Bei Vechta

Nach Unfallserie: Polizei setzt auf Videoüberwachung in Baustelle auf A1

Zwei Polizisten sind mit einem Videoüberwachungsfahrzeug auf der Autobahn A1 unterwegs.
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In den vergangenen Wochen kam es im Autobahnabschnitt der Autobahn A1 zwischen Bremen und Osnabrück bei Vechta/Bakum immer wieder zu schweren Lkw-Unfällen am Stauende der dortigen Großbaustelle. Albert Seegers und Christiane Beverborg von der Autobahnpolizeiwache Ahlhorn überwachen nun den Verkehr per Video.

Weil es in der Baustelle auf der Autobahn A1 bei Vechta in Richtung Osnabrück jüngst zahlreiche tödliche Unfälle gab, setzt die Polizei nun auf Videoüberwachung.

Oldenburg/Vechta/Ahlhorn – Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Auto eines Handwerkers. Nur wer genauer hinsieht, erkennt, dass es sich um eine zivile Streife der Autobahnpolizei im Kampf gegen abgelenkte Lastfahrer im Straßenverkehr auf der Autobahn A1 bei Vechta handelt.

Bundesautobahn:Autobahn A1
Betreiber:Bundesrepublik Deutschland & A1 Mobil GmbH (zwischen Buchholzer Dreieck und Bremer Kreuz)
Straßenbeginn:Heiligenhafen (Schleswig Holstein)
Straßenende:Saarbrücken (Saarland)
Gesamtlänge:790 Kilometer

Die Autobahnpolizei Ahlhorn setzt den Wagen mehr als je zuvor im täglichen Streifendienst dafür ein, Lastwagenfahrer aus dem Verkehr der Autobahn A1 zu ziehen, die eine Gefahr für sich und andere Verkehrsteilnehmer darstellen. Etwa aufgrund von Handynutzung, Ablenkung oder fahrerfremden Tätigkeiten am Steuer.

Nach tödlicher Unfallserie auf der Autobahn A1 bei Vechta: Kilometerlange Staus und Auffahrunfällen

Der Grund für die verstärkten Kontrollen ist tragisch: In den vergangenen Wochen kam es im Autobahnabschnitt der Autobahn A1 zwischen Bremen und Osnabrück bei Vechta/Bakum immer wieder zu schweren Lkw-Unfällen am Stauende der dortigen Großbaustelle. Das besonders tragische dabei: Fast immer mit Toten oder Schwerstverletzten.

Der Ausbau zur dreispurigen Autobahn sorgt für kilometerlange Rückstaus. Sogenannte Vorwarner, Blinkeinrichtungen, Beschilderungen und Warntafeln weisen zwar auf das Stauende Kilometer zuvor mehrfach hin. Doch ungeachtet dessen kam es erst vor kurzem innerhalb von nur vier Tagen zu drei folgenschweren Lkw-Unfällen mit Schwerverletzten und Todesopfern.

Nach tödlicher Unfallserie auf der Autobahn A1 bei Vechta: Rettungskräfte stoßen an Belastungsgrenze

Albert Seegers und Christiane Beverborg von der Autobahnpolizeiwache Ahlhorn beginnen ihren Dienst auf der Autobahn A1. In den Köpfen der beiden erfahrenen Polizisten stecken die Bilder der vergangenen Wochen: Fast komplett zerstörte Fahrzeugwracks, schwerverletzte Menschen, Todesopfer, Feuerwehr und Rettungskräfte, die an ihre Belastungsgrenzen kommen.

Immer wieder kommt es in dem Baustellenbereich zu langen Staus und schweren Verkehrsunfällen.

Um dem alltäglichen Wahnsinn und der Gefahr an Stauenden aktiv entgegenzuwirken, sind die Beamten der Autobahnpolizei Ahlhorn ab sofort verstärkt mit dem als Handwerkerauto getarnten Videofahrzeug unterwegs. Eine Action-Cam auf dem Dachgepäckträger filmt in die Fahrerhäuser der Lkw-Fahrer und überträgt die Bilder per Bluetooth live auf das Tablet der Polizeihauptkommissarin Christiane Beverborg.

Sie und ihr Kollege Albert Seegers beziehen zunächst auf einem Parkplatz bei Wildeshausen Stellung und halten Ausschau nach Verkehrssündern in Lastwagen und Kleintransportern. Den Adleraugen der beiden Ordnungshüter entgeht nichts. Schon nach wenigen Minuten entdeckt Seegers einen Trucker mit Handy am Ohr.

Nach tödlicher Unfallserie auf der Autobahn A1 bei Vechta: Beamte wollen Berufskraftfahrer abschrecken

Der zivile Polizeiwagen startet durch und wird neben das Fahrerhaus des anvisierten Lastwagenfahrers gesteuert. Mittels der auf dem Dach verbauten Kamera wird die Ordnungswidrigkeit dokumentiert. Die Aufnahme ist kaum gespeichert, da wird dem telefonierenden Brummifahrer auch schon das im Heck verbaute ,,Follow me – Police“-Zeichen angezeigt.

Auf dem nächsten Rastplatz dann die Konfrontation: Dieser Lastwagenfahrer zeigt sich einsichtig und bereut sein Fehlverhalten. 125 Euro und 1 Punkt in Flensburg sind die Konsequenz. Für das, dass hier im Falle einer Ablenkung mit Unfallfolge am Stauende, Menschenleben aufs Spiel gesetzt werden, wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Doch die Beamten wollen Präsenz zeigen und damit eine möglichst hohe Quote erreichen, um alle Berufskraftfahrer abzuschrecken. An diesem Tag gehen den Ordnungshütern in acht Stunden ganze zehn Verkehrssünder ins Netz. Ein neuer Rekord, sagte Albert Seegers, mit stolzer aber zugleich auch verzweifelter Stimme über die Zustände auf der Autobahn A1. Es ist wohl ein Kampf gegen Windmühlen, dem sich die Polizeibeamten hier tagtäglich stellen.

Die örtliche Freiwillige Feuerwehr Bakum kennt die Situation der Verkehrsunfälle nur zu gut. Die ehrenamtlichen Retter kamen bei drei Einsätzen in vier Tagen an ihre körperliche Belastungsgrenze. Die örtliche Feuerwehrführung sieht sich bestens vorbereitet auf jegliche Einsatzlage, doch das Einsatzgeschehen geht an die Substanz.

Jede Einsatzkraft wird mehrmals die Woche aus ihrem Alltag gerissen, um Verletzte zu retten oder Tote zu bergen. Für die Feuerwehr ist es ganz klar: Hier wird fahrlässig mit Menschenleben gespielt. Die Lastwagenfahrer lassen sich vom Handy und mobilen Geräten am Steuer ablenken und übersehen dann das Stauende. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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