Corona-Ticker für die Bundesrepublik

Zahl der Neuinfektionen in Deutschland erreicht höchsten Wert seit Mai

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland liegt derzeit wieder so hoch wie seit drei Monaten nicht mehr.

  • Die Coronavirus*-Krise hält Deutschland in Atem.
  • Das Robert-Koch-Institut (RKI) informiert täglich über die offiziellen Fallzahlen und die Reproduktionszahl.
  • Über zweite Welle herrscht eine Diskussion - auch unter Virologen wie Hendrik Streeck und Christian Drosten.

+++ 6.45 Uhr:  Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 1147 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich somit mindestens 214.214 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Freitagmorgen im Internet meldete (Datenstand 7.8., 0.00 Uhr).

Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland hat damit den höchsten Wert seit Anfang Mai* erreicht. Bereits am Donnerstag lagen die Neuinfektionen mit 1045 Corona-Fällen erstmals wieder über der Schwelle von 1000. Sie war zuletzt am 7. Mai überschritten worden. Danach war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder. Der Höhepunkt bei den neuen Ansteckungen wurde Anfang April mit mehr als 6000 erreicht.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9183. Bis Freitagmorgen hatten 195.900 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 6.8., 0.00 Uhr, in Deutschland bei 0,99 (Vortag: 0,9). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert mit Datenstand 6.8., 0.00 Uhr, bei 1,06 (Vortag: 0,97). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Die Zahl der Neuinfektionen steigt in Deutschland wieder deutlich an.

Corona in Deutschland: Jens Spahn bleibt optimistisch

Update vom Freitag, 07.08.2020, 6.00 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat nach dem jüngsten Anstieg der Corona-Neuinfektionen klargemacht, dass er derzeit keine kritische Schwelle überschritten sieht. „Im Moment sind wir in jedem Fall noch in einer Größenordnung, mit der das Gesundheitswesen und der öffentliche Gesundheitsdienst umgehen kann“, sagte der CDU-Politiker dem ZDF*-„Heute Journal“. „Wenn wir uns jetzt stabilisieren auf einem bestimmten Niveau, dann können wir damit umgehen. Wenn die Zahlen weiter steigen, dann kommt es auf uns alle an, im Alltag aufeinander zu achten und eben weitere Maßnahmen tatsächlich auch nicht nötig zu machen.“

Auf die Frage, ab wann wieder eine Art Lockdown notwendig wäre, unterstrich Spahn die Linie, im Fall der Fälle vor allem auf regionale Maßnahmen zu setzen. Er betonte, es gebe nicht „die eine Zahl, auf die alles reduziert werden kann“. „Es gibt den Steigerungsfaktor - also um wie viel dynamischer wird das Infektionsgeschehen? Es gibt die absolute Zahl der Infektionen. Mit um die 1000 Neuinfektionen pro Tag kann das Gesundheitswesen umgehen.“

Virologe Christian Drosten weiß, wie zweiter Corona-Lockdown verhindert werden kann

+++ 16:06 Uhr: In einem Gastbeitrag bei „Zeit“ hat Christian Drosten sich zu einer zweiten Corona-Welle geäußert. Demnach werde eine zweite Welle gänzlich anders verlaufen. So könnten neue Fälle überall gleichzeitig, egal ob in verschiedenen Landkreisen oder Altersstrukturen, auftreten. „Wenn in der zweiten Welle die Gesundheitsämter hierdurch überfordert sind, droht aber ein Lockdown“. Als neue Strategie rät Virologe Christian Drosten dazu, sich auf „Cluster“ zu konzentrieren. Damit sind Ereignisse oder Umfelder mit vielen gleichzeitigen Infektionen gemeint.

„Es hilft ein Blick nach Japan. Das Land warnte seine Bürger frühzeitig vor großen Menschenansammlungen, geschlossenen Räumen und engem Kontakt. Wie anderswo in Asien sind Masken weit akzeptiert. Statt viel und ungezielt zu testen, hat Japan früh darauf gesetzt, Übertragungscluster zu unterbinden. Dazu hat das Land offizielle Listen von typischen sozialen Situationen erstellt, in denen Übertragungscluster entstehen, und sie öffentlich bekannt gemacht. Die Gesundheitsbehörden suchen in der Kontakthistorie eines erkannten Falls gezielt nach bekannten Clusterrisiken“, schreibt Christian Drosten.

Corona in Deutschland: Virologe Christian Drosten schlägt Kontakt-Tagebuch vor - Lauterbach stimmt zu

Außerdem sollten Bürger*innen ein Kontakt-Tagebuch im Winter führen, um Cluster-Mitglieder zu identifizieren. „Schaut man sich neuere Daten zur Ausscheidung des Virus an, reicht eine Isolierung der Cluster-Mitglieder von fünf Tagen, dabei darf das Wochenende mitgezählt werden“, erklärt Virologe Christian Drosten. Am Ende der fünf Tage solle man die Cluster-Mitglieder testen. Ein Lockdown wäre dann wie in Japan nicht nötig. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach stimmte Drosten bereits bei Twitter zu. „Einzelfallverfolgung ist ineffizient und läuft der Pandemie-Welle nach. Die Gesundheitsämter müssen sich auf Cluster-Isolierung konzentrieren dürfen. Die Abkehr von dem, was wir jetzt machen, ist radikaler als es scheint, aber nötig", schrieb Lauterbach.

Kommt ein zweiter Lockdown? Virologe Hendrik Streeck meldet sich zu Wort

+++ 13:56 Uhr: Aktuell gibt es eine Diskussion über eine zweite Corona-Welle in Deutschland. Ist sie bereits da? Hieran scheiden sich die Geister. Nun hat sich auch Virologe Hendrik Streeck in einem Interview mit t-online.de zu Wort gemeldet. Auf die Frage, wann man von einer zweiten Welle sprechen könne, antwortete Streeck: „Ich finde den Begriff der „Dauerwelle“ passender. Die Infektionen verschwinden ja nicht, sondern wir werden lernen müssen, das Virus in unseren Alltag zu integrieren. Wie bei anderen Coronaviren auch, werden wir immer im Sommer einen Rückgang der Infektionen sehen, im Frühjahr, Herbst und Winter eine Zunahme. Ich kann nicht erkennen, dass wir jetzt in einer zweiten Welle sind“.

Virologe Hendrik Streeck äußert sich zu einer zweiten Corona-Welle in Deutschland.

Der Begriff „zweite Welle“ sei kein epidemiologischer Begriff, sondern entstand während der Spanischen Grippe. Virologe Hendrik Streeck äußerte sich auch zu Corona-Partys. „Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, alle Infektionen vermeiden zu wollen“. Vielmehr ginge es darum zu lernen, mit dem Virus zu leben. „Ich glaube, man sollte den Menschen an die Hand geben, dass sie achtsam sein müssen, aber trotzdem ein Stück weit das tun dürfen, was ihnen wichtig ist“, sagte der Virologe.

Corona in Deutschland: Testpflicht für Reiserückkehrer nach Deutschland kommt

+++ 11.11 Uhr: Einreisende aus internationalen Corona-Risikogebieten müssen sich von diesem Samstag an bei der Rückkehr nach Deutschland auf das Virus testen lassen. Das ordnete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an, wie er am Donnerstag in Berlin auf einer Pressekonferenz mitteilte.

Dafür soll es insbesondere an den Flughäfen Teststationen geben, auch bei der Einreise mit Bahn oder Auto sollen Testmöglichkeiten bereitgestellt werden. Bereits jetzt gibt es die Möglichkeit für alle Einreisenden, sich binnen 72 Stunden nach der Ankunft in Deutschland kostenlos testen zu lassen.

Jens Spahn (CDU) hat einen verpflichteten Corona-Test für Reiserückkehrer aus Risikogebieten nach Deutschland angekündigt.

Spahn erinnerte auch an die weiterhin geltende Vorschrift, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten ohne negativen Corona-Test für zwei Wochen in Quarantäne begeben müssen. Alternativ könne ein negatives Testergebnis vorgelegt werden, „das nicht mehr als zwei Tage alt ist“.

+++ 7.33 Uhr: Nachwuchspolitiker fordern für Jugendliche auch in Corona-Zeiten Möglichkeiten zum Feiern. In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur appellierten Vertreter der Nachwuchsorganisationen der Bundestagsparteien vor allem an die Gemeinden, dazu Gelegenheiten zu schaffen. Gleichzeitig riefen sie Jugendliche zur Umsicht auf. Hintergrund sind Diskussionen über „Corona-Partys“, auf denen Schutzregeln missachtet werden.

Corona in Deutschland: RKI meldet mehr als 1000 Neuinfektionen

Update vom Donnerstag, 06.08.2020, 6.05 Uhr: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 1045 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich somit mindestens 213.067 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Donnerstagmorgen meldete (Datenstand 6.8., 0.00 Uhr).

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9175. Bis Donnerstagmorgen hatten 195.200 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 5.8., 0.00 Uhr, in Deutschland bei 0,9 (Vortag: 1,02). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Corona in Deutschland: Schon da, oder nicht? Streit um die zweite Welle

Erstmeldung vom Donnerstag, 06.08.2020, 6 Uhr: Die Corona-Krise beherrscht nach wie vor das Leben aller Menschen in Deutschland. Mehr als 213.000 Menschen haben sich nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität mit dem Virus Sars-CoV-2 angesteckt, über 9160 sind an den Folgen der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

Corona in Deutschland: Immer wieder Infektionsherde in unterschiedlichen Regionen

Immer wieder gibt es größere, regionale Ausbrüche. So stiegen zuletzt die Corona-Neuinfektionen in Offenbach* sehr stark an. In einer Konservenfabrik im bayerischen Mamming infizierten sich außerdem 166 Mitarbeiter, aus einer Reederei in Hamburg wurden 55 Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet.

Aber vor allem der große Corona-Ausbruch in einem Schlachtbetrieb der Fleischfirma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) sorgte bundesweit und international für Aufsehen.

MonatAnzahl an Corona-Infizierten (Quelle RKI)
März (Stand 1.3.20)1332
April (Stand 1.4.20)102.283 (+100.951 im Vergleich zum Vormonat)
Mai (Stand 1.5.20)165.895 (+63.621 im Vergleich zum Vormonat)
Juni (Stand 1.6.20)183.279 (+17.384 im Vergleich zum Vormonat)
Juli (Stand 1.7.20)196.361 (+13.082 im Vergleich zum Vormonat)
August (Stand 1.8.20)210.711 (+14.350 im Vergleich zum Vormonat)

Corona in Deutschland: Ist die zweite Welle schon da?

Die zweite Corona-Welle in Deutschland spukt in den Gedanken vieler herum. Ist sie schon da – oder kommt sie noch? Nach Einschätzung des Ärzteverbandes Marburger Bund hat sie Deutschland bereits erfasst. „Wir befinden uns ja schon in einer zweiten, flachen Anstiegswelle“, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna der „Augsburger Allgemeinen“.

Sie sei aber nicht vergleichbar mit der ersten Welle von März und April. Dennoch steige die Zahl der Neuinfektionen. „Damit ist die Gefahr, dass wir die Erfolge, die wir bislang in Deutschland erzielt haben, in einer Kombination aus Verdrängung und Normalitätssehnsucht wieder verspielen“, warnte Johna.

Der Virologe Hendrik Streeck dagegen kann im Verlauf der Corona-Krise in Deutschland derzeit weder eine zweite Welle noch einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen erkennen. „Tatsächlich ist der Begriff ‚zweite Welle‘ kein epidemiologischer Begriff, sondern er entstand während der Spanischen Grippe, die nach einem ersten Infektionsschub im Herbst mit voller Wucht wiederkehrte“, erläuterte der Bonner Wissenschaftler in einem Interview.

Coronavirus Sars-CoV-2 und die Lungenkrankheit Covid-19

Anfang Januar gaben die Behörden in China erstmals bekannt, dass ein neuartiger Virus in der Stadt Wuhan grassiert. Er soll von einem Wirbeltier auf den Menschen übertragen worden sein. In Deutschland traten die ersten Corona-Infektionen Ende Januar auf. Seit dem 11. März 2020 wird die weltweit ausgebrochene Lungenkrankheit Covid-19 von der WHO als Pandemie* bezeichnet.

Wie das Robert Koch-Institut unterstreicht, ist der Hauptübertragungswegfür das Coronavirus SARS-CoV-2 die respiratorische Aufnahme virushaltiger Flüssigkeitspartikel, die beim Atmen, Husten, Sprechen und Niesen entstehen. Daher empfiehlt das RKI das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung beispielsweise einer Schutzmaske in „bestimmten Situationen im öffentlichen Raum“.

Die Suche nach Corona-Medikamenten und einem Impfstoff läuft weltweit auf Hochtouren. Mehr als 100 Corona-Impfstoffprojekte sind mittlerweile bei der Weltgesundheitsorganisation WHO��angemeldet. Wann ein erster Impfstoff alle Testphasen durchlaufen hat, und tatsächlich angewandt werden kann, ist jedoch derzeit noch unklar.

Corona in Deutschland: Was ist eigentlich die zweite Welle?

Es tönt wie eine Drohung, die Sache mit der zweiten Welle bei den Corona-Ansteckungen in Deutschland: Fordern die Menschen das Virus heraus, indem sie bei den Vorsichtsmaßnahmen nachlassen und die zweite Welle damit geradezu heraufbeschwören?

Die Expertenmeinungen gehen auseinander, ob man überhaupt von Wellen sprechen soll und was genau damit gemeint ist. Von Wellen sei wohl die Rede, weil die Fallzahlen oft in Kurven dargestellt würden, die wie Wellen aussehen, sagt Heiner Fangerau vom Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Uni Düsseldorf. Pandemien verliefen aber nicht zwangsläufig in Wellen. „Die Pest grassierte im Mittelalter mehr als sieben Jahre lang, da kann man nicht von Wellen sprechen, und bei der Cholera auch nicht.“ (tvd/dpa) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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