Kunstverein Hannover verkauft Jahresgaben

Nach Lockdown: Letzte Rettung Advents-Shop

Zwei mit Goldspray besprühte Handschuhe liegen auf einer weißen Unterlage.
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Kunst unterm Tannenbaum: Alexandra Birckens „Held“.

Museen dürfen in Corona-Zeiten nicht öffnen, Galerien aber schon. Um also doch noch etwas Geld in die Kassen zu bekommen, hat der Kunstverein Hannover nun einen Advents-Shop geschaffen.

  • Kunstverein verkauft Jahresgaben im Shop.
  • Einzige Möglichkeit zu öffnen.
  • Kunst in unterschiedlichen Preisklassen.

Hannover – Ausstellungen im klassischen Sinne sind zurzeit nicht möglich, Verkaufsangebote hingegen schon. In Hannover versucht man mit entsprechenden Initiativen einen Fuß in die Tür zu bekommen, und der dortige Kunstverein hat ein besonders interessantes Sortiment zusammengestellt: In einem Advents-Shop können Jahresgaben aus mehreren Dezennien erworben werden. Die Preisspanne ist erheblich, wobei Mitglieder des Kunstvereins jeweils etwas weniger als die in folgendem Text angegebenen Summen zu entrichten haben.

„Wir haben bewusst auf eine Petersburger Hängung mit einem stilistischen Clash gesetzt“, sagt Kathleen Rahn, Direktorin des Hauses. Tatsächlich finden sich dort Helmut Sundhaußens 1969er Siebdrucke, konstruktivistisch und mit ausgeprägten Farbkontrasten, für 180 Euro ebenso wie Alexandra Birckens 2017 entstandene Motorradhandschuhe aus Neusilber, mit 6 000 Euro die teuerste Arbeit im Shop – übrigens wird man in diesem auch schon für zweistellige Beträge fündig.

Einige Exponate aus dem Archiv des Kunstvereins

Bircken gehört zu den Shootingstars der Szene, während andere Namen weniger geläufig sind. Woraus nicht unbedingt auf die Qualität der Arbeiten zu schließen ist: Ludi Armbrusters Siebdrucke aus dem Jahr 1970 etwa haben mit ihrem Spagat zwischen Abstraktion und Körperlichkeit durchaus ihre Reize. Ein besonderes Schmankerl ist ein Blatt von Vivi Bach, bekannt als Sängerin, Schauspielerin und TV-Moderatorin – mit ihrem Ehemann Dietmar Schönherr führte sie von 1969 bis 1972 durch die für damalige Verhältnisse aufsehenerregende bis zuweilen skandalträchtige Show „Wünsch dir was“. „Manchmal“, bekennt Kathleen Rahn, „waren wir selbst erstaunt, was sich in unserem Archiv so alles findet.“

Einigen Exponaten sieht man ihre Entstehungszeit deutlich an, andere wirken zeitlos, so wie Sophie von Hellermanns Acrylmalereien von 2017, die zeigen, dass auch in der aktuellen Kunst die Figuration durchaus noch eine Rolle spielen kann. Im gleichen Jahr ging Laura Bielau allerdings komplett andere Wege: Sie präsentiert ein Foto mit zwei Zahnpasta-Streifen und weist so auf die Ästhetik des Alltags hin.

Christine Möbius: „er/sie liebt mich, liebt mich nicht“

Mit einem Auflagenobjekt der ebenso renommierten wie eigenwilligen Christiane Möbus kann man sogar spielen. Es funktioniert nach dem Prinzip „er/sie liebt mich, liebt mich nicht“, allerdings kommen hier keine Blütenblätter, sondern Knöpfe zu Einsatz. „Ein Exemplar“, merkt Kathleen Rahn lächelnd an, „hat ein Paar zur Silberhochzeit gekauft“ – das Ergebnis der Spielrunde ist nicht bekannt. Wer‘s riskieren will: Das interaktive Objekt kostet signiert und nummeriert 250 Euro.

Die US-Amerikanerin Kaari Upson hat im vergangenen Jahr eine viel beachtete Ausstellung im Kunstverein gehabt. Die Jahresgabe der Künstlerin, deren Mutter übrigens aus Hannover stammt, steht im Bezug zu dort gezeigten Arbeiten: Es sind symbolträchtige Pepsi-Dosen, die mit 2 300 Euro pro Stück doch spürbar teurer als gewohnt sind und aus denen man besser nicht trinken sollte, da sie nach Entleerung und Erhitzung mit flüssigem Aluminium gefüllt wurden.

Tisch mit Sektflasche als Kunstobjekt

Es gibt einen Aufbau mit Merchandise-Artikeln des Kunstvereins, darunter der kultige Zollstock, dessen Beschriftung „Mit Abstand am besten“ nicht zeitgemäßer sein könnte. Ein Tisch mit Sektflasche und zwei Gläsern ist dagegen Kunst: „Millenium“ heißt die Arbeit der aktuell angesagten Berliner Künstlerin Henrike Naumann, die gerne die Zeitenwende im Allgemeinen und deutsch-deutsche Verhältnisse im Besonderen unter die Lupe nimmt.

Es lohnt sich hier ferner, den Blick nach oben zu richten: Lukas Zerbst, der im vergangenen Sommer während einer Aktion eine Zeitlang im Kunstverein gewohnt hat, präsentiert handgeformte Leuchtröhren, die sich eigenwillig unter der Decke winden, als wollten sie den Flugwegen der „Motten“ folgen, nach denen die Arbeit betitelt ist. Und einen Verweis auf die Zukunft hat der Kunstverein ebenfalls in die Schau geschmuggelt: Auf dem handbemalten Druck von Pieter Schoolwerth ist eine Menge los – dem US-amerikanischen Künstler soll die nächste Ausstellung gewidmet sein. Wann auch immer sie eröffnet werden kann.

Einkaufen im Shop

Der Advents-Shop im Kunstverein Hannover ist an diesem Wochenende, also am 11. und 12. Dezember, geöffnet. Außerdem stehen die Türen am 18. und 19. Dezember jeweils von 12 bis 19 Uhr offen. Einen ersten Ein-, allerdings keinen kompletten Überblick können Interessierte sich unter www.kunstverein-hannover.de verschaffen.

Von Jörg Worat

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