Kirche rettet Roma vor Abschiebung

Göttingen - Drei von Abschiebung bedrohte Roma haben in Göttingen Kirchenasyl erhalten. Die jungen Männer, darunter zwei Brüder, im Alter von etwa 20 Jahren seien in den Räumen einer Gemeinde untergebracht, sagte der Göttinger Ausländerpfarrer Peter Lahmann.

Das Trio sollte ebenso wie mehr als zwei Dutzend weitere Roma aus Stadt und Landkreis Göttingen am Dienstag in den Kosovo abgeschoben werden. Vorerst finde aber keine Abschiebung statt, sagte ein Stadtsprecher. Drei Familien mit zusammen 15 Mitgliedern hätten vor den Verwaltungsgerichten kurzfristig einen Abschiebestopp erreicht, die übrigen Roma seien untergetaucht.

Details zum Kirchenasyl wollte Ausländerpfarrer Lahmann zunächst nicht mitteilen. Einer der Brüder, „die jetzt geschützt sind“, sei in Deutschland geboren. Der andere sei bereits als Baby hierher gekommen. Er unterstütze das Kirchenasyl, sagte der Göttinger Superintendent Friedrich Selter. „Ich bin froh, dass so etwas hier läuft“. Zuletzt hatte im März die Moringer Kirchengemeinde im Nachbarkreis Northeim fünf Roma Kirchenasyl gewährt.

Vier der jetzt abschiebungsbedrohten Roma aus Göttingen haben nach Angaben eines Stadtsprechers vom Verwaltungsgericht Braunschweig vorläufigen Rechtsschutz erhalten. In einer Eilentscheidung hatte das Göttinger Verwaltungsgericht am Montag die geplante Abschiebung von zwei weiteren Roma-Familien mit acht und drei Mitgliedern gestoppt. Der eine Familienvater habe eine geregelte Arbeit. Beim anderen Familienvater stehe ein Klinikaufenthalt mit einer Operation bevor, sagte ein Sprecher zur Begründung.

In den anderen Fällen versagte das Göttinger Gericht den beantragten vorläufigen Rechtsschutz gegen die Abschiebung. Als die Polizei die Menschen in der Nacht zu Dienstag aus ihren Wohnungen abholen wollte, sei niemand anzutreffen gewesen, sagte eine Polizeisprecherin.

Kirchen und Hilfsorganisationen hatten die geplanten Abschiebungen im Vorfeld kritisiert, weil die Lage für Roma imKosovo gefährlich sei. Die Grünen und die Linke im Landtag forderten die Landesregierung auf, für einen generellen Abschiebestopp von Roma in den Kosovo zu sorgen. Nach einem Rückführungsabkommen müssen rund 14000 Flüchtlinge aus dem Kosovo in den kommenden Jahren mit ihrer Abschiebung aus Deutschland rechnen.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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