Kampf gegen Coronavirus

Tübinger Forscher entwickelt Corona-Impfstoff - und testet ihn an sich selbst

Tübingen ist ein Hotspot, wenn es um die Erforschung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geht. Der Immunologe Hans-Georg Rammensee testete das Serum an sich selbst.

  • Forscher aus Tübingen spielen eine wichtige Rolle im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24 berichtete*).
  • Hans-Georg Rammensee, Immunologe an der Universität Tübingen, hat einen Impfstoff gegen den SARS-CoV-2 entwickelt und an sich selbst getestet.
  • Der Immunologe, sein Team und die Universität Tübingen blocken Anfragen zu dem Experiment jedoch ab.

Tübingen - Der Immunologe Hans-Georg Rammensee hat erfolgreich einen Impfstoff getestet, der das Coronavirus in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern eindämmen könnte. Das berichtete zuerst das Schwäbische Tagblatt aus Tübingen. Eigentlich erforscht Hans-Georg Rammensee an der Universität Tübingen, wie das menschliche Immunsystem funktioniert - vor allem in Bezug auf Krebs. Sein Spezialgebiet: bestimmte Peptide, Aminosäureketten, die sich an der Außenhülle von Zellen befinden. Sie signalisieren dem Immunsystem, ob eine Körperzelle gesund oder krank ist.

Seit Januar arbeitet Hans-Georg Rammensee aber bereits an einem Impfstoff gegen das Coronavirus, das sich rasant in Baden-Württemberg ausbreitete.* Die dafür benötigten DNA-Sequenzen hatte er sich laut Schwäbischem Tagblatt aus dem Internet besorgt. Ende Januar stellte der Immunologe das Design des Impfstoffs gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und darüber hinaus fertig, im März wurde das Mittel erstmals am Menschen getestet. „Test zweier Impfstoffprototypen ist bereits an einem gesunden Freiwilligen erfolgt“, steht laut Schwäbischem Tagblatt in einer Kurzbeschreibung des Projekts.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Immunologe aus Tübingen testet Impfstoff an sich selbst

Bei dem „gesunden Freiwilligen“ handelt es sich um Hans-Georg Rammensee selbst. Um die Forschung zum Coronavirus in Baden-Württemberg voranzutreiben, spritzte sich der Immunologe den Impfstoff gegen Covid-19 am 6. März 2020 selbst, wie er gegenüber der Süddeutschen Zeitung angab. Die Injektion des Mittels habe zu einer Schwellung an der Einstichstelle am Bauch geführt und eine Immunreaktion des ganzen Körpers ausgelöst. Beides sei ein Zeichen dafür, dass der Impfstoff gegen Covid-19 funktioniere, so Rammensee zum Schwäbischen Tagblatt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: An der Universitätsklinik Tübingen soll eine klinische Studie Aufschluss über die Wirkung des Impfstoffs geben (Archivbild).

Um mehr über die Antwort des Immunsystems auf Covid-19 herauszufinden, lässt die Stadt Tübingen bereits Bürger auf Coronavirus-Antikörper testen.* Hans-Georg Rammensee geht davon aus, dass er durch das Selbstexperiment immun gegen das Coronavirus ist, das in Baden-Württemberg nach wie vor eine Gefahr darstellt. „Ich bin davon überzeugt“, betonte der Immunologe gegenüber dem Schwäbischen Tagblatt.

Eine Blutprobe habe am 25. März gezeigt, dass es eine Immunantwort auf den Corona-Impfstoff im Körper des Forschers gegeben habe, wie die Süddeutsche berichtet. Als nächster Schritt folgt eine klinische Studie. 68 Probanden sollen im Rahmen der Studie mit dem Covid-19-Impfstoff geimpft werden, den Hans-Georg Rammensee an sich getestet hat. Die Leitung der Studie übernimmt Juliane Walz, Privatdozentin an der Klinischen Kooperationseinheit Translationale Immunologie am Tübinger Uniklinikum.

Covid-19-Impfstoff: Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg

Für die Entwicklung des Covid-19-Impfstoffs kam dem Tübinger Immunologen Hans-Georg Rammensee seine Erfahrung in der Erforschung von Krebs zugute, die er schon lange vor dem Ausbruch des Coronavirus in Baden-Württemberg sammelte. Hans-Georg Rammensee nutzt ein Verfahren, das eigentlich zur Bekämpfung von Krebs angewandt wird. Virusspezifische Peptide werden dabei mit einem Zusatzstoff kombiniert. Diese Kombination alarmiert die T-Zellen des Immunsystems, die zur Produktion von Antikörpern gegen das Coronavirus anregen.

In dem Ansatz steckt gleichzeitig eine mögliche Erklärung dafür, warum das Covid-19 besonders ältere Menschen häufig schwer trifft. Sie gehören zur Coronavirus-Risikogruppe in Baden-Württemberg.* Denn bei älteren oder immungeschwächten Menschen sind die T-Zellen oft weniger leistungsfähig.

Der von Hans-Georg Rammensee entwickelte Covid-19-Impfstoff könnte helfen, Krankenhäuser zu entlasten, indem bereits erkrankte Risikopatienten frühzeitig damit behandelt würden. Es bestünden gute Aussichten, dass es zu weniger Fällen käme, die eine Beatmung benötigten. „Dies könnte dann zu einer deutlichen Entschärfung der Corona-Krise beitragen“, erklärt Rammensee dem Schwäbischen Tagblatt.

Tübinger Coronavirus-Impfstoff könnte vor Infektion schützen

Neben der Behandlung von bereits erkrankten Patienten der Corona-Risikogruppe glaubt Hans-Georg Rammensee auch an eine prophylaktische Wirkung. Er ist der Überzeugung, dass der Covid-19-Impfstoff vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. Die große Schwellung, die er selbst durch die Injektion bekam, stünde allerdings einer Massentauglichkeit im Weg. Um mehr über den entwickelten Impfstoff gegen Covid-19 herauszufinden, sei die jetzt anberaumte klinische Studie daher unabdingbar.

Neben der Universität Tübingen forscht auch das Tübinger Unternehmen CureVac an einem Covid-19-Impfstoff. Hans-Georg Rammensee hat das Unternehmen mitgegründet und sitzt heute noch im wissenschaftlichen Beirat. CureVac konnte zuletzt ebenfalls erste Erfolge bei der Entwicklung vermelden (BW24* berichtete). Im Gegensatz zu Hans-Georg Rammensee arbeitet CureVac ausschließlich an prophylaktischen Impfstoffen. Der Ansatz ist allerdings ähnlich: Mithilfe des natürlichen Botenstoffs mRNA (messenger RNA) sollen Immunzellen aktiviert werden, um Antikörper und T-Zellen gegen das Coronavirus herzustellen.

In Deutschland wurde im April erstmals die Zulassung für die klinische Prüfung eines möglichen Corona-Impfstoffs erteilt. (Symbolbild)

Coronavirus in Baden-Württemberg: Es gibt Zweifel an dem Impfstoff-Versuch

Die Forschungsergebnisse zu dem Coronavirus-Impfstoff aus Baden-Württemberg klingen zunächst nach einem großen Erfolg. Die beteiligten Forscher und die Universität Tübingen sind aber wenig auskunftsfreudig in Bezug auf das Projekt. Auf mehrfache Nachfrage von BW24 wollten sich weder Hans-Georg Rammensee, noch Juliane Walz oder die Pressestelle der Uniklinik Tübingen zu der Impfstoffentwicklung und der klinischen Studie äußern.

Ein Selbstversuch ist eine unkonventionelle, womöglich sogar fragwürdige Methode. Zudem beurteilen andere Wissenschaftler die bisherigen Ergebnisse von Hans-Georg Rammensee zu dem Coronavirus-Impfstoff äußerst skeptisch. Die Bedeutung dieser Einzelbeobachtung für die Entwicklung einer effektiven Impfung „ist zum aktuellen Zeitpunkt gänzlich aus der Luft gegriffen und durch keinerlei Daten untermauert“, sagte Immunologe Dirk Busch von der Technischen Universität München zur Süddeutschen Zeitung.

Auch Elfriede Nößner, Professorin für Molekulare Immunologie am Helmholtz Zentrum in München hat Zweifel. Zwar zweifle sie die Ergebnisse nicht an, weil die Gruppe für ihre Experte in diesem Fachbereich sehr bekannt sei, wie sie der Zeitung sagte. „Aber die vorgestellten Daten sind sehr vorläufig.“

*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Karl-Josef Hildenbrand

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