Deutsch-türkisches Festival: Bremen feiert die zweite Kültürale

Instab ile Zuschreibungen

Niederländerin mit türkischen Wurzeln und amerikanischer Ausbildung: Karsu Dönmez. Foto: Harmen de Jong

Bremen - Von Rolf Stein. Ihr Publikum begrüßt die Sängerin und Pianistin Karsu Dönmez aus Amsterdam am Dienstagabend im gut besuchten Kleinen Haus in Bremen in einem Mix aus Deutsch und Englisch mit niederländischem Akzent. Das und der Umstand, dass die Musikerin englische wie türkische Texte schreibt und singt, ist hübsch sinnbildlich für das Festival, das mit dem Auftritt der Musikerin eröffnet wurde und bis zum 22. April „Einblicke in das Schaffen deutscher, türkischer und deutsch-türkischer Künstler“ geben will.

Zum zweiten Mal richtet der Verein Kulturforum Türkei das Festival aus, das Aspekte einer Kultur auffächert, die den Kern einer Debatte berührt, die spätestens nach dem rechtsradikalen Terroranschlag von Hanau fällig ist: Wann ist eine Gesellschaft bereit, sich als kulturell heterogen zu begreifen und damit auch als Einwanderungsland? In seinem Grußwort weist Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte darauf hin, dass sich im kommenden Jahr die Unterzeichnung des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei zum 60. Mal jährt.

Der Auftritt von Karsu, einer Niederländerin mit türkischen Wurzeln, erinnerte nun daran, dass seinerzeit nicht nur Deutschland damals auf die Ressourcen anderer Länder zurückgriff, um die eigene Wirtschaft auf Wachstumskurs zu halten. Wie wenig stabil kulturelle und andere Zuschreibungen bezüglich Menschen mit Migrationsgeschichte sind, deutet die Musik von Karsu auch an. Ausgebildet wurde die Musikerin unter anderem an der Rhode Island University, schon in jungen Jahren trat sie in der New Yorker Carnegie Hall auf. Ihre Musik ist von Jazz und Soul ebenso geprägt wie von türkischen Spielweisen. Dass sie eigens Unterricht nahm, um an ihrer türkischen Aussprache zu arbeiten, erzählt Karsu. Dabei habe sie dann auch gelernt, wie man ihren Vornamen richtig ausspreche.

In ihren Conferencen sehr humorvoll und durchaus auch selbstironisch, lässt die Musikerin in ihren Songs keinen Zweifel daran, dass es ums Ganze geht, um die ewig gültigen Themen des Pop, Liebe und so weiter, die sie in beeindruckend kraftvoll gesungene Blues-Koloraturen verpackt, aber immer wieder auch in die sehnsüchtigen Melodien der türkischen Musik. Damit hielt sie das Publikum eineinhalb Stunden inklusive Zugabe bei Laune. Ein würdiger Auftakt für die Kültürale.

Wer bei dieser westöstlichen Melange auf den Geschmack gekommen ist, kann sich am 18. April bei Marsis über eine Fusion traditioneller Musik vom Schwarzen Meer mit schwerem Rock freuen und am 19. April mit Nihan Devecioglu & The Single Camels Geschichten aus aller Welt hören.

Neben Musik bietet die Kültürale Literatur, Kulinarik, einen Graffiti-Workshop für Jugendliche, den „Faust“ als Solo-Stück und einen Auftritt des Kabarettisten Fatih Cevikkollu. Die ökonomische Vorgeschichte dieser kulturellen Phänomene beleuchtet ein Filmabend am 11. April: „Arbeiten für Deutschland – Ein Stahlwerk und ,seine‘ Ausländer“ (1990) sowie „Merhaba mein Stahl – Deutsche und Türken auf der Klöckner Stahlhütte in Bremen“ (1993) untersuchen das Verhältnis der Arbeiter aus der Türkei 25 Jahre nach ihrer Ankunft in Deutschland zu ihren deutschen Kollegen und ihren Status in Zeiten der Krise.

Quelle: kreiszeitung.de

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