Künstlerhaus zeigt Werke von Heinz Peter Knes

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Bremen – Einfach auf den Auslöser drücken, viel mehr braucht es nicht, um Erinnerungen zu schaffen. Doch ist es wirklich so einfach? Nein. Vor allem nicht, wenn wir vom Fotografieren im künstlerischen Kontext sprechen. Wie viel Aufwand da vor und nach dem Abdrücken notwendig ist, zeigt in diesen Tagen das Künstlerhaus Bremen.

Dort sind unter dem Titel „Fotografische Arbeit“ vier Werke des Berliner Künstlers Heinz Peter Knes zu sehen. Darunter auch „Prozess“, das sich –  der Name sagt es bereits – in 54 kleinformatigen Abbildungen mit den Prozessen rund ums Fotografieren beschäftigt. Aufnahmen großräumiger Ateliers treffen dabei auf technische Apparaturen und natürlich den eigentlichen Moment des Abdrückens. Fotografieren ist für Knes, das wird sehr deutlich, ein „Prozess“. Etwas, das reifen muss, vom Einfluss anderer Menschen und dem eigenen Umfeld abhängt.

Im Künstlerhaus dient die Arbeit „Prozess“ auch als Klammer, die alle vier Werke verbindet. Denn in den 54 Fotografien findet sich unter anderem eine Aufnahme des Schauspielers Joël Ameloot. Sie zeigt ihn, wie er einen Text für „Hannah Arendt’s Library“ einspricht – eine Diashow, in der Knes ein Künstlerbuch adaptiert, das gemeinsam mit anderen Künstlern im Jahr 2012 entstanden ist. Damals hatte er Zettel, Briefe und Notizen aus Arendts Bibliothek abfotografiert, im Künstlerhaus werden diese Abbildungen nun als Dias an die Wand geworfen – während Ameloot Titel von Werken der Theoretikerin vorliest.

Dem gegenüber steht eine weitere Auseinandersetzung mit Geschichte, in diesem Fall mit dem Denkmalensemble des Marx-Engels-Forums in Berlin. Auf diesem sind 144 Fotografien aufgebracht, die Jahrzehnte des Klassenkampfs zeigen. Abbildungen, an denen sich Knes auf der Schautafel „Der weltrevolutionäre Prozess seit Karl Marx und Friedrich Engels bis in die Gegenwart“ abarbeitet.

Dass „Fotografische Arbeit“ ohne den Prozess des Vermittelns nicht denkbar ist, wird unterdessen im gemeinsam mit der Fotografin Kristin Loschert erarbeiteten „Riemenschneiderfilm“ deutlich. Vor überwiegend kleinen Stühlen (auf denen angeblich auch Erwachsene sitzen können) flimmern Fotos von Werken von Tilman Riemenschneider an der Wand, untermalt von einem psychedelischen Sound. Zu sehen sind Skulpturen des Bildschnitzers, die vornehmlich in Kirchen und Museen zu finden sind und deren Dokumentation besonders von einem Umstand abhängt: das jemand auf den Auslöser drückt.

Sehen

Die Schau läuft noch bis zum 22. November.

Von Mareike Bannasch

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