Franziska Nast zeigt in Bremen coronasichere Kunst

Es brennt noch Licht im Erlkönig

Was Kunst im Lockdown kann: „OHh PLEASE“ von Franziska Nast.
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Was Kunst im Lockdown kann: „OHh PLEASE“ von Franziska Nast.

Bremen – Das kleine Wörtchen „bitte“ ist, bedenkt man es recht, eines der vielseitigsten Wörter der deutschen Sprache. Von „gern geschehen“ über das Bitten bis zum Abwinken und noch weiter reichen die Bedeutungen, die man den zwei Silben je nach Kontext und Tonlage geben kann. Die Hamburger Künstlerin Franziska Nast hat am Wochenende ein Bremer Wohn- und Gewerbehaus mit den Worten „OHh PLEASE“ (zu Deutsch: Oh bitte) verziert, rechtzeitig zum ersten Advent, und das ist kein Zufall.

Auf die Beine gestellt hat die Aktion der Bremer Künstler Pio Rahner, der im ersten Lockdown bereits die Bahn- und Bushaltestellen Bremens mit der Fotoausstellung „Sichten“ veschönert hat. Nun hat er das Haus, in dem sein Ausstellungsraum „Erlkönig“ beheimatet ist, zum Schauplatz einer Fassadenbespielung erkoren – und den Gehweg davor gleich mit.

Eigentlich sollte Franziska Nast bereits am Karfreitag dieses Jahres unter dem Titel „Thank God It’s Friday“ in Bremen zu sehen sein. Was aber wegen der bekannten Umstände abgesagt werden musste. Ein geradezu blasphemischer Titel, gedenken die Christen an jenem der Kreuzigung ihres Heilands. „OHh PLEASE“ lässt sich nun als sehnsüchtiges Flehen lesen, wie Kinder sich zum nahenden Fest eben etwas wünschen. Oder auch als Abwinken: Oh bitte, nicht jetzt auch noch Weihnachtszeit. Und Hand aufs Herz: Wer wäre nicht schon ein bisschen genervt – wenn schon nicht von ein paar ruhigen Tagen im kleinen Kreis, dann doch von den Diskussionen, die derzeit unermüdlich darüber geführt werden. Während alle Welt darauf wartet, dass endlich wieder so etwas wie Normalität einkehrt.

Was uns direkt zum zweiten Teil der Arbeit bringt: Am vergangenen Sonntag hat Nast nämlich per Hochdruckreiniger den Gehweg vor dem Haus des Erlkönigs bearbeitet. Durch das Abtragen dessen, was sich mit der Zeit am Boden abgelagert hat, entstand der Schriftzug „World of Buffering“ – zu Deutsch in etwa: Welt des Pufferns. Wobei Buffering den Vorgang des Zwischenspeicherns zum Beispiel beim Herunterladen von Daten aus dem Internet bezeichnet. Und für den Ladenden praktisch bedeutet: Warten. Buffering ist dabei im Kontext dieser Kunstaktion sicherlich nicht zufällig nah am englischen Wort für Leiden – suffering. Ein bissiger Kommentar auf Aussagen zum „härtesten Weihnachten seit dem Krieg“? Nicht auszuschließen. Denn dass die Idee, sich an den Kirchenkalender anzudocken, Teil von Nasts Überlegungen ist, liegt auf der Hand. Die Galerie Erlkönig teilt schließlich mit, dass nach der Absage des Karfreitagstermins eigentlich der Totensonntag am 22. November für das Bremen-Gastspiel der Künstlerin angepeilt war.

Mit den beiden Bestandteilen der nun für zwei Wochen in der Bremer Bahnhofsvorstadt an der frischen Luft zu besichtigenden Schau ergibt sich eine verspielt-skeptische Sicht auf diese eigentümliche Zeit. Während die Welt zwischenspeichert – was sie ja gleichsam tut, zumindest in den Künsten, wo wieder einmal ins Ungewisse verschoben werden muss, was produziert wurde und wird – ist es vielleicht angezeigt, den Wahn der Weihnachtlichkeit zu hinterfragen und damit das, was man sich erbittet. Oder eben dann doch zu sagen: Oh bitte, lass zumindest einen nächsten Lockdown an uns vorübergehen.

Unterschiedliche Sichtweisen sind übrigens in die Fensterinstallation sozusagen eingebaut, die sich über drei Haushalte im zweiten Obergeschoss erstreckt. Beleuchtet und damit lesbar wird der mindestens doppeldeutige Schriftzug durch das Licht in den Räumen hinter den Fenstern – weshalb dann vielleicht auch einmal Buchstaben fehlen. Das Spekulieren darüber lässt sich dann vielleicht auf dem Weg in die nahegelegenen Einkaufsstraßen der Stadt besorgen.

Bis zum 13. Dezember, Ellhornstrasse 14, Bahnhofsvorstadt, Bremen.

Von Rolf Stein

https://erlkoenigschau.tumblr.com/
https://www.instagram.com/erlkonigschau/

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