Musiker Stefan Stoppok über Corona, Pläne und Hass im Netz

„Verschwörungstheoretikern muss man Paroli bieten“

Stefan Stoppok sitzt vor einer Wand und hat die Hände auf dem Tisch.
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Stefan Stoppok zeigt Verschwörungstheoretikern eine klare Kante.

Wie kommt ein Musiker durch die Corona-Zeit? Wie plant er für die Zukunft? Und wie sollte man mit Verschwörungstheoretikern umgehen? Fragen, die Stefan Stoppok im Gespräch mit Reinhard Franke beantwortet hat.

Hamburg – Seit 40 Jahren ist Stefan Stoppok ein fester Bestandteil in der deutschen Musiklandschaft. Sein größter Hit war 1992 „Dumpfbacke“. Damals wollte die Plattenfirma mit ihm durchstarten, doch was machte er? Er veröffentlichte ein Instrumental-Album. So ist der Musiker bis heute. Stoppok macht sein Ding. Seine aktuelle CD „Jubel“ erschien vor Corona und stieg auf Platz vier der Albumcharts ein. .

Herr Stoppok, wie geht es Ihnen in dieser für Musiker so schwierigen Corona-Zeit?

Mir geht es eigentlich sehr gut. Bei mir ist das viel zitierte „Runterkommen“ in bester Form eingetreten. Ich bin extrem kreativ und mache Sachen, die ich sonst wahrscheinlich immer weiter nach hinten geschoben hätte. Auch wenn für mich das Tourleben und die Konzerte immer ein absolutes Vergnügen waren und hoffentlich bald wieder sind, merke ich jetzt, dass es trotzdem sehr geschlaucht hat. Immerhin kann man sagen, dass ich fast 40 Jahre permanent unterwegs war. So eine lange Pause wie jetzt gab es noch nie. Finanziell sieht es natürlich nicht so spaßig aus, aber ich bin geschult darin, mit extremen Lebenssituationen umzugehen.

Im Gegensatz zu anderen Musikern konnten Sie ab und an kleine Konzerte spielen. Nicht wirklich ein Ersatz, oder?

Nicht wirklich, aber irgendwie hat es dann doch wieder extrem Spaß gemacht und bei einigen Konzerten waren die Leute trotz Abstand so drauf, dass es sich ganz normal angefühlt hat.

„Jubel“ ist der Titel des aktuellen Albums. Bejubeln konnte man aber 2020 wenig. Was macht das mit Ihnen als Mensch und Künstler?

Na ja, hier in Deutschland konnte man allein darüber jubeln, dass man hier verhältnismäßig gut durch das Jahr gekommen ist und dass auch jetzt noch unser Gesundheitssystem einigermaßen stabil ist. Wenn ich da an unseren Schlagzeuger Wally Ingram denke, der in Los Angeles wohnt, mit ihm möchte ich nicht tauschen. Die haben da viel massivere Probleme.

Warum heißt das neue Album eigentlich „Jubel“?

Der Titel bezieht sich in erster Linie auf meine ganz persönliche Situation. Ich habe vor über 40 Jahren mein erstes Album aufgenommen, seitdem 19 Studioalben und mehrere Live-Alben rausgehauen, und ich habe nicht im Ansatz das Gefühl, dass meine Geschichten alle erzählt sind. Will sagen: Die Kreativität nimmt eher noch zu. Außerdem bin ich seit mehr als 20 Jahren komplett unabhängig und kann jederzeit machen, was ich will. Wenn das kein Grund zum Jubeln ist.

Corona setzte ein, als Sie mit dem Album ordentlich losgerannt sind. Schmerzte das besonders?

Ich sag mal so: Wenn das Album nicht in die Charts oder nur auf Platz 40 oder so gelandet wäre und wir hätten kein Corona gehabt und zu den Konzerten wäre auch keiner gekommen, obwohl die Leute es hätten können, das wäre in jedem Fall schlimmer gewesen.

Für den Song „Lass sie rein“ hagelte es bei YouTube massive Hass-Kommentare bis hin zu Morddrohungen. Wie sprachlos macht Sie das?

Ganz im Gegenteil, es macht mich nicht sprachlos, sondern es zwingt und bringt mich dazu, den Mund zu dem Thema noch mehr aufzumachen. Den idiotischen und kleingeistigen Verschwörungstheoretikern muss man Paroli bieten.

Ihr Ding war immer der Blues. Doch man erkennt ihn nicht als den typischen Blues, wie die Masse dieses Genre sieht. Ist das gewollt, dass Sie ihn in Ihrer ganz eigenen Weise spielen?

Blues war für mich immer ein gewisses intensives Grundgefühl und nicht der gängige 12-Takter. Letztendlich muss jeder für sich seinen musikalischen Rahmen finden, in dem er sein Gefühl am besten ausdrücken kann.

Wie sind Ihre Pläne für 2021? Wenn man in dieser Zeit überhaupt konkret planen kann.

Ja, das kann man leider nicht so wirklich. Wir haben natürlich für den Sommer schon wieder Konzerttermine gebucht, und auch die November/Dezember-Tour 2021 steht, aber wie du richtig sagst, keiner weiß, wann der Spuk vorbei ist. Was wir aber gerade anfangen konkret zu planen, ist ein Streaming-Konzert an meinem 65. Geburtstag am 21. Februar – mit Gästen auf der Bühne und Online dazu geschaltet, je nach Lage. Das Konzert findet im Politbüro in Hamburg statt, und es werden viele interessante Musiker dabei sein.

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