US-Band tritt in Halle 7 auf

Limp Bizkit in Bremen: Klingender Junggesellenabschied

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Fred Durst wollte nie erwachsen sein – mit seiner Band Limp Bizkit spielte er am Mittwoch in Bremen.

Bremen - Es ist so um die 18 Jahre her, dass Limp Bizkit in Bremen waren. Damals surften sie auf einer Welle des Erfolgs mit ihrem Mix aus brachialen Metal-Gitarren, Funk-Riffs, erlebnisorientierten Texten und Scratch-Einlagen vom Plattenspieler. Harter Rock traf Hip-Hop-Kultur.

Limp Bizkit hatten das nicht erfunden. Spätestens mit dem im September 1993 veröffentlichten Soundtrack zu dem Film „Judgment Night – Zum Töten verurteilt“ war die bereits in den 80er-Jahren von Bands wie Faith No More und den 24/7 Spyz angebahnte Ehe von Metal und Rap vollzogen. Leors Dimants, besser bekannt als DJ Lethal, ist dort noch als Teil der New Yorker Hip-Hop-Crew House Of Pain zu hören, die für den Song „Just Another Victim“ mit Helmet zusammenarbeiteten.

Zurück in die Gegenwart: Nu Metal, wie die Musik von Bands wie Limp Bizkit, Korn, Slipknot und anderen der Einfachheit halber genannt wurde, hat Patina angesetzt. Limp Bizkit scheint angesichts der vergangenen Zeit eine gewisse Ratlosigkeit befallen zu haben. Seit mehr als einem halben Jahrzehnt arbeiten sie an „Stampede of the Disco Elephants“, dem Nachfolger ihres bislang letzten Albums „Gold Cobra“ aus dem Jahr 2011. Eigentlich sollte das neue Album schon 2015 erscheinen. Substanziell Neues gab es auch am Mittwoch in der bei weitem nicht ausverkauften Halle 7 nicht zu hören außer ein paar Riffs.

Limp Bizkit: Eigene Songs offenbar nicht abendfüllend

Hat das Make-up schön: Gitarrist Wes Borland.

Dafür ein eineinhalbstündiges Programm aus den bekannten Songs der Band, einschließlich der ganz vorn im Programm gesetzten Cover-Version von „Faith“, im Original von George Michael. Was der Band in der Breite an Substanz abgeht, deutet sich in recht ausgedehnten Pausen zwischen den Songs an – man ist ja auch keine 20 mehr. Aber auch in diversen angespielten Kompositionen von Musikern wie Ministry oder Metallica, die dann jedoch nicht weiter ausgeführt werden. Die eigenen Hits ergeben offenbar kein abendfüllendes Programm.

Die Akustik der Halle 7 ist ohnehin nicht unbedingt für filigrane Klangerlebnisse geschaffen, allerdings kommt es auf Nuancen bei Limp Bizkit auch nicht an. Das Wechselspiel von groovigen Parts mit Sprechgesang und schwer stampfendem Metal funktioniert auch so. Die Arbeit von DJ Lethal allerdings verkommt auf diese Weise ein wenig zum Gimmick. Wichtiger bei Limp Bizkit aber ohnehin: Party als reichlich ungefähre Opposition gegen alles – und damit eigentlich eher gegen nichts.

Fred Durst verkörpert dabei bis heute einen pubertären Aufmupf ohne weitere Agenda, einen „rebel without a cause“, sozusagen. Als er am Mittwochabend erzählt, der Song „Break Stuff“ sei ihnen vom örtlichen Veranstalter verboten worden, spielt er auf das Festival „Woodstock III“ im Jahr 1999 an. Damals fachte Durst während des besagten Songs die ohnehin schon brenzlige Stimmung noch an. Während des Auftritts der Band soll es direkt vor der Bühne zu einer Gruppenvergewaltigung gekommen sein. Für Durst ist das heute offenbar weiter kein Thema. Mehr als ein Verweis auf eine Bevormundung von oben ist nicht drin. Die Minimalopposition in Rock also: der Protest gegen die Eltern.

Dass Durst im Verlauf des Abends einen Fan auf die Bühne bittet, der ausweislich seines T-Shirts seinen Junggesellenabschied feiert, um ihm am Ende auf den Weg zu geben, er möge seine Frau nicht betrügen, bringt auf den Punkt, wie bieder das im Grunde ist: Die Kleinbürgerhölle ist Ausgangs- wie Endpunkt des Gesamtkunstwerks Limp Bizkit.

Das spricht heute anscheinend eher ein mit der Band älter gewordenes Publikum an, dass die Publikumsnähe von Fred Durst goutiert. Der kämpft sich immerhin mitten im Konzert durch die Menge, um auch der hinteren, von einem Absperrgitter separierten Hälfte des Auditoriums einen halben Song lang nahe sein zu können.

Quelle: kreiszeitung.de

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