Paula Modersohn-Becker Museum zeigt Maria Lassnig

Unverkennbar menschlich, wundersam verformt

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Hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben: Maria Lassnigs „Si tacuisses“.

Bremen - Aufmerksame Besucher der Museen Böttcherstraße sind Maria Lassnig (1919 bis 2014), der zum 100. Geburtstag nun zum ersten Mal in Bremen eine größere Einzelausstellung gewidmet ist, schon begegnet. Zweimal war sie bereits an gleicher Stelle vertreten, einmal im Jahr 2012 im Rahmen von „Gnadenlos. Künstlerinnen und das Komische“, ein zweites Mal im Jahr darauf in „Sie. Selbst. Nackt“, in der es um Selbstakte von Paula Modersohn-Becker und anderen Künstlerinnen ging. Damit sind eigentlich auch schon recht treffend zwei Eckpunkte markiert, an denen sich die Qualitäten der Kunst Lassnigs charakterisieren lässt.

Schon das Plakat der Ausstellung „Körper. Gefühl – Maria Lassnig aus der Sammlung Klewan“, die bis zum 7. Juni im Paula Modersohn-Becker Museum zu sehen ist, zeugt zumindest auch von einer ironischen Distanz zur eigenen Erscheinung, die ein dritter wichtiger Punkt im Werk der Österreicherin ist, die erst relativ spät den Durchbruch schaffte – was sie, wie Direktor Frank Schmidt ausführt, mit der Hausgöttin gemeinsam hat. Letztere hat allerdings ihren Weltruhm nicht mehr erleben können.

Das Gemälde jedenfalls, das für die Ausstellung wirbt, stammt aus dem Jahr 1963 und heißt „Selbstporträt mit Ordenskette“. Ob nun allerdings wirklich Orden an der Kette hängen, die die dargestellte Figur zwischen den Händen aufspannt, ist nicht ersichtlich, erscheint gar eher unwahrscheinlich. Was sich statt ihrer dort befindet, weiß nicht einmal Frank Schmidt. Eindeutig derweil das Gesicht, mit Mund, Nase, Augen. Kaum verkennbar menschlich und doch wundersam verformt sitzt der Kopf der Figur auf einem rudimentären Körper, mit überproportionierten Nasenlöchern und verzogenem Mund. Ein prägnantes Beispiel für Lassnigs „body-awareness“, was sich als Körperbewusstsein übersetzen ließe – oder als Körpergefühl.

Der spielerische Blick auf den eigenen Körper drückt sich höchst eigenwillig in den „Sesselselbstporträts“ der 60er-Jahre aus, in denen sich die Künstlerin als Sitzmöbel darstellt. Was sie offenbar für ganz logisch hielt: „Der Mensch ist ja wie ein Sessel gebaut. Er hat eine Rückenlehne, hat eine Sitzfläche, hat Füße, genauso wie ein Sessel.“

Nachdem zum 100. Geburtstag der Künstlerin 2019 in Amsterdam und anderswo Retrospektiven zu sehen waren, gibt es nun endlich in Bremen Gelegenheit, ihr Werk kennenzulernen.

Im Internet:

www.pmbm.de

Quelle: kreiszeitung.de

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