Natürlicher Zeckenschutz

Schwarzkümmelöl gegen Zecken: Wie gut ist das Hausmittel wirklich?

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Ein Schild mit der Aufschrift "Zeckenverseuchtes Gebiet" steht an einer Wiese auf der Wasserkuppe in Hessen.

Viele schwören auf natürlichen Zeckenschutz als Alternative zu chemischen Anti-Zecken-Sprays. Doch halten Kokosöl und Schwarzkümmelöl Zecken wirklich auf Abstand?

Oft sind es Eltern, die zu natürlichen Hausmitteln gegen Zecken greifen: Zu groß ist die Angst, dass reizende Substanzen im Insektenspray in die Augen der Kinder gelangen oder Parfümstoffe allergische Reaktionen auslösen könnten. Auch Tierbesitzer wollen ihrem Vierbeiner keine chemischen Zecken-Sprays aufs Fell sprühen - vor allem, weil Hund und Katze es sich bei der Fellpflege ablecken könnten.

Was liegt da näher, als zu natürlichen Mitteln zu greifen? Ganz vorne mit dabei ist hier Schwarzkümmel- und Kokosöl, die man entweder in die Haut einmassiert oder dem Haustier auf das Fell streicht, damit dieses keine kleinen Blutsauger mit in die Wohnung bringt. Doch was taugen solche Hausmittel?

Zecken Hausmittel: Schwarzkümmelöl gegen Zecken

Viele schwören auf Schwarzkümmelöl gegen Zeckenstiche, obwohl es keine wissenschaftlichen Beleg für dessen Wirksamkeit gibt. Doch Selbstversuche gibt es sehr wohl: etwa den eines Regensburger Schülers. Dem war aufgefallen, dass sein Labrador für Zecken uninteressant war, seitdem er wegen einer Allergie Schwarzkümmelöl ins Fressen gemischt bekam. Der Weser Kurier berichtete weiter, dass der Gymnasiast daraufhin einen Versuch startete.

Der Zwölftklässler fing in einer Wiese mit Hilfe eines schweißgetränkten Handtuchs 30 Zecken und testete, wie sie auf Schweiß und Schweineblut reagierten. "Sobald Blut oder Schweiß mit Schwarzkümmel-Öl versetzt waren, mieden die Zecken das Präparat", sagte der Gymnasiast dem Weser Kurier: "Und zwar bei sehr geringen Ölmengen.". Der Schüler leitete aus seinem Versuch ab, dass Schwarzkümmel-Öl einen Geruch verströmt, der Zecken abschreckt.

Ätherische Öle als Zeckenschutz - vernichtendes Urteil von Stiftung Warentest

Auch andere natürliche Mittel gegen Zecken bedienen sich des Geruch-Tricks: So gibt es mittlerweile in Apotheken und Drogerien etliche Zeckenschutzmittel, die ätherische Öle beinhalten. Der Duft von Teebaumöl, Citronella, Rosmarin, Anis und Lavendel soll demnach ähnliche Wirkung entfalten wie Schwarzkümmelöl. Jedoch empfehlen die Hersteller, das Spray häufiger aufzutragen als Produkte auf chemischer Basis, weil die natürlichen Substanzen schneller verfliegen würden. 

Theoretisch könnte man sich eine Anti-Zecken-Textur mit verschiedenen Ölen sogar selbst zaubern, doch einen Nutzen hat das wohl nicht: Bei Stiftung Warentest schnitten Präparate, die ausschließlich eine Mischung aus ätherischen Ölen enthalten, schlecht ab. Sie gelten der Verbraucherorganisation zufolge sogar als nicht empfehlenswert. Chemische Produkte mit den Wirkstoffen Icaridin, DEET und PMD sowie eine Mischung aus Icaridin und Citriodiol vertrieben Zecken im Test dagegen wirksam, wie Stiftung Warentest berichtete.

Mehr zum Thema: Fünf neue FSME-Risikogebiete in Bayern - auch neue "Super-Zecke" wurde gesichtet.

Was bringt Kokosöl gegen Zecken?

Die in Kokosöl enthaltene Laurinsäure soll als Zeckenschutz dienen, doch ein Nutzen von Kokosöl gegen Zecken ist nicht wissenschaftlich belegt. Es kursieren allerdings positive Erfahrungsberichte im Netz - auch bei Hundebesitzern. So schreibt "Anju&co" auf dem Portal dogforum: "Bei Anju wirkt's und die ist ein Zeckenmagnet, wenn sie kein Kokosöl drauf hat". Der Nutzer strich seinem Hund das Mittel aufs Fell.

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Zeckenschutz: Warum überhaupt?

Der Schutz vor den kleinen Spinnentieren ist vor allem deshalb so wichtig, weil ein Zeckenstich FSME-Viren übertragen kann, die eine gefährliche Frühsommer-Meningoenzephalitis auslösen können. Zecken sind auch Borrelien-Überträger: Folge der bakteriellen Infektion kann die Infektionskrankheit Borreliose sein, die im Endstadium Lähmungen zur Folge haben kann.

Zecken übertragen gefährliche FSME-Viren: Sind Sie geimpft?

Weiterlesen: Erfahren Sie hier, wie Sie sich vor FSME und Borreliose schützen können.

jg

Aufgepasst: Das sind die acht häufigsten Irrtümer über Zecken

Von April bis September lauern sie auf ihre Wirte: Holzbock, Schafzecke oder die braune Hundezecke. Doch über Zecken existieren etliche Mythen. Wir klären die häufigsten Irrtümer auf.
Von April bis September lauern sie auf ihre Wirte: Holzbock, Schafzecke oder die braune Hundezecke. Doch über Zecken existieren etliche Mythen. Wir klären die häufigsten Irrtümer auf. © dpa
Mythos I: Zecken fallen nur von Baumkronen.
Mythos I: Zecken fallen nur von Baumkronen. © dpa
Dass Zecken nur von Bäumen auf ihre Wirte fallen, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die Blutsauger halten sich vielmehr in hohen Gräsern und im Unterholz in einer Höhe von bis zu 1,50 Meter auf. Entsprechend sollte bei Spaziergängen geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen getragen werden.
Dass Zecken nur von Bäumen auf ihre Wirte fallen, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die Blutsauger halten sich vielmehr in hohen Gräsern und im Unterholz in einer Höhe von bis zu 1,50 Meter auf. Entsprechend sollte bei Spaziergängen geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen getragen werden. © dpa
Mythos II: Zecken mit Öl und Klebstoff entfernen.
Mythos II: Zecken mit Öl und Klebstoff entfernen. © dpa
Ja keine Zeckenbeseitigung mit Hilfe von Öl und Klebstoff. Die Zecke wird dadurch zwar erstickt, gibt aber im Todeskampf vermehrt Viren (FSME) und Bakterien (Borreliose) in die Blutbahn ab. Die Zecke sollte nur mit einer Zeckenpinzette oder ärztlich entfernt werden.
Ja keine Zeckenbeseitigung mit Hilfe von Öl und Klebstoff. Die Zecke wird dadurch zwar erstickt, gibt aber im Todeskampf vermehrt Viren (FSME) und Bakterien (Borreliose) in die Blutbahn ab. Die Zecke sollte nur mit einer Zeckenpinzette oder ärztlich entfernt werden. © dpa
Mythos III: Ein weiterer Irrtum ist, dass Zecken sofort entfernt werden müssen.
Mythos III: Ein weiterer Irrtum ist, dass Zecken sofort entfernt werden müssen. © ap
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Ruhe bewahren: Denn wenn Zecken zu abrupt von der Haut entfernt werden, können Teile ihres Körpers abreißen und zu Infektionen führen. © ap
Mythos IV: Infektionen durch Zecken gibt es nur in Risikogebieten.
Mythos IV: Infektionen durch Zecken gibt es nur in Risikogebieten. © ap
Infizierte Zecken gibt es überall in Deutschland. Es ist also auch überall von möglichen Infektionen auszugehen.
Infizierte Zecken gibt es überall in Deutschland. Es ist also auch überall von möglichen Infektionen auszugehen. © ap
Mythos V: Eine Zeckeninfektion ist kein Unfall.
Mythos V: Eine Zeckeninfektion ist kein Unfall. © ots
Falsch ist die Annahme, dass Zeckenbissinfektionen nicht von der Unfallversicherung abgedeckt werden. Eine aus einer Infektion mit einem Erreger der Infektionskrankheiten Borreliose und Frühsommermeningitis resultierende Invalidität ist in der Unfallversicherung mitversichert.
Falsch ist die Annahme, dass Zeckenbissinfektionen nicht von der Unfallversicherung abgedeckt werden. Eine aus einer Infektion mit einem Erreger der Infektionskrankheiten Borreliose und Frühsommermeningitis resultierende Invalidität ist in der Unfallversicherung mitversichert. © ots
Mythos VI: Mit richtiger Kleidung kann ich mich schützen.
Mythos VI: Mit richtiger Kleidung kann ich mich schützen. © dpa
Im Prinzip halten Gummistiefel und lange Hosen Zecken ab oder zumindest auf. Sicheren Schutz kann Kleidung allein jedoch nicht gewähren. Zecken können auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle eine ganze Weile herumkrabbeln.
Im Prinzip halten Gummistiefel und lange Hosen Zecken ab oder zumindest auf. Sicheren Schutz kann Kleidung allein jedoch nicht gewähren. Zecken können auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle eine ganze Weile herumkrabbeln. © dpa
Mythos VII: Zecken können verhungern.
Mythos VII: Zecken können verhungern. © zecken.de
Mit einer einzigen Blutmahlzeit kann eine Zecke sehr lange überleben. Im Labor konnten Zecken, die vorher Blut gesaugt hatten, bis zu zehn Jahre lang ohne weitere Nahrung überleben.
Mit einer einzigen Blutmahlzeit kann eine Zecke sehr lange überleben. Im Labor konnten Zecken, die vorher Blut gesaugt hatten, bis zu zehn Jahre lang ohne weitere Nahrung überleben. © zecken.de
Mythos VIII: FSME Frühsommer-Menigoenzephalitis kommt nur im Frühsommer vor.
Mythos VIII: FSME Frühsommer-Menigoenzephalitis kommt nur im Frühsommer vor. © zecken.de
Der Name der Krankheit täuscht. Die Zecken, die FSME übertragen, sind ab sieben Grad Celsius aktiv. Liegt im Winter über einen längeren Zeitraum die Temperatur darüber, bleiben die Zecken aktiv und können auch in dieser Jahreszeit zustechen und Menschen infizieren.
Der Name der Krankheit täuscht. Die Zecken, die FSME übertragen, sind ab sieben Grad Celsius aktiv. Liegt im Winter über einen längeren Zeitraum die Temperatur darüber, bleiben die Zecken aktiv und können auch in dieser Jahreszeit zustechen und Menschen infizieren. © zecken.de

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