Tanzabend „Dans la peau de l’autre“

Annäherung zwischen Holstein und Togo

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Es geht um mehr als um Schwarz und Weiß bei Tomas Bünger (l.) und Kossi Sebastien Aholou-Wokawui.

Bremen - Von Rolf Stein. Es ist ein schlichter, tropisch anmutender Unterstand, vielleicht eine Bushaltestelle, den wir am hinteren Rand der Spielfläche sehen. Eine in luxuriösem Rot gepolsterte Bank steht darin. Auf sie setzen sich zu Beginn des Tanzabends „Dans la peau de l’autre“ zwei Männer – die Bremer Tänzer Tomas Bünger und Kossi Sebastien Aholou-Wokawui.

Beide sind in etwa gleich groß, der eine, Bünger, ist allerdings schmaler als der andere. Das wird sehr bald deutlich, als sich die beiden Männer ihrer Kleidung entledigen, die sie kulturell verortet hat, den einen als weißen Europäer, den anderen als Afrikaner. Bis auf ihre Unterhosen entblößt stehen sie nun vor uns, wobei sich der Abend den ersten kleinen Scherz erlaubt. Der dunkelhäutige Aholou-Wokawui trägt weiß, der blasse Bünger schwarz.

„Dans la peau de l’autre“, das bedeutet: In der Haut des anderen. Was sich, wie im Laufe des rund einstündigen Stücks deutlich wird, auf mehreren Ebenen verstehen lässt. Die Verweise auf kulturelle Verstrickungen der Tänzer, die zugleich auf eine gemeinsame Geschichte verweisen. Aholou-Wokawui stammt aus Togo, zwischen 1884 und 1914 sogenanntes deutsches Schutzgebiet, in anderen Worten eine Kolonie.

Allerdings geht es Aholou-Wokawui, der den Abend konzipiert und choreografiert hat, und Bünger hier nicht um eine historische Aufarbeitung, sondern darum, aufeinander zuzugehen, sich in einem rund einjährigen Prozess einzufühlen in den jeweils anderen und nicht zuletzt etwas Gemeinsames zu schöpfen. Diese Annäherung wirkt immer wieder durchaus auch schmerzhaft, wenn Aholou-Wokawui geradezu buchstäblich zu versuchen scheint, die Haut des anderen zu durchdringen, sie ergreift und vom Körper wegzieht. Und er selbst wird später von Bünger fallenglassen wie eine Last.

Dagegen stehen Phasen der Nachahmung, eines Strebens nach, vielleicht aber auch eher eines spielerischen Verweises auf Integrationsforderungen, wenn Aholou-Wokawui und Bünger sich in holsteinischen Volkstänzen begegnen. Es geht aber auch bis zurück in die Kindheit, die in verwaschenen Familienbildern aufscheint.

Als bereichernde Erfahrung bezeichnen die Tänzer diese Arbeit. Für das Publikum darf das durchaus auch gelten.

Sehen:

Samstag, 20 Uhr, Sonntag, 19 Uhr, Schwankhalle, Bremen.

Quelle: kreiszeitung.de

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