Fazil Say, Martin Grubinger und Alondra de la Parra in der Glocke

Schlagabtausch der besonderen Art - mit der Deutschen Kammerphilharmonie

Einer der liebsten Gäste der Deutschen Kammerphilharmonie: Alondra de la Parra. Foto: Felix broede

Bremen - Von Markus Wilks. Musik ist Muskelarbeit – insbesondere dann, wenn man so virtuos und kraftvoll drauf haut wie Martin Grubinger, der Star unter den Schlagzeugern in der Welt der klassischen Musik. Er spielte den Solopart in Fazil Says neuem Konzert, danach setzte sich der Komponist an den Flügel und präsentierte Mozart. Und am Pult der Deutschen Kammerphilharmonie machte Alondra de la Parra einmal mehr verständlich, warum sie (nicht nur) vom Bremer Orchester geliebt wird – ein „musikalischer Schlagabtausch“ der besonderen Art.

Immer wenn eines der Bremer Orchester beim Musikfest auftritt, darf man getrost mehr als „nur“ erstklassigen Konzertalltag erwarten – also besondere Stücke oder Künstler. So auch am Freitag in der Glocke. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen hatte zwei ihrer liebsten Musiker zu Gast (Fazil Say, Alondra de la Parra) und dazu Martin Grubinger, was eine festspielreife Mischung ergab.

Noch im Februar, beim Benefizkonzert des Bundespräsidenten, hatte Fazil Say in der Glocke Mozarts Klavierkonzert KV 467 gespielt, nun beim Musikfest war es das Konzert KV 488. Erneut begeisterte der Musikfest-Preisträger von 2008 durch seine eigenwillige, sehr musikalische Art des Spiels. Mit entspannter Virtuosität meisterte er souverän die glasklaren Läufe. Die vielen schönen Melodien spielte er vergleichsweise kraftvoll und immer deutlich in Abstimmung mit den aufmerksam begleitenden Kammerphilharmonikern. Vor allem aber tauchte Fazil Say – oftmals singend und mit der gerade nicht spielenden Hand Emotionen ausdrückend – tief in Mozarts Welt ein.

Deutlich herber geht Fazil Say als Komponist zur Sache. Obgleich das vom Musikfest Bremen und zwei Orchestern in Basel und Dresden in Auftrag gegebene Konzert die singende und tanzende Seite des Schlagwerks zeigen sollte, war es in erster Linie ein virtuoser, häufig dissonanter Ausflug in die Welt der Perkussionsinstrumente. Wie ein Hexenmeister wirbelte Martin Grubinger auf bekannten (Pauken, Marimbafon) und unbekannten Instrumenten (Rototoms, Waterphone) herum. Gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen klang das Konzert zeitweise wie moderne, bisweilen orientalisch angehauchte Kompositionskunst in der Nachfolge Leonard Bernsteins. Das Publikum war begeistert und Martin Grubinger bedankte sich mit der Zugabe so, wie er das Konzert eröffnet hatte: quasi mit Stille. Zu Beginn hatte er nämlich zwei Sätze aus Bachs Cellosuite Nr. 3 auf dem Marimbafon gespielt und bewiesen, wie leise und klangvoll ein Schlagzeuger musizieren kann.

Einen „musikalischen Schlagabtausch“ der anderen Art gab es dann noch mit Heitor Villa-Lobos‘ Stück „Bachianas Brasileiras“ Nr. 7, in dem der brasilianische Komponist die Musik seiner Heimat mit europäischen Aspekten zu einer hörenswerten, romantischen Synthese ausformte. Alondra de la Parras energisches, jederzeit kontrolliertes und zielorientiertes Dirigat passte genau zum hochenergetischen Spiel der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, die sich auf die Musik einließ und spannende Klangbilder erzeugte. Besonders stark gelang die „Toccata“ mit dem virtuosen Geplapper der Holz- und Blechbläser – ein Klangfest. Mit dem effektvollen „Dánzon Nr. 2“ von Arturo Márquez hatte Alondra de la Parra als Zugabe ihr „Leib- und Magenstück“ im Gepäck und hinterließ ein euphorisiertes Publikum. Wer nicht dabei war, sollte sich bei Youtube eines der vielen Videos mit der Dirigentin und diesem „Tanz“ ansehen – dann versteht man, warum sie bei Musikern und Zuhörern Begeisterung entfacht.

Quelle: kreiszeitung.de

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