Schauspieler schreibt über die Freundschaft – in Form von gehaltenen Reden

Norbert Kentrup veröffentlicht neues Buch

Das Cover des neuen Kentrup Buches. Ein Paar steht unter einem Schirm, über ihnen eine dunkle Regenwolke.
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„Vom unschätzbaren Wert der Freundschaft" heißt das neue Buch von Norbert Kentrup.

Um die Menschen, die ihm am wichtigsten sind, geht es in Norbert Kentrups neuem Buch „Vom unschätzbaren Wert der Freundschaft“. Ausgehend von gehaltenen Reden ergründet das Gründungsmitglied der Bremer Shakespeare Company, was gute Freunde ausmacht - und wie sie zu solchen werden. Eine Rezension von Frank Schümann.

  • Norbert Kentrup ist Schauspieler und Gründungsmitglied der Bremer Shakespeare Company.
  • 280 Seiten rund um das Thema Freundschaft.
  • Zwischentexte verbinden die Reden miteinander.

Bremen – Die Freundschaft steht im Mittelpunkt des neuen Buches von Norbert Kentrup, das der Bremer Kellner Verlag jetzt nur zwei Jahre nach dem Erscheinen von Kentrups Biografie veröffentlichte. „Der süße Geschmack von Freiheit“, hieß jene, das aktuelle Werk trägt den Titel: „Vom unschätzbaren Wert der Freundschaft“.

Wer jetzt aber annimmt, das neue Buch hätte den Charakter einer Quasi-Fortsetzung im Stile einer fortlaufenden Erzählung, der irrt. Der Schauspieler, der in Bremen unter anderem Gründungsmitglied und früher „Motor“ der Bremer Shakespeare Company war und später unter anderem auch in London wirkte, hat in dem Werk vielmehr einige Reden zusammengefasst, die er im Laufe von fast 40 Jahren hielt – aus den verschiedensten Anlässen heraus und in den unterschiedlichsten Funktionen.

Wertschätzung und Verrat

Was all diese Texte eint, ist im Titel schön zusammengefasst: Es geht auf rund 280 Seiten um die Freundschaft und ihren unschätzbaren Wert – in allen Facetten. Um die große Bedeutung, um die gegenseitige Wertschätzung, um die Wichtigkeit im Leben des anderen – aber auch, wie es sich anfühlt, wenn einer geht. Um die verschwundenen Freunde. Um den Verrat.

Um die Texte miteinander zu verbinden, hat Kentrup kleine Zwischentexte geschrieben, die dem Buch den äußeren Rahmen geben. Es sind Gedanken über den Beruf, über Seelenverwandte, über Weg- und Kampfgefährten, über Jüngere, Beständige und last but not least über die Familienangehörigen. Die These des Werkes ist schnell klar, das sagt Kentrup auch in persönlichen Gesprächen immer wieder: Ohne die Freundschaft, ohne all diese Menschen wäre er nicht das, was er ist. Insofern schwingt in all diesen Texten auch immer viel Dankbarkeit mit.

30 Reden aus verschiedenen Schaffensphasen

Die über 30 Reden stammen aus verschiedenen Schaffensphasen Kentrups und sind damit dann indirekt doch eine Art Fortsetzung der Biografie: Sie entführen den Leser in die Anfangszeit der Shakespeare Company und nach London, Bochum, Berlin oder Finnland, wo der heute 71-jährige Mime wirkte oder lebte. Zwar sind die Reden jeweils, wie es sich für Reden nun einmal geziemt, zweckgebunden, wenden sich an Geburtstagskinder, Jubilare, Abschiednehmende aller Art; zugleich legen sie aber auch Zeugnis ab vom Leben, Schaffen und Denken Kentrups. Und sie bilden Geschichte ab.

So, wie auch schon die Adressaten jeweils für eine bestimmte Aussage stehen. Die ehemaligen Senatoren Horst-Werner Franke und Helga Trüpel gehören zu den hochgeschätzten Menschen (Franke in der Rubrik Vorbilder, Trüpel als Kampfgefährtin), denen Kentrup eine Rede widmete, während mit Henning Scherf ein weiterer für die Kultur in Bremen verantwortlicher Senator (und späterer Bürgermeister) nur Thema in einigen Reden ist – und darin eher nicht so gut aussieht.

Hadern, lieben und Abschied nehmen

Die prägenden Menschen und Stationen in Kentrups Schaffen finden sich allesamt im neuen Buch wieder: neben der Shakespeare Company bekommen auch seine Zeiten an diversen deutschen Staatstheatern, am Londoner Globe Theater oder mit seiner späteren Compagnie Shakespeare und Partner Platz. Hans Tallasch, der Kentrup und Co. einst den Weg in die Böttcherstraße ebnete, wird ebenso gewürdigt wie der Übersetzer Mndaik Hamburger, die Schauspielkollegen Helmut Erfurth und Martin Lüttge (jeweils voller Bewunderung), der ehemalige Hochschulrektor Jürgen Waller, Patrick Spottiswoode, der Kentrup einst nach London holte – und nicht zuletzt natürlich seine Lebensgefährtin Dagmar Papula sowie weitere Familienmitglieder. Es macht Lust, sich mit den Biografien derer auseinanderzusetzen, an die er seine Reden richtet – ob sie lebendig oder tot sind, was in diesem Buch häufiger vorkommt, denn es sind einige Trauerreden dabei.

Wer Kentrup kennt, weiß: Diese Reden sind die Summe seiner Persönlichkeit. Er ist mal kämpferisch, mal politisch, mal laut, mal leise. Besonders eindrucksvoll sind die Texte, in denen er ins Detail geht. So wie in der Trauerrede für einen Freund, der sich das Leben nahm. In diesem Text hadert Kentrup, er liebt, und er nimmt noch einmal Abschied – differenziert, kämpferisch, gefühlvoll, groß.

„Nur die Summe meiner Begegnungen“

An anderer Stelle wiederum schreibt er über die Rede, die er für seinen Bruder Christoph, einen Priester hielt: Er habe eigentlich eine andere Rede geschrieben, diese aber aus Respekt gegenüber der Situation nicht gehalten. Trotzdem konstatiert er: „Die nicht gehaltene mag ich mehr“. Es sind Kernaussagen wie diese, die den Leser das Buch immer wieder gerne in die Hand nehmen und über die eigenen Freundschaften reflektieren lassen. Am Ende bilanziert Kentrup: „Vielleicht bin ich auch nur ein Kleindarsteller, der nur ab und zu in deren Leben auftaucht, kurz agiert und Stichwörter liefert. (…) So bin ich selbst vielleicht auch nur die Summe meiner Begegnungen.“

Das Buch

Norbert Kentrup: „Vom unschätzbaren Wert der Freundschaft“, Kellner Verlag, 288 Seiten, 16,90 Euro.

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