Verbrauch, Leistung und Komfort im Check

Golf 8: So praktisch ist das Lieblingsauto der Deutschen wirklich

Golf 8 gelb Frontansich vor Palmen
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Mit dieser Farbe wäre uns das Testauto auch lieber gewesen. Leider kam es in Mausgrau.

Können 35 Millionen Käufer irren? Der Golf ist das meistverkaufte Modell von Volkswagen. Kann auch Generation 8 im Alltag überzeugen? Lesen Sie hier den Praxistest.

  • Mit 312.000 Auslieferungen lag der Golf auch 2020 wieder an der Spitze.
  • Der Volkswagen der Generation 8 ist sauberer, sparsamer und spritziger.
  • Wir wollten wissen: Schlägt der Diesel-Golf beim Verbrauch ein Elektroauto?

Mit dem VW Golf ist es so wie mit dem Fußball. Die britische Stürmer-Legende Gary Lineker sagte einmal: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Beim Golf muss es heißen: „Und am Ende gewinnt immer der Golf.“ So auch 2020. Gleich im ersten Jahr schnappt sich Generation 8 den Titel des meistverkauften Autos in Europa. Warum – das wollten wir bei unserer Testfahrt nach Italien wissen.

Mächtige Klappe, viel Platz dahinter. Der Golf schluckt normal schon knapp 400 Liter, umgeklappt werden es über 1200.

Volkswagen der Generation 8: Großzügiger Kofferraum

Ein Golf wirkt immer auch ein bisschen langweilig. Sieht aus wie ein Golf, fährt wie ein Golf. Und mausgrau ist das Testauto auch noch. Emotion sieht anders aus. Egal – wir packen ein für einen zweiwöchigen Urlaub an der Steilküste südlich von Ancona. Conero heißt das Gebiet. Weinliebhaber kenne es zumindest vom Namen her. Der Rosso Conero ist ein grundehrlicher, einfacher Wein mit viel Geschmack. So in etwa ist das auch mit dem Golf*.

Ehrlich ist die Größe des Kofferraums, knapp 400 Liter gehen rein. Groß genug für zwei Koffer, zwei Rucksäcke und die umfangreiche Schuhsammlung der Ehegattin. Für den Fall, dass diese im Verlauf des Urlaubs noch eine Erweiterung erfahren würde oder dass die ein oder andere Kiste Rosso Conero mit nach Hause müsste, könnte man problemlos auf das Dreifache erweitern. Einfach Rückbank umklappen – dann hat man 1237 Liter zur Verfügung, fast wie einem Kombi.

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Platz wie in einer großen Limousine. In den Golf 8 passen hinten auch Sitzriesen hinein.

G 8: Platz genug auch für echte Sitzriesen

Damit geht der erste Punkt an den Golf. Ausreichend Platz haben auch Fahrer und Beifahrer. Die Beinfreiheit ist für Menschen mit bis zu 1,95 Metern konzipiert. Aber auch echte Sitzriesen mit bis zu 2,05 Metern sind hier laut ADAC-Messung bequem unterwegs, ohne sich den Kopf anzuhauen. Großzügige Fensterflächen und das Panoramadach für 1.080 Euro zusätzlich bieten ein gutes Raumgefühl. Nicht unwichtig, wenn man knapp 800 Kilometer vor sich hat, das Ganze auch noch auf weitgehend spaßbefreiten, italienischen Autobahnen mit Tempolimit und Abschnittsradar „Sistema Tutor“.  

Die klassische Golf-Klientel muss sich umgewöhnen, denn Knöpfe und Drehregler sucht man im neuen Cockpit vergeblich.

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G8: Travel Assist – dieses Auto kann autonom

Gut, dass dieser Golf auf Wunsch teilautonom unterwegs ist. Das heißt er hält automatisch die eingestellte Geschwindigkeit, den gesetzlich festgelegten Mindestabstand zum Vordermann – und außerdem bleibt das Auto in der Spur. Das geht so lange gut, als das Lenkrad den Händedruck des Fahrers spürt. Wenn nicht, mault das System zunächst optisch, dann lauthals, schließlich gibt es einen Bremsruck. Sollte der Fahrer bis dahin nicht aufgewacht sein, bremst der Golf schließlich bis zum kompletten Stillstand.

Von hinten fast eleganter als von vorne. Das Heck von Generation 8 ist ziemlich knackig geworden.

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Golf 8 im Test: Seiten-Assistent greift grob ein

Wer lange Strecken mit Tempolimit fährt – für den ist der Travel Assist Gold wert. Im Golf funktioniert das System relativ perfekt, der Lenkeingriff, wenn man den Seitenlinien zu nahekommt, ist für unseren Geschmack ein wenig zu hart, und auch bei Baustellen haben die elektronischen Assistenten den ein oder anderen Aussetzer. Aber im Großen und Ganzen bietet Volkswagen hier High Tech aus der Oberklasse. Was auch auf die Bildschirmlandschaft zutrifft. Alles digital und ohne Knöpfe und Drehregler. Für die eher konservative Klientel des VW-Golfs dürfte das gewöhnungsbedürftig sein.

Cockpit: Sensorleisten statt Lautstärke-Regler

Für fortgeschrittene Digital-Jünger ist die Bedienung des Innovision-Cockpits mit den aufpreispflichtigen größeren 10-Zoll-Monitor allerdings ein Kinderspiel. In der Sensorleiste darunter sind immerhin solche Grundfunktionen wie Lautstärkeregelung halb digital ausgelagert. Die mehr oder minder empfindlichen Streich- und Streichelflächen könne jedoch den guten alten Drehknopf nicht ersetzen. Gut, dass es am Lenkrad noch Drucktaster für die Laustärke gibt. Problemlos funktioniert auch die Handy-Anbindung an das digitale Innenleben per Bluetooth. Hier kann man wählen, ob man sein Smartphone auf den Monitor spiegelt, oder ob man lieber mit dem ebenfalls recht guten bordeigenen Infotainment-System unterwegs ist.

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Der Stummelschalter in der Mittelkonsole war früher mal ein großer Wählhebel. Smart nennt man das heutzutage.

Dieser Diesel ist doppelt sauber

Leise schwebt der Golf über die Autostrada Adriatica, gut gedämmt ist dieser VW in der Tat. Auch wenn unter der Motorhaube ein zwei Liter großer Dieselmotor eingebaut ist. Diesel und Volkswagen – wem bei dieser Kombination die Hutschnur hoch geht – verständlich. Allerdings haben die neuen Triebwerke nichts mehr gemein mit den Skandalmotoren. Die doppelte Reinigung durch die Katalysatoren machen den Selbstzünder besonders sauber. Ohne dass die Leistung leidet. Kernig dreht der Diesel von unten heraus. Das Drehmoment von 360 Nm lässt sich auf den letzten Berg-Kilometern nach Sirolo richtig schön ausfahren. Mehr Power braucht man nicht, auch wenn die 8,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 zumindest auf dem Papier nicht gut klingen. Sie fühlen sich aber besser an. Vor allem in Kombination mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe.

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Von wegen Götterdämmerung: Auf Anhieb sicherte sich der Golf 8 wieder einmal den Titel des meist verkauften Autos in Europa.

Sechs Euro Fahrkosten auf 100 Kilometern mit Golf 8

Ein gutes Gefühl hat man auch an der Tankstelle. Denn hier gilt der alte Leitsatz. „Nothing beats a Diesel“ – nichts schlägt einen Diesel. Auf rund 2.000 Kilometern Fahrt haben wir tatsächlich nur 4,5 Liter Kraftstoff verbraucht. Bei einem Tankinhalt von 50 Litern reicht das für mehr als 1.000 Kilometer. Bei einem Spritpreis von 1,30 Euro sind das gerade mal knapp sechs Euro auf 100 Kilometern. Und das bei voller Beladung. Ein vergleichbares Elektroauto kostet im besten Fall ähnlich viel, meistens jedoch mehr, gerade bei hohen Geschwindigkeiten um die 130 km/h. Aufgetankt ist der Diesel allemal schneller.

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Golf 8 im Test: Unser Fazit - Wir werden uns wiedersehen

Von daher fällt unser Fazit zum Golf 8 positiv aus, gerade auf der Langstrecke. Trotz einer gewissen Grund-Skepsis, was auf das Biedermann-Image des Autos zurückgeht, haben wir uns in den Golf verliebt. Auch die Langeweile will entdeckt sein – und nach 2.000 Kilometern Italien-Trip sagen wir nicht für immer „Ciao“, sondern „Ci vediamo“. Wir werden uns wiedersehen.

  • Technische Daten: Golf 2,0 TDI Style
  • Hubraum: 1968 ccm
  • Leistung: 110 kW (150 PS) bei 3500 U/min
  • Drehmoment: 360 Nm bei 1600 – 2750 U/min
  • Länge/Breite/Höhe: 4,28/2,07/1,49 m
  • Leergewicht/Zuladung: 1459/501 kg
  • Anhängelast gebremst: 1800 kg
  • Kofferraum: 381 – 1237 l
  • 0 – 100 km/h: 8,7 s
  • Top-Tempo: 223 km/h
  • Verbrauch: 3,9 l Diesel
  • CO2-Ausstoß: 117g/km
  • Preis (ab): 35.845 Euro

Rudolf Bögel * tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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Warnleuchten im Auto und was sie bedeuten

Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Plötzlich blinkt und leuchtet es im Cockpit! Die Symbole und Kontrolllichter am Armaturenbrett zeigen an, ob dem Auto technisch etwas fehlt. Allerdings, ist es wichtig zu wissen, was die Lämpchen bedeuten. Hier die wichtigsten Kontrollleuchten im Auto: © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Motoröldruck zu niedrig. Motor abstellen. Ölstand prüfen und gegebenenfalls nachfüllen - hilft aber nicht immer. Meist muss der Wagen in eine Werkstatt geschleppt werden. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Ölmangel, Ölstand überprüfen und nachfüllen - sonst droht Motorschaden. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Anschnallzeichen: Einer oder einige der Fahrgäste sind nicht angeschnallt. Das Symbol leuchtet auch auf, wenn eine schwere Tasche auf dem Sitz steht. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme bei der Stromversorgung: Generator defekt oder eine elektrische Verbindung unterbrochen. Motor nicht ausschalten und zur nächsten Werkstatt. NICHT weiterfahren bei elektrischer Servolenkung (Lenkkraftunterstützung kann ausfallen) oder gerissener Keilriemen (Motor kann überhitzen). © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme mit der Bremse. Brennt dieses Licht auch bei gelöster Handbremse, droht große Gefahr. Zu wenig Bremsflüssigkeit oder die Beläge sind bis aufs Metall runter. Sofort anhalten und Pannendienst rufen. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Motor ist überhitzt. Kühlwasser reicht nicht mehr. Anhalten und abkühlen lassen. Danach unbedingt in die Werkstatt. © ADAC
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Reifendruckkontrollsystem meldet zu niedrigen Reifendruck. Eventuell harmlos, wenn das Symbol nach dem Reifenwechsel leuchtet (fehlende Kalibrierung) - mehr in der Betriebsanleitung. © ADAC
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Störung im Rückhaltesystem. Funktionsversagen des Airbags/ Gurtstraffers bei Unfall möglich - sofort in die Werkstatt. Symbol leuchtet auch bei deaktiviertem Beifahrerairbag (wg. Kindersitz). © ADAC
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Probleme mit der Motorsteuerung. Der Schadstoffausstoß kann erhöht sein. Symbol leuchtet auch, wenn die Lambdasonde defekt ist oder ein Marder ein Kabel beschädigt hat. Umgehend in die nächste Werkstatt fahren. © ADAC
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Nebelschlussleuchte ist eingeschaltet. In Deutschland nur erlaubt, wenn die Sicht durch Nebel geringer als 50 Meter ist. © ADAC

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