Ist es verflucht?

Bloß den Namen nicht aussprechen: Dieses Dorf soll verflucht sein

Es wirkt wie ein typisches italienisches Dorf. Doch was viele nicht wissen: Colobraro soll verflucht sein. Schon den Namen auszusprechen, soll Unglück bringen.

Hoch auf einem Hügel mit Blick auf das Tal und den Fluss Sinni in Süditalien liegt die winzige Stadt Colobraro. Mit seinen Olivenhainen, weißen Häusern mit Terrakotta-Dächern und einer Bevölkerung von nur 1.500 Personen, könnten Besucher meinen, es handle sich um ein gewöhnliches italienischen Dorf mit Kleinstadtcharme.

Colobraro liegt in der Provinz Matera in der italienischen Region Basilikata. In dieser Region in Süditalien scheint der Ort jedoch viel mehr darzustellen als ein einfaches, verschlafenes Dorf.

Wer den Namen ausspricht, wird verflucht

Colobrado hat den Ruf als ein Ort des Unglücks. Diesen Aberglauben hegen die Bewohner des Umlandes. Es geht sogar so weit, dass selbst die Aussprache des Ortsnamens großes Unglück bringen soll - und daher tunlichst vermieden wird.

"Chillu paese" wird Colobraro von Einheimischen genannt, was "dieses Dorf" bedeutet, oder "Dorf ohne Namen". Denn es wird gemunkelt, dass jedem, der den wahren Namen der Stadt ausspricht, ein Fluch anhaftet. Die Bewohner der umliegenden Dörfer bemühen sich tunlichst, nicht durch die labyrinthartigen Straßen von Colobraro zu gehen.

Selbst die Polizei nimmt die Ängste der Menschen vor Ort sehr ernst. Wie es laut Medienberichten heißt, traue man sich nicht einmal, Bewohner Colobraros wegen zu schnellen Fahrens zu belangen. Zu hoch sei die Gefahr, übernatürlichen Vorgängen zum Opfer zu fallen.

Warum hat jeder Angst vor einer scheinbar harmlosen Stadt?

Colobraro ist angeblich von dem lateinischen Wort "Coluber" abgeleitet, was Schlange bedeutet. Schlangen sind seit jeher bei sehr gläubigen und abergläubischen Menschen die Verkörperung des Bösen und verantwortlich für den Untergang von Adam und Eva im Garten Eden.

Doch der schlechte Ruf Colobraros entwickelte sich erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Geschichten zufolge lebte zu dieser Zeit ein bekannter Rechtsanwalt namens Biagio Virgilio in dem Dorf. Nie soll er einen Fall verloren haben. Darum neideten ihm auch viele Bewohner seinen Erfolg.

Eines Tages soll er während eines Falles im Gerichtssaal gerufen haben: "Wenn das, was ich sage, falsch ist, möge dieser Kronleuchter herunterkommen." Der Leuchter, der direkt über ihm gehangen hatte, fiel im gleichen Moment hinab und erschlug den Anwalt. Seither glaubten die Einwohner des Dorfes an Übernatürliches und nannten es nur noch "die Stadt des Unaussprechlichen". Jeder negative Vorfall wurde bald mit einem Fluch erklärt, der auf der Stadt lastete.

Einwohner berichten von seltsamen Vorkommnisse in Colobraro. Dazu zählen Erdrutsche, eine große Anzahl von Autounfällen und Neugeborene, die mit zwei Herzen oder drei Lungen geboren wurden.

"Fluch" zieht Touristen an

Die meisten Menschen, die in der Stadt leben, glauben laut Medienberichten jedoch nicht an den Aberglauben und sagen, der Fluch treffe nur Besucher. Um die Bekanntheit der Stadt zu erhöhen und den Tourismus anzukurbeln, nutzt das Dorf den angeblichen Fluch nun sogar zu Marketingzwecken.

Seit 2007 versucht die Gemeinde, mit einem themenbezogenen Festival im August Touristen in den Ort zu locken. Ob die Stadt wirklich verflucht ist oder nicht, bleibt umstritten. Eines ist jedoch sicher: Colobraro wird für viele weiterhin als "das Dorf ohne Namen" bekannt sein.

Auch interessant: Diese italienische Stadt zahlt Ihnen Geld, damit Sie dort wohnen. Und: Unfälle und Mord - liegt auf dieser italienischen Insel wirklich ein Fluch?

sca

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