Diakoniekrankenhaus Rotenburg bietet Müttern ab Sommer Möglichkeit der anonymen Abgabe

Erste Babyklappe in der Region

Derzeit gibt es landesweit vier Standorte, an denen Mütter ihre Neugeborenen abgeben können. In Rotenburg kommt ein fünfter hinzu. Archivfoto: dpa

Rotenburg - (sf/dut) · Bente Fitschen hat zum ersten Mal in den Lübecker Nachrichten über die Einrichtung einer Babyklappe gelesen. Es war bereits die dritte in der schleswig-holsteinischen Großstadt. Dass es im Norden Niedersachsens nicht eine einzige gab, veranlasste eine Gruppe Rotenburger Bürger, sich des Themas anzunehmen.

Spätestens Mitte des Jahres soll nun eine Babyklappe an der Kinderklinik am Diakoniekrankenhaus in der Kreisstadt eingerichtet sein. Es ist damit landesweit die fünfte Klappe, die es Müttern ermöglicht, ihr ungewolltes Baby nach der Geburt anonym abzugeben. Einrichtungen in Hannover, Braunschweig, Nordhorn und Osnabrück haben bereits Babyklappen. Der Norden des Landes war bisher in dieser Hinsicht ein weißer Fleck auf der Landkarte.

Dass die Einrichtung umstritten ist, war den Akteuren während der Planung bewusst. Nach langer Diskussion in der Geschäftsführung, insbesondere nach dem ablehnenden Votum des Ethikrates zum dem Thema, habe man sich entschlossen, noch in der ersten Jahreshälfte eine Babyklappe unmittelbar neben dem rückwärtigen Eingang zur Kinderklinik einzurichten, sagte Diako-Geschäftsführer Michael Schwekendiek gestern bei der Vorstellung des Projekts. Rückendeckung habe man auch von Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) erhalten, die allerdings den Begriff „Babyklappe“ für nicht angemessen hält. „Babykörbchen“, sagte Ross-Luttmann gestern, wäre ihr lieber.

Das Angebot müsse eingebettet sein in ein umfängliches örtliches Beratungs- und Hilfenetzwerk, dürfe nur als „ultima ratio“ für Frauen in für sie scheinbar aussichtslosen Notlagen gesehen werden, müsse darüber hinaus die Sicherheit der Neugeborenen garantieren. In den vergangenen zwei Jahren seien landesweit insgesamt zehn Babys abgegeben worden, berichtete Ross-Luttmann. Häufig wären die Babys mittlerweile wieder bei ihren leiblichen Müttern – vor allem dank des Hilfe-Netzwerks „Mirjam“, das die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann 2001 ins Leben gerufen hatte. Auch sie ist eine Befürworterin der Babyklappen. Aus Sicht der Initiatoren ist das Babykörbchen ein Schritt hin zu „anonymen Geburten“, für die in Deutschland – anders als in Frankreich oder Dänemark – zurzeit noch die rechtlichen Grundlagen fehlen.

Die Einwände des Ethikrates teilt Ministerin Ross-Luttmann nicht. Bei der Abwägung entscheide sie sich für das Recht auf Leben, halte das vom Ethikrat ins Feld geführte Wissen um die eigene Identität für nachrangig. Sie begrüßte, dass die neue Bundesregierung ein Gesetz zur vertraulichen Geburt vorantreiben will.

Der Weg zum Babykörbchen am Diakoniekrankenhaus soll ausgeschildert werden. Es soll an einem hinteren Ausgang installiert werden. Die reinen Materialkosten für die Einrichtung beziffert Geschäftsführer Schwekendiek auf 30 000 bis 40 000 Euro.

Quelle: kreiszeitung.de

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