Mammakarzinom

Brustkrebs: Jede achte Frau betroffen - wie steht es um die Heilungschancen?

Von vielen Menschen wird Brustkrebs weit unterschätzt. Mit einer frühen Erkennung und guter Behandlung steigern Sie die Überlebenschance enorm.

  • Brustkrebs* ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.
  • Diese Symptome und Anzeichen sprechen für einen Erkrankung.
  • In den letzten Jahren ist die Zahl der Betroffenen stark angestiegen. Das hat einen bestimmten Grund.

Bei rund 68.900 Patienten wird im Jahr Brustkrebs diagnostiziert. Diese Form von Krebs ist damit auch mit Abstand die häufigste Krebsart, noch vor Prostatakrebs* mit 58.800 Fällen oder Dickdarmkrebs* mit 58.300 Fällen pro Jahr. Zwar sind die Diagnosezahlen in den letzten fünfzehn Jahren kurzzeitig stark angestiegen, doch auch die Chance auf Heilung mach Hoffnung.

Brustkrebs-Statistik: In welchem Alter sind die meisten Betroffenen?

2016 wurde die letzte deutschlandweite Statistik zu Brustkrebs erhoben. In diesem Jahr wurde bei 68.950 Frauen und 710 Männern das erste Mal diese Art von Krebs diagnostiziert. Im gleichen Jahr sind 18.570 Frauen und 166 Männer an der Krankheit gestorben.

Das bedeutet, dass etwa jede achte Frau in ihrem Leben an Brustkrebs erkrankt. Mit erhöhtem Alter steigt auch die Zahl der Diagnosefälle. Während Frauen im Alter zwischen 30 bis 49 Jahren selten betroffen sind, steigt die Rate bei Frauen ab 50 Jahren deutlich an.

Zwischen 2007 und 2009 ist die Zahl der neu entdeckten Brustkrebserkrankungen schlagartig gestiegen. Das ist darauf zurück zu führen, dass in diesen Jahren eine neue Methode zur Früherkennung eingeführt wurde, bekannt als Mammographie-Screening-Programm*.

Nicht nur aufgrund der verbesserten Diagnosemöglichkeiten, sondern auch durch verbesserte Therapie-Methoden, ist die Überlebenschance von Brustkrebs mittlerweile sehr hoch. Mindestens fünf Jahre nach Diagnose überleben 87 Prozent der Patientinnen und mindestens zehn Jahre nach Diagnose leben immer noch 82 Prozent der betroffenen Frauen. Für Männer liegt die Zehn-Jahres-Überlebensrate etwas unter dem Wert von Frauen bei 72 Prozent.

Symptome, Anzeichen und Arten von Brustkrebs

Teilt man die Brust in vier Teile ein, die von der Brustwarze aus durch eine senkrechte und waagrechte Linie getrennt werden, dann entstehen die meisten bösartigen Brustkrebs-Tumore in dem oberen äußeren Viertel, also zwischen Achseln und Schlüsselbein.

Generell wird zwischen bösartigen und gutartigen Tumoren unterschieden. Die gutartigen Tumore, wie etwa Zysten oder Bindegewebegeschwülste, wachsen meist kontrolliert und bleiben innerhalb der Gewebegrenzen. In den meisten Fällen werden solche Tumore diagnostiziert, die sich nur in den seltensten Fällen zu Krebs entwickeln.

Mammographie-Bild zeigt einen winzigen Tumor in der Brust einer Patientin.

Dagegen entwickeln sich bösartige Tumorzellen immer weiter und wachsen von Drüsengewebe oder den Milchgängen hinaus in anderes Gewebe. Werde diese Geschwülste nicht behandelt, besteht ein hohes Risiko, dass es zu Metastasen und somit zu einer schweren Brustkrebserkrankung kommt.

Da es sich in jedem Fall um solide Tumore handelt, ist die beste Methode zur Diagnose das Ertasten und Beobachten von Veränderungen an der Brust. Dabei kann es sich um Verhärtungen oder Knoten handeln, auch Schwellungen an und um die Brust können Anzeichen für einen Tumor sein. Hat sich die Brustwarze oder die Haut auf der Brust stark verändert, sollten sie die Stelle von einem Arzt untersuchen lassen. Brustkrebs* verursacht im frühen Stadium sonst keine spürbaren Anzeichen oder Schmerzen.

Lesen Sie auch: Besonderen Tastsinn nutzen: Neuartige Untersuchung soll Brustkrebs frühzeitig erkennen

Behandlung von Brustkrebs: Chemotherapie und Heilungschancen

Ist der Brustkrebs diagnostiziert gibt es je nach Grad der Erkrankung und der Art des Tumors unterschiedliche Behandlungsmethoden. Der Krebsinformationsdienst empfiehlt im Überblick vier unterschiedliche Verfahren.

Brusterhaltende Operation

Wurde der Brustkrebs früh genug diagnostiziert, ist meist eine Operation möglich, bei der die Brust bestehen bleiben kann. Bei größeren Tumoren ist davor eine Chemotherapie notwendig. Zum Schutz vor einem Rückfall wird im Anschluss eine Strahlentherapie durchgeführt.

Mastektomie

In diesem Verfahren ist eine brusterhaltende Operation nicht mehr möglich, die Brust muss abgenommen werden. Im Anschluss gibt es jedoch viele Möglichkeiten, die Brust zu rekonstruieren. Beispiele dafür sind BH-Prothesen, Silikonimplantate oder ein Brustaufbau mit eigenem Gewebe. Trotz der Entfernung des schädlichen Gewebes, kann eine anschließende Strahlentherapie nicht ganz ausgeschlossen werden.

Adjuvante Behandlung zur Senkung des Rückfallrisikos

Ist eine erste Operation überstanden, ist es wichtig, einen Rückfall zum Brustkrebs zu verhindern. Deshalb schließt sich nach der Tumorentfernung meist eine medikamentöse Behandlung an. Das kann etwa eine Chemotherapie sein oder das Zuführen von Antikörpern.

Fortgeschrittene Erkrankungen stoppen

Auch ein weit fortgeschrittener Brustkrebs kann behandelt werden, um eine weitere Ausbreitung des Krebs zu verhindern und Schmerzen der Patienten zu lindern. Diese Therapie besteht meist aus Medikamenten oder Bestrahlung.

Bei Patientinnen mit Brustkrebs, der nicht für eine antihormonelle Therapie oder eine HER2-Antikörpertherapie* in Frage kommt, kann eine Immuntherapie* in Kombination mit Chemotherapie die Krankheit unter Umständen länger aufhalten, wie die deutsche Krebsgesellschaft informiert.

Brustkrebs auch bei Männern möglich

Wenn auch sehr selten, können nicht nur Frauen an Brustkrebs erkranken, sondern auch Männer können von dieser Form des Krebs befallen sein. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr gering. In Deutschland ist von hundert betroffenen Personen im Schnitt ein nur Mann dabei. Jährlich sind es laut Krebsinformationsdienst etwa 710 Diagnosen. Grund dafür könne ein Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Geschlechtshormonen sein oder genetische Faktoren, Grunderkrankungen oder ein risikoerhöhender Lebensstil.

nh

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Wie man mit erblich bedingten Krankheiten umgeht

Besteht eine familiäre Vorbelastung, werden die Kosten für einen genetischen Test bei Erbkrankheiten von Krankenkassen übernommen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn
Besteht eine familiäre Vorbelastung, werden die Kosten für einen genetischen Test bei Erbkrankheiten von Krankenkassen übernommen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn © Klaus-Dietmar Gabbert
Oft spielen auch Umwelteinflüsse und die Lebensführung eine wichtige Rolle. Foto: Angelika Warmuth/dpa-tmn
Oft spielen auch Umwelteinflüsse und die Lebensführung eine wichtige Rolle. Foto: Angelika Warmuth/dpa-tmn © Angelika Warmuth
Tritt eine bestimmte Krebsform in zwei aufeinanderfolgenden Generationen auf, besteht ein hohes familiäres Risiko. Foto: Jan-Peter Kasper/dpa-Zentralbild
Tritt eine bestimmte Krebsform in zwei aufeinanderfolgenden Generationen auf, besteht ein hohes familiäres Risiko. Foto: Jan-Peter Kasper/dpa-Zentralbild © Jan-Peter Kasper
Prof. André Fischer arbeitet am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Göttingen. Foto: Frank Stefan Kimmel/UMG/dpa-tmn
Prof. André Fischer arbeitet am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Göttingen. Foto: Frank Stefan Kimmel/UMG/dpa-tmn © Frank Stefan Kimmel
Prof. Peter Lichter ist Leiter der Abteilung Molekulare Genetik am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Foto: Tobias Schwerdt/DKFZ/dpa-tmn
Prof. Peter Lichter ist Leiter der Abteilung Molekulare Genetik am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Foto: Tobias Schwerdt/DKFZ/dpa-tmn © Tobias Schwerdt

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