Kontroverse um das Atommülllager Asse

Wolfenbüttel (dpa) - Die geplante Entscheidung zur Stilllegung des einsturzgefährdeten Atommülllagers Asse bei Wolfenbüttel hat eine kontroverse Debatte ausgelöst.

Das verantwortliche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) will an diesem Freitag bekanntgeben, wie die marode Schachtanlage mit 126.000 Atommüll-Fässern aus Sicht der Behörde am besten geschlossen werden kann. Als eine von drei Möglichkeiten gilt das Herausholen des radioaktiven Abfalls.

Das Atommülllager Asse im vergangenen Jahr.

SPD und Grüne fordern, über das Verfahren zur Schließung des alten Salzbergwerks zügig zu entscheiden. Zugleich wurden aber auch Bedenken laut, eine Festlegung sei voreilig. Der Vorsitzende der Entsorgungskommission desBundes, Michael Sailer, forderte in einem Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ heute weitere Untersuchungen in der Asse. Der Zustand der Fässer unter Tage solle erst noch überprüft und dafür zwei oder drei zugängliche Lagerkammern geöffnet werden, sagte er.

Für die SPD im Landtag steht dagegen schon fest, dass die Rückholung der Fässer aus der maroden Schachtanlage „erste Wahl“ sei. Das BfS hat neben dieser Möglichkeit zur Schließung der Asse auch die Umlagerung der Fässer innerhalb der Grube und das Verfüllen der Kammern mit Spezialbeton und einer Speziallösung geprüft. Die Entscheidung über das beste Konzept sollte ursprünglich im Dezember fallen. Ex-Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), Bundestagsabgeordneter imWahlkreis Wolfenbüttel, hält eine „weitere Verzögerung“ des Verfahrens für falsch. Es werde jetzt Zeit, für Klarheit zu sorgen, sagte der SPD-Politiker.

Das Bundesumweltministerium in Berlin wollte sich offiziell nicht zu einer Entscheidung über die Stilllegung der Asse äußern. Gabriel forderte das Ministerium auf, am 27. Januar im Umweltausschuss des Bundestages einen Bericht zur Lage im Atommülllager Asse abzugeben. Das Ressort solle darlegen, welche Schritte zur Sanierung geplant seien. Die Grünen im Landtag forderten, derAsse-Beschluss dürfe nicht vertagt werden. Die Bürger in der Region bräuchten endlich Gewissheit.

Dagegen warnte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland davor, sich „voreilig“ auf eine Option zur Stilllegung festzulegen. Die Erkenntnisse über die eingelagerten Fässer reichten nicht aus, es seien weitere Untersuchungen notwendig, teilte der Verband mit. Die Schließung der Asse bedeutet ein langwieriges Verfahren. Das Landesumweltministerium etwa wird das Konzept des Strahlenschutz-Amts prüfen und eine Expertenmeinung dazu einholen. „Das wird Zeit in Anspruch nehmen“, sagte eine Ministeriumssprecherin in Hannover.

 Außerdem werden Bürgerinitiativen und Verbände beteiligt. Zugleich drängt die Zeit, da das ehemalige Salzbergwerk instabil ist und bereits Decken-Teile eingestürzt sind. Täglich dringen von außen 12 000 Liter Wasser in die Grube ein.

Quelle: kreiszeitung.de

Rubriklistenbild: © dpa

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