Lockerungen regional unterschiedlich

Corona-Lockerungen in Niedersachsen seit Montag in Kraft

In Niedersachsen wird immer klarer, welchen Weg das Land aus dem aktuell sehr strikten Corona-Lockdown nehmen wird. Viele Branchen sind betroffen.

Update vom 7. März: Die neue Corona-Verordnung für das Land Niedersachsen tritt am Montag in Kraft. Im Unterschied zum Beschluss von Bund und Ländern gilt in Niedersachsen fast überall die Inzidenz-Grenze von 35. Vorgeschlagen wurde eine Grenze von 50. Sinkt die Inzidenz unter diesen Wert, treten bestimmte Lockerungen in Kraft. Steigt die Inzidenz in einer Region an drei aufeinander folgenden Tagen auf mehr als 100, kommt es zu einer Notbremse und der Rücknahme aller ab dem 8. März geltenden Lockerungen. Die aktuelle Corona-Verordnung ist bis zum 28. März gültig.

Die Kontaktbeschränkungen gehen in den Landkreisen und kreisfreien Städten je nach Inzidenz unterschiedlich weit, heißt es in einer Meldung des Landes. Wo genau welche Regeln gelten, werden die Landkreise und Städte vermutlich in Kürze separat bekanntgeben. In Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen am 8. März die 7-Tagesinzidenz mehr als 100 je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner beträgt, bleiben die bisherigen Regelungen bestehen.

Regeln für private Treffen gelockert - abhängig von der Inzidenz

Regeln für private Treffen werden wie folgt gelockert: Statt wie bisher nur eine weitere Person dürfen sich wieder bis zu fünf Menschen aus zwei Haushalten treffen. Kinder bis einschließlich 14 Jahre sowie unerlässliche Begleit- und Pflegepersonen werden dabei nicht mitgezählt, Paare zählen als ein Hausstand. Dies gilt auch beim Sport.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bitter um Verständnis für die neuen Corona-Regeln in Niedersachsen.

Abweichend von der oben genannten Grundregel dürfen Landkreise und kreisfreien Städte, jeweils im Einvernehmen mit dem Landesgesundheitsamt, darüber hinaus Zusammenkünfte von bis zu zehn Personen zulassen, die aus höchstens drei Haushalten kommen dürfen. Voraussetzung hierfür ist ein Inzidenzwert von weniger als 35 im jeweiligen Gebiet. Sein derartig große Treffen in zwei Landkreisen oder Städten zulässig, dürfen sich deren Bewohner auch untereinander zu zehnt und mit bis zu drei Haushalten besuchen.

Ministerpräsident Stephan Weil bittet um Verständnis für Regel-Vielfalt

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und der gesamten Landesregierung sei bewusst, dass diese unterschiedlichen Regelungen innerhalb Niedersachsens nicht leicht zu erfassen sind. „Wir dürfen leider in Regionen, in denen wir eine 7-Tages-Inzidenz von über 100 haben, kein Risiko eingehen. Noch sind nicht alle älteren Menschen in Niedersachsen geimpft, und auch bei den jüngeren gibt es schwere und mitunter schwerste Krankheitsverläufe und hoch belastende Folgewirkungen.“

Hinzugekommen sind in der aktuellen Corona-Verordnung Regeln für berufliche Fahrgemeinschaften - nur mit Maske - und solche für Wahlkampfveranstaltungen. (kom)

Update vom 6. März: Eine neue niedersächsische Corona-Verordnung soll am Samstag veröffentlicht werden, die dann bis zum 28. März gilt. Sie musste zuvor noch mit den Verbänden und dem Landtag abgestimmt werden, hieß es bereits am Donnerstag.

Ursprungsmeldung vom 4. März: Hannover - Aktuell stagniert die Sieben-Tages-Inzidenz in Niedersachsen bei etwa 65. Damit greifen am 8. März zunächst sehr vorsichtige Lockerungsschritte, die für eine Inzidenz zwischen 50 und 100 Neuinfektionen von Bund und Ländern vereinbart wurden. Kinder bis 14 Jahren können gemeinsam im Außenbereich Sport treiben, der Einzelhandel kann zunächst nur für sogenannte Terminshopping-Angebote geöffnet werden, Zoos, Museen und Ähnliches nur mit Terminbuchungen.

Bereits am Samstag soll eine neue niedersächsische Corona-Verordnung veröffentlicht werden, die dann von Sonntag an bis zum 28. März gilt. Diese Verordnung muss zuvor noch mit den Verbänden und dem Landtag abgestimmt werden. In einer Sondersitzung des Landtags zur Corona-Politik am Freitag plant der Ministerpräsident eine Regierungserklärung. Auch in Hamburg deuten sich Lockerungen an - obwohl im Nachbarland ein noch höherer Inzidenzwert als in Niedersachsen gilt, berichtet 24hamburg.de*.

Corona-Lockerungen in Niedersachsen könnten regional unterschiedlich ausfallen

Nach Verständigung auf die stufenweise Lockerung der Corona-Beschränkungen fallen die Reaktionen in Niedersachsen gemischt aus. Eine große Hoffnung richtet sich darauf, dass die Landesregierung in manchen Bereichen womöglich einen etwas großzügigeren Kurs einschlägt. Je nach Infektionslage soll es viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Nagelstudios und andere körpernahe Dienstleister können ebenfalls am 8. März unter strikten Bedingungen öffnen. Schon vom kommenden Montag an sollen zudem die stark beschränkten privaten Kontaktmöglichkeiten gelockert werden. Kinogänger müssen sich hingegen noch länger gedulden.

Restaurants und Bars wurden bereits Anfang November aufgrund der Corona-Pandemie wieder geschlossen. Nun soll es für sie eine neue Perspektive geben.

Wie der „Weser Kurier“ unter Verweis auf die Staatskanzlei berichtete, wird Niedersachsen einen Teil der Corona-Maßnahmen künftig regional und differenziert regeln. In Kreisen und Städten mit niedrigen Ansteckungszahlen sei dann in bestimmten Bereichen etwa bei privaten Kontakten oder beim Sport mehr möglich als im Rest des Landes. Für Ladenöffnungen solle das aber nicht gelten, um einen Anziehungseffekt zu vermeiden.

Handel: Niedersachsens Handelsverband hofft auf schnelle Ladenöffnungen in Orten mit wenigen Neuinfektionen. Der Bund-Länder-Beschluss stellt es den Ländern frei, ob für diesen Schritt die landesweiten oder die regionalen Sieben-Tage-Werte gelten sollen. „Meine stille Hoffnung ist, dass das Land regionalisiert entscheidet“, sagte Hauptgeschäftsführer Mark Alexander Krack. Er begrüßte, dass die Tür hin zu Öffnungen einen Spalt geöffnet worden sei. Allerdings sei die „Diskriminierung von Sortimenten“ den Händlern kaum vermittelbar. Neben Supermärkten und Blumenläden dürfen von Montag an auch Buchhandlungen unabhängig von der Inzidenz öffnen.

Gastgewerbe: Das Gastgewerbe in Niedersachsen reagierte sehr enttäuscht auf die Corona-Beschlüsse. „Das ist nichts, gemessen an dem, was an Erwartungen existierte und daran, dass alle am Ende sind“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Niedersachsen, Rainer Balke. „Das ist nichts, was das Gastgewerbe betriebswirtschaftlich stabilisieren könnte.“ Das wetterabhängige Außengeschäft, für das nun vorsichtige Lockerungen frühestens ab dem 22. März vorgesehen sind, sei kein Stützpfeiler der Gastronomie sondern das Sahnehäubchen des Geschäfts.

Tourismus: „Man muss fast sagen, dass das Ostergeschäft, auf das wir gesetzt hatten, verflogen ist“, sagte Dehoga-Chef Balke. Wenn Bund und Länder nun erst am 22. März Entscheidungen zum Tourismus treffen wollten, sei es auf den letzten Drücker kaum möglich, den Ostertourismus noch anzukurbeln. Ein Abweichen beim Punkt Tourismus und Gastronomie sehen die Beschlüsse vom Vorabend nicht vor.

Schulen: Mögliche weitere Schulöffnungen sieht der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisch, weil Niedersachsen beim Impfen und Testen des Personals hinter anderen Bundesländern herhinke. Es sei frustrierend, wenn in anderen Ländern Kita-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sowie Schulpersonal schon ihre erste Impfung erhalten hätten und Schnelltests problemlos zu erhalten seien, während es in Niedersachsen noch nicht einmal Impftermine gebe und die Testmöglichkeiten durch Planlosigkeit und Kompetenz-Wirrwarr ausgebremst würden, sagte VBE-Landeschef Franz-Josef Meyer.

Kommunen: Aus Sicht des Präsidenten des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Marco Trips, gehen in der Corona-Krise die jüngsten Bund-Länder-Beschlüsse in die richtige Richtung. „Wir müssen Perspektiven haben und dazu kommen, die Risiken durch vermehrte Impfungen und bessere Testverfahren in den Griff zu bekommen.“ Wenn dies gelinge, könnten die Kinder auch wieder in die Schulen und Kitas geschickt sowie dem Handel und der Gastronomie wieder Chancen gegeben werden. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ole Spata / picture alliance / dpa

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