Prinzip Hoffnung

Was uns Souvenirs in Corona-Zeiten bedeuten

Kühlschrankmagneten in einem Shop in Zagreb in Kroatien: Ein Souvenir kann auch witzig oder ironisch sein. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
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Kühlschrankmagneten in einem Shop in Zagreb in Kroatien: Ein Souvenir kann auch witzig oder ironisch sein. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Mitbringsel: Kleine venezianische Masken erinnern an Zeiten, in denen man Venedig noch bedenkenlos besuchen konnte. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
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Mitbringsel: Kleine venezianische Masken erinnern an Zeiten, in denen man Venedig noch bedenkenlos besuchen konnte. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Katharina Koppenwallner ist Kunsthistorikerin und interessiert sich für Souvenirs. Foto: Albrecht Fuchs/dpa-tmn
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Katharina Koppenwallner ist Kunsthistorikerin und interessiert sich für Souvenirs. Foto: Albrecht Fuchs/dpa-tmn
Prof. Wolfgang Kaschuba ist Kulturwissenschaftler und Gründungsdirektor des Berliner Zentrums für Migrationsforschung. Foto: Sophia Kembowski/dpa/dpa-tmn
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Prof. Wolfgang Kaschuba ist Kulturwissenschaftler und Gründungsdirektor des Berliner Zentrums für Migrationsforschung. Foto: Sophia Kembowski/dpa/dpa-tmn
Exotische Muscheln erinnern an Reisen in ferne Länder - und bessere Zeiten. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
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Exotische Muscheln erinnern an Reisen in ferne Länder - und bessere Zeiten. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
Buddha-Figur aus Vietnam: Mit dem Souvenir kommt die wahrgenommene Exotik der Fremde ins heimische Wohnzimmer. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
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Buddha-Figur aus Vietnam: Mit dem Souvenir kommt die wahrgenommene Exotik der Fremde ins heimische Wohnzimmer. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
Souvenirläden auf Mykonos: Mit einem Andenken bringt man immer in Stück Urlaub zurück nach Hause - und eine Erinnerung. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
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Souvenirläden auf Mykonos: Mit einem Andenken bringt man immer in Stück Urlaub zurück nach Hause - und eine Erinnerung. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Was bleibt uns vom Reisen in Zeiten von Corona? Zumindest die Souvenirs aus vergangenen Urlauben. Zeit für eine Würdigung.

Berlin (dpa/tmn) - "Souvenirs einer großen Zeit sind die bunten Träume unsrer Einsamkeit" - das trällerte der deutsch-amerikanische Schlagsänger Bill Ramsey 1959. Selten war dieser Satz so passend wie in den Zeiten der Corona-Pandemie.

Die ganze Welt sitzt in den eigenen vier Wänden, Reisen unmöglich. Andenken früherer Urlaube und aus fernen Ländern erinnern an bessere Tage.

"Wie in Zeitlupe nehmen wir jetzt alles genauer wahr, weil sich alles verlangsamt. Wir sitzen auf dem gleichen Stuhl, während wir alles Mögliche von zu Hause aus erledigen, und der Blick schweift auf die Souvenirs", so beschreibt es der Kulturwissenschaftler Prof. Wolfgang Kaschuba. "Diesen Erinnerungsstücken kommt in einer Zeit der zurückweichenden Horizonte, in der wir ja oft nur noch die Aussicht aus dem Fenster haben, ein größeres Gewicht zu."

Zeit für die Frage: Warum kaufen wir überhaupt Souvenirs? Was bedeuten sie uns, gerade jetzt, da wir nicht mehr reisen können?

Hochkultur und Alltags-Trash

"Für mich sind Souvenirs mehr als eine Erinnerungsstütze", sagt die Kunsthistorikerin Katharina Koppenwallner, die in ihrem Shop International Wardrobe ethnische Textilien verkauft. "Sie sind oft auch handwerkliches Überbleibsel einer Welt, die bei uns verschwunden ist." Ein Beispiel seien bestimmte, handgemachte Stoffe aus Indien. So etwas gebe es in Deutschland gar nicht mehr. 

"Souvenirs sind in Verruf geraten, weil alle Leute denken, das sei so ein Folklore-Quatsch", sagt Koppenwallner. "Aber es gibt in jedem Land eine materielle Kultur, die man entdecken kann. Da blättert sich einem eine Geschichte auf, die sehr spannend ist."

Doch ein Andenken muss weder Kunstobjekt noch Alltagsgegenstand sein. "Ich finde auch ein T-Shirt mit der Aufschrift "I love New York" gut", sagt Koppenwallner. "Auch das kitschige, ironische Souvenir kann eine Geschichte erzählen. Man sollte sich hüten, das zu bewerten." Letztlich könne alles ein Souvenir sein.

Zwischen Lebens- und Weltgeschichte 

"Souvenirs haben oft mit Kitsch zu tun, manchmal mit Kunst, immer jedoch mit Gefühlen", resümiert Kaschuba. Sie hätten nämlich auch eine biografisierende Funktion. "Nach dem Motto: Ach ja, da waren wir vor zehn Jahren!" Man erinnert sich, teilt das Leben in Episoden.

Und dann kann es darum gehen, sich mit der Geschichte in Verbindung zu setzen. Das am häufigsten gefälschte Souvenir sei wohl das Stück Berliner Mauer, sagt Kaschuba. "Das ist ein Stück Weltgeschichte zum Anfassen und Ins-Regal-stellen, ein haptisches Erlebnis. Das macht Gänsehaut und fängt den Pathos dieses Ortes ein."

Die Inflation der Bilder

Sind Souvenirs durch die Vielzahl an Urlaubsfotos und Selfies nicht etwas obsolet geworden? Die Experten verneinen das. "Souvenirs haben eine höhere Wertigkeit erhalten durch die Inflation der Bilder", sagt Kaschuba. "Das Souvenir ist darauf ausgelegt, eben nicht flüchtig zu sein." Koppelwallner weist noch auf einen anderen Punkt hin: "Ein Foto spielt einem eine Realität vor, die es nicht unbedingt hat. Objekte können das nicht und versuchen es auch gar nicht."

Souvenirs als Mitbringsel

Häufig kauft der Reisende das Souvenir nicht für sich selbst, sondern für andere - dann wird daraus ein Mitbringsel, das für Geselligkeit sorgt. Das gilt vor allem für kulinarische Souvenirs. "Denken Sie an die Flasche Wein", sagt Kaschuba. "Die trinkt man irgendwann gemeinsam, um festzustellen: In Italien schmeckt sie doch am besten." Hier kommt der Aspekt des Teilens ins Spiel.

Durch Corona ist derzeit allerdings nicht die Zeit für gesellige Zusammenkünfte. Das Gebot der Stunde heißt: zu Hause bleiben, Sozialkontakte vermeiden. Die nächste Reise lässt auf sich warten.

So fällt der Blick also wieder nur auf die Souvenirs daheim. Das könne aber auch Fernweh und Zukunftsfreude auf die Zeit nach Corona auslösen, sagt Kaschuba. "Das Prinzip Hoffnung."

Literatur:

Katharina Koppenwallner: Souvenirs: 50 Dinge, die es hier nicht gibt, Kein & Aber, 16,00 Euro, 320 S., ISBN-13: 978-3036958019.

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