Klänge, die von den Tuareg erzählen

Musiker Bombino tritt zum ersten Mal in der Region auf – und überzeugt

+
Statt zu reden, lässt Bombino lieber seine Gitarre sprechen – so auch am Freitagabend in der Music Hall Worpswede.

Worpswede - Von Rolf Stein. Bombino, sagen Menschen, die ihn kennen, redet nicht viel. Er lässt lieber seine Gitarre sprechen. Dann setzt er zu ausgedehnten Improvisationen an, mit kühnen Spannungsbögen, die er immer wieder formvollendet auflöst. Unter dem Einfluss von Jimi Hendrix und Mark Knopfler formte der als Goumour Almoctar in Niger auf die Welt gekommene Musiker einst als Autodidakt seinen Stil, den die staunende Welt erstmals auf dem Album „Guitars From Agadez Vol. 2“ zur Kenntnis nehmen durfte. Inzwischen ist er längst auf internationalen Bühnen zuhause und trat am Freitag zum ersten Mal in der Region auf.

Für ein ausverkauftes Haus reicht es diesmal noch nicht, aber die Music Hall ist zumindest gut besucht. Und vor allem hinterlässt Bombino mit seinen drei Begleitern ein begeistertes Publikum, das nicht in jedem Fall vorher gewusst hat, was da genau passieren würde. Ein Besucher sagt, er habe sich vom Etikett „Desert Rock“ locken lassen. Ein Begriff, der auch für die Musik von Bands wie Queens Of The Stone Age steht, die übrigens ihrerseits Bombino-Fans sind. Almoctar kommt allerdings aus einer anderen Wüste, der Sahara nämlich, und seine Musik erzählt immer auch von den Geschicken der Tuareg, die als Nomaden von den jeweiligen Nationalstaaten marginalisiert werden.

Nachdem Bombino seine vorherigen Alben in den USA aufgenommen hatte, kehrte er für sein jüngstes Werk „Deran“ nach Afrika zurück. Mit ihm aufgenommen hat die gleiche Band, die auch derzeit mit ihm auf Tournee ist: Youba Dia (Bass), Illias Mohammed (Gitarre) und Schlagzeuger Corey Wilhelm. Gemeinsam, punktuell unterstützt von zwei Mitgliedern ihrer Entourage, spielen sie sich in Worpswede durch das Reprtoire, das von sanft rollenden Blues-Stücken über Reggae-Infusionen bis zu sich ekstatisch beschleunigenden Jams reicht. Bombino selbst ist dabei im klanglich erstaunlich dezent vertreten, ob aus Absicht oder nicht – die Band war immerhin mit einiger Verspätung eingetroffen und hatte entsprechend wenig Zeit für einen Soundcheck. Sein flüssiges Fingerpicking und seine beinahe beiläufig wirkende Virtuosität lassen allerdings keinen Zweifel an seiner Klasse.

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Politik

Bundestag erklärt Maghrebstaaten und Georgien für sicher

Bundestag erklärt Maghrebstaaten und Georgien für sicher
Politik

Plan B für den Brexit: Die "Barnier-Treppe" nach oben?

Plan B für den Brexit: Die "Barnier-Treppe" nach oben?
Politik

Deutschland will bei Streit um Asowsches Meer schlichten

Deutschland will bei Streit um Asowsches Meer schlichten
Welt

Bundeskriminalamt richtet Blick auf kriminelle Großfamilien

Bundeskriminalamt richtet Blick auf kriminelle Großfamilien

Meistgelesene Artikel

Kunstfestspiele Herrenhausen: Im Zeichen der Zehn

Kunstfestspiele Herrenhausen: Im Zeichen der Zehn

Marko Letonja und die Bremer Philharmoniker in der Glocke

Marko Letonja und die Bremer Philharmoniker in der Glocke

Kerstin Ott offen im TV: „Wenn ich bei Rossmann in der OB-Abteilung stehe ...“

Kerstin Ott offen im TV: „Wenn ich bei Rossmann in der OB-Abteilung stehe ...“

Theater des Schlachthofs bezieht Ausweichquartier an der Weser

Theater des Schlachthofs bezieht Ausweichquartier an der Weser

Kommentare