Macht der Gefühle

Schock und Ärger macht Autofahrer zu Rasern

Wütende Autofahrer fahren oft zu schnell, haben Verkehrspsychologen der Leuphana-Universität herausgefunden.
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Wütende Autofahrer fahren oft zu schnell, haben Verkehrspsychologen der Leuphana-Universität herausgefunden.

Nach einem Beinahe-Unfall geben viele Autofahrer erst richtig Gas, wie eine aktuelle Untersuchung der Leuphana-Universität Lüneburg zeigt. Warum eigentlich?

Wer gerade einen Unfall verhindert hat oder sich über schleichende Sonntagsfahrer ärgert, fährt oft zu schnell. Denn Angst und Ärger beeinflussen das Fahrverhalten von Autofahrern, so das Ergebnis einer Studie der Leuphana-Universität Lüneburg, die Dr. Ernst Roidl und Prof. Höger mit seinem Team durchgeführt haben. 

Grundsätzlich vermindert Angst zwar, laut Studienleiter Dr. Ernst Roidl, unsere Risikobereitschaft, aber dennoch fahren wir riskanter. Durch den Stress ist der Autofahrer unkonzentriert und eigentlich nicht mehr bei der Sache. "Viele Menschen bleiben mit dem Gedanken bei der Gefahrensituation und reagieren nicht mehr adäquat auf das, was im Moment auf der Straße passiert", vermutet der Psychologe. 

Im Rahmen der Studie mussten 79 Probanden in einem Fahrsimulator einen Testparcours mit typischen Verkehrssituationen bewältigen. Im Anschluss wurden die Teilnehmer zu ihren Emotionen befragt.

In einem Fall mussten sie beispielsweise plötzlich auf die Bremse steigen, um einen Auffahrunfall zu verhindern. Die Prüflinge fuhren daraufhin zwar kurzfristig langsamer. Auf den Kilometern danach beschleunigten sie aber wieder und überschritten dabei sogar oft das Tempolimit. Außerdem fuhren sie insgesamt unberechenbarer; sie lenkten zum Beispiel abrupter.

Autofahrer überschätzen sich leicht

Auch Autofahrer, die sich ärgern, fahren zu schnell. Wenn die Studienteilnehmer einige Zeit hinter einem Sonntagsfahrer herschleichen mussten, traten sie danach umso heftiger aufs Gaspedal. Sie fuhren zudem deutlich riskanter als normalerweise. Dieser Effekt hielt ebenfalls einige Minuten an.

„Wenn wir uns ärgern, neigen wir zudem dazu, uns selbst zu überschätzen“, so Roidl. „Ärger schärft den Focus; wir denken, wir hätten alles im Griff. Wir sind daher eher bereit, Risiken einzugehen.“

Einmal kurz hupen!

Beifahrer können die Situation entschärfen. Allerdings warnt Dr. Roidl vor Beruhigungsversuchen nach dem Motto „Hey, entspann dich doch einfach.“ Denn die könnten einigen Studien zufolge den Ärger sogar noch verstärken.

Wer sich ärgert, sollte einfach einmal kurz auf die Hupe haue, um sich abzureagieren. „Langfristig kann das aber natürlich keine Lösungsstrategie sein“, betont der Wissenschaftler. Besser wäre es sich in den Trödler oder Drängler hineinzuversetzen. Und sich einmal folgende Fragen zu stellen: Warum trödelt der Fahrer vor mir wohl so? Macht es ihm zusätzlich Angst, wenn ich so dicht auffahre? Wie würde ich reagieren, wenn hinter mir jemand mit der Lichthupe drängelt?

Das sind die nervigsten Autofahrer

Das sind die nervigsten Autofahrer

Autofahrer Verkehrssünder
Straßenrambos geben Gas oder drängeln, andere blockieren hartnäckig die Mittelspur. Hinterm Steuer bauen viele beruflichen und privaten Stress ab. Diese Autofahrer sind echt nervig: © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
1. Auffahrer: Obwohl ungenügender Sicherheitsabstand ein gravierendes Unfallrisiko ist, klebt der anderen immer an der Stoßstange. Im Crashtest bei Tempo 100 kann selbst ein Profi hinterm Steuer nicht mehr reagieren, wenn der Vordermann plötzlich bremst. Die Regel lautet: "Abstand = halber Tacho". © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
2. Straßenrambo: Der Drängler gibt auf der Autobahn Vollgas. Mit Lichthupe kämpft er sich die linke Spur frei. Sie halten die linke Spur für eine reine Überholspur. © dpa
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3. Mittelspur-Blockierer: Die Mitttelspur ist ihre Heimat. Egal, ob die Autobahn frei ist oder das Tempo auf der rechten Spur höher ist. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
4. Blinkmuffel: Abbbiegen, wenn es einem gefällt. Vielleicht brennt ja ein Lämpchen durch, wenn man zuviel blinkt? Oder schont das Nicht-Blinken die Batterie? © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
5. Gehweg-Blockierer: Diese Autofahrer denken sie stehen in der Rangordnung des Straßenverkehrs an oberster Stelle. Fußgänger oder Radfahrer haben sich unterzuordnen. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
6. Parkplatz-Blockierer: Dem Parkplatz-Blockierer gehört scheinbar die ganze Welt oder möglichst viel Raum. Warum nur einen Parkplatz belegen, wenn man mindestens zwei haben kann? Markierungen auf dem Asphalt übersieht er gnadenlos. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
7. Einfädel-Ignorierer: Bis zum Ende der Spur durchfahren, dann einfädeln, so lautet die Regel. Auch wenn Stauexperten immer wieder und wieder dazu raten, stößt diese Empfehlung bei vielen Autofahrern auf taube Ohren. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
8. Musik-Mobil: Der Bass wummst und selbst bei geschlossenen Türen und Fenstern ist der Sound aus dem Auto unüberhörbar. Lautes Musikhören kennt übrigens keine Altersgrenzen. © dpa
Ampel
9. Der Farbenblinde: Die Ampel steht nur kurz auf grün, doch das stört den Farbenblinden kaum. Falls er dann endlich mal langsam über die Kreuzung rollt, ist er der Einzige. © dpa
Scheibenwischer
10. Scheibenwischer-Fans: Diese Autofahrer stehen auf einen klaren Durchblick. Die Wischanlage ist immer im Einsatz: bei Tempo 50 in der Stadt oder auf der Autobahn. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
11. Vorfahrt-Erzwinger: Kreuzungen in Wohngebieten sind ihr Revier. Sie schleichen sich freundlich an und setzten dann knallhart ihren Willen durch. © dpa

ml

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