Beethoven mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen

Neun Sinfonien auf einen Streich

Eine Beethoven-Büste steht mit Gesichtsschutz in einem Fenster.
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Muss drinnen bleiben: Büste von Ludwig van Beethoven mit Gesichtsschutz – seine Sinfonien können wir trotzdem hören.

Eigentlich wollte die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen Beethovens neun Sinfonien vor großem Publikum spielen. Doch dann kam Corona, und die Schließung der Konzerthäuser. Daher gibt es die Werke nun auf CD. Eine Kritik von Markus Wilks.

Bremen – Was ist bloß aus dem Beethoven-Jahr geworden? Eine weltweit schier unermessliche Zahl an Veranstaltungen anlässlich des 250. Geburtstags des Komponisten sollte es geben, doch dann kam Corona. Aus der Not zumindest eine kleine Tugend machte die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die nun die Einzel-CDs aus dem gemeinsamen Beethoven-Projekt mit Paavo Järvi als festliche 6-CD-Box herausgegeben hat. Grund genug, sich erneut mit diesen Einspielungen zu beschäftigen.

Inzwischen haben einige Orchester und Dirigenten nachgezogen und ähnliche Beethoven-Interpretationen wie die der Deutsche Kammerphilharmonie vorgestellt – doch das Original besitzt unverändert eine überwältigende Kraft. Immerhin geht die gemeinsame Beschäftigung mit Beethovens neun Sinfonien bis in die 90er-Jahre zurück, und die Einspielungen dieser Stücke erfolgte bereits zwischen 2004 und 2009. Die Krönung dieses Projekts wäre aus Sicht des Bremer Publikums sicherlich die Gesamtaufführung erstmals auch in der Bremer Glocke gewesen. Sie hätte vor wenigen Wochen stattfinden sollen, doch Corona, aber das wissen Sie ja.

Das Cover der Beethoven-CD ist eher schlicht gehalten.

Versucht man, die Höreindrücke zu bündeln, blickt man zuvorderst auf die Leidenschaft, Kraft, Virtuosität und Energetik, die das Spiel der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen prägt. Aber man bewundert auch die Ruhe und das Aufblühen der Holzbläser sowie die Transparenz beim Musizieren.

Letztendlich hat man immer den Eindruck, dass jede einzelne Note eine maximale Bedeutung bekommt, ohne dass dabei der Notentext seziert würde oder der Fluss der Musik verloren ginge. Man glaubt die Vertrautheit zu spüren, aus der Paavo Järvi und sein Team in vielen, vielen Proben und Konzerten rund um den Globus eine gemeinsame Sprache entwickelt haben.

Kammerphilharmonie schafft atemberaubende Momente

Ein schönes Exempel für diese Einschätzung bietet die Einspielung der „Siebten“, obgleich die Interpretation jeder weiteren Sinfonie erwähnenswert ist. Bemerkenswert sind beispielsweise im zweiten Satz die grummelnden Bässe, die von einer Melodie der hohen Streicher flankiert werden und wo sich quasi dazwischen die übrigen Streicher und Bläser zur Begleitung schieben. In den schlank genommenen Fugato-Passagen (zeitlich verschobene Einsätze der Instrumente) erkennt man Beethovens Bezug zum Barock. Dann im Finale kulminiert die überschwängliche Musizierlust zu einem zugleich perfekt beherrschten wie emotional aufgeputschten Spiel mit Trompeten, die ihre Einsätze immer scharf anspielen und sich dann sofort zurückziehen.

Eine ganz andere Welt hört man in der Sinfonie Nr. 1, die Paavo Järvi maximal unaufgeregt beginnt, sodass man nicht ahnt, welche Entwicklungen und Überrumpelungen noch folgen werden. In der „Neunten“ wiederum erzeugt das Orchester mehrfach Momente atemberaubender Spannung (Paukenschläge!). Wie sich aus diesem anfänglichen vermeintlichen Chaos dann die mitreißende Welt des Finalsatzes mit „Freude schöner Götterfunken“ entwickelt, ist große Kunst.

Link zum Download als Zugabe

Als Zugabe zur Einspielung der neun Sinfonien gibt es auf der sechsten CD sechs Ouvertüren sowie den Link zum Download der gesamten Box zur Wiedergabe auf tragbaren Geräten. Wie geht es nun mit dem Bremer Beethoven weiter? Stillstand und Wiederholung des Bewährten und weltweit Verehrten? Vor ziemlich genau einem Jahr hatten das Orchester und Paavo Järvi mit einer irrwitzigen Zugabe (Finalsatz der 1. Sinfonie) in einem Abokonzert gezeigt, dass noch längst nicht alles auserzählt ist. Der Bremer Beethoven lebt, wenn auch derzeit für uns Zuhörer nur auf CD. Perfekt für lange Weihnachtsabende zu Hause.

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