Jeder zweite Orchestermusiker leidet

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Jeder zweite Orchestermusiker klagt über körperliche Beschwerden

Musik hat eigentlich eine positiven Einfluss auf unsere Gesundheit. Doch Musik kann auch krank machen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass jeder zweite Orchestermusiker körperliche Beschwerden hat.

Jeder zweite professionelle Orchestermusiker in Deutschland hat bei der Arbeit spürbare körperliche Beschwerden.

Alarmierend ist dabei: Nicht nur zwei Drittel der über 50-Jährigen klagen darüber, sondern bereits 30 Prozent der unter 35-Jährigen, wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie „Altern im Orchester“ im Auftrag der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) hervorgeht. 77 Prozent der Musiker wünschten sich ein Angebot an gesundheitsfördernden Maßnahmen wie etwa Physiotherapie.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Musikwirkung auf den Körper
Elektropop (z.B. Lady Gaga, Alejandro):  Bei einem Tempo über 72 bmp haben Musikstücke insbesondere auf Frauen aufputschende Wirkung. Frequenz: 80 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Rock/Pop (z. B. U2 – Beautiful Day): Gut für Männer, da sie häufig zu höheren Blutdruck als Frauen neigen. Ihre Leistung wird durch hohe motorische Erregung beeinträchtigt. Aus diesem Grund führen bei Männern tendenziell ruhigere, fließende Klänge zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit. Frequenz: unter 72 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Akustik/Folk/Blues (z. B. Jack Johnson – Wasting Time): Ruft stärkste Reaktion des Körpers hervor, da das Tempo einem verlangsamten Herzrhythmus ähnlich dem Schlafzustand entspricht. Dabei kommt es beim Zuhörer zur größten Entspannung, zur Beruhigung der Atmung und zur Entkrampfung der Muskulatur. Frequenz: 60 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Klassik (z. B. Wolfgang Amadeus Mozart – „Lacrimosa“ aus dem Requiem):  Die klassischen Klänge im langsamen Tempo helfen bei Schlafstörungen und lösen körperliche Verspannungen. Daher wird heute häufig in Zahnarztpraxen oder OP-Sälen klassische Musik zur präoperativen Angstreduktion der Patienten abgespielt. Frequenz: 65 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Oper (z. B. Guiseppe Verdi – „Triumphmarsch“ aus der Aida): Kann die Konzentrationsfähigkeit fördern und sich positiv auf den Blutdruck auswirken. So führte Verdis emotional mitreißende Opernmusik aus Aida in wissenschaftlichen Untersuchungen zu einer Blutdrucksenkung um durchschnittlich 5 mmHg bei den Zuhörern. Frequenz: 100 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Heavy Metal (z. B. Metallica – Enter Sandman): Das Lied beschleunigt die Herz-Kreislauf-Aktivität, da das Tempo dem Herzschlag während höherer Belastungen entspricht. Daher kommt es zu einer aufputschenden Wirkung. Frequenz: über 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Hard Rock (z. B. AC/DC – Highway To Hell): Hard Rock-Musik im schnellen Tempo wie dieser Klassiker kann zum Abbau von Aggressionen beitragen und helfen, Ängste und Frustrationen zu überwinden. Frequenz: im Mittel bei ca. 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Latino-Pop (z. B. Shakira – Waka Waka): Der beschwingte, lateinamerikanische Rhythmus im schnellen Tempo bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung und kann helfen, melancholische Augenblicke zu überbrücken. Frequenz: ca. 125 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Chanson (z. B. Beispiel: Udo Jürgens – Aber bitte mit Sahne): Hat einen anregenden Effekt, hilft gegen Müdigkeit. Hat eine Stimmung-aufhellende Wirkung und verbessert die Leistungsfähigkeit. Frequenz: 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Schlager (z. B. Jürgen Drews – Ein Bett im Kornfeld): Das mittlere Tempo erzeugt Ausgeglichenheit und hilft gegen Stress-Symptome. Kann darüber auch motivationssteigernd wirken. Frequenz: 110 Hz. © dpa

„Altern im Orchester“ ist den Angaben zufolge die weltweit umfassendste Studie zu dem Thema. 2010 verschickte die DOV den 19 Seiten langen Fragebogen mit 254 Fragen an 9.922 Musiker in 133 Kulturorchestern. 2.536 Bögen wurden in die Auswertung einbezogen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 46 Jahren, die Spanne reichte von 20 bis 68 Jahre. Die durchschnittliche Berufserfahrung betrug rund 18 Jahre, bei den Ältesten reichte sie bis 42 Jahre.

Vor allem Streicher und Harfenistinnen haben Beschwerden

Weitere Ergebnisse der vom Institut für Begabungsforschung in der Musik an der Universität Paderborn durchgeführten Studie: Streicher (62 Prozent) und Harfenistinnen (61 Prozent) gaben besonders häufig körperliche Beschwerden an. Bläser lagen mit 47 Prozent etwas unter dem Gesamtdurchschnitt, am wenigsten Beschwerden nannten die Perkussionisten (39 Prozent). Die häufigsten Beschwerden betreffen den Bewegungsapparat (83 Prozent), am zweithäufigsten sind Probleme mit dem Gehör (34,3 Prozent). Mit Blick auf Therapie und Prävention böten die Orchester bisher nur wenig Unterstützung, hieß es.

Durchschnittlich 41 Prozent der Orchestermusiker stellten schon mal bei sich selbst altersbedingte Leistungseinbußen fest. Etwa ein Drittel der Musiker (32 Prozent) dachte schon mal ernsthaft an eine Aufgabe des Berufes. Als ideales Pensionierungsalter wurde im Durchschnitt 61 Jahre genannt. Eine Mehrheit (67 Prozent) plädierte auch für Teilzeitbeschäftigung als möglichem Übergang zur Pensionierung. 83 Prozent der Musiker gaben zudem an, das Thema „Älter werden“ in den Orchestern offen thematisieren zu wollen.

Mertens: Gesundheit für Qualität eines Orchesters wichtig

DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens sagte, das Musizieren im Orchester fordere körperliche und mentale Höchstleistungen. „Wo ein Profifußballer oder Leistungssportler die Karriere mit Mitte 30 beendet, da hat ein Musiker noch mehr als 30 Jahre vor sich.“ Die Orchester müssten nach Wegen suchen, die Leistungsfähigkeit der Musiker möglichst lange zu erhalten. Dazu zähle auch die Umsetzung der an vielen Orchesterstandorten bisher nur mangelhaft realisierten EU-Richtlinie zum Gehörschutz. „Eine gute Gesundheit ist die Voraussetzung der Qualität eines Orchesters“, betonte Mertens.

dapd

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