes Risiko, wenn man zu anderen Familien Abstand hält.“

Virologe Oliver Keppler betont: Hält man genügend Abstand, ist das Ansteckungsrisiko - zum Beispiel beim Schlittenfahren - gering.

Ein mögliches Ansteckungsproblem sieht Oliver Keppler hingegen bei Verkaufsständen, an denen die Leute Schlange stehen. Keppler: „Aus meiner eigenen Beobachtung halten sich aber nahezu 100 Prozent der Leute auch hier an die Corona-Abstandsregeln, und sehr viele tragen eine Mund-Nasen-Bedeckung.“

Ausflüge trotz Corona-Lockdown: Virologe sieht Ansteckungsproblem bei Verkaufsständen

Mit einem gewissen Ansteckungsrisiko verbunden ist es laut Keppler auch, wenn sich Familien mit anderen Familien etwa zum Spazierengehen verabreden, sich dabei einander nahe kommen - oder gar zusammen in einem Auto fahren. „Letzteres ist ein bekanntes Ansteckungsrisiko. Aber solange sich die Menschen an der frischen Luft und in ihrer jeweiligen familiären Blase bewegen, sehe ich da keine Gefahr.“

Sollten der Massenansturm in den Bergen nicht abnehmen, dürfte sich die Situation zwischen Ausflüglern und Einheimischen vorerst trotzdem nicht entschärfen. Kürzlich ging die Verärgerung eines Garmischers sogar so weit, dass er einen vermeintlichen Münchner Touristen vor das Auto spuckte*. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. (kof)

Rubriklistenbild: © Angelika Warmuth/dpa

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