Rückgang des Bestands beschäftigt Industrie und Naturschutz / Besatzmaßnahmen als Lösung

Wie der Aal noch zu retten ist

Ein junger Aal in der Hand eines Fischers.

Lembruch - (dut) · Er ist sowohl in Süß- als auch in Salzgewässern zuhause und gilt in Europa und Asien als Delikatesse: Im Winter herrscht normalerweise Hochsaison für den Aal-Verzehr. Seit kurzem hat der WWF wegen des massiven Rückgangs des Bestands einen sofortigen Fangstopp gefordert, einige Supermarktketten haben sich sogar entschlossen, die Produkte aus den Regalen zu nehmen.

Statt einen Fangstopp zu akzeptieren, haben die führenden Fischvermarkter in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern ein alternatives Modell ausgedacht, das den Bestand in den kommenden Jahren stabilisieren soll. Für jeden verkauften Aal im Supermarkt werden drei Jungtiere in fließfähigen Gewässern ausgesetzt. „Dass etwas gemacht werden muss, ist klar“, sagt Friedrich Hollberg, Geschäftsführer der Fischräucherei Ternäben mit Sitz in Lembruch (Kreis Diep holz), Mitglied der Initiative zur Förderung des europäischen Aals. Mit den so genannten Besatzmaßnahmen wollen die Produzenten dafür sorgen, dass sich der Bestand zehn bis 20 Jahre früher stabilisiert als bisher erwartet.

Der Aal ist ein anspruchsvolles Tier: Er schlüpft als winzige Larve in der Sargassosee im Nordatlantik vor der Küste Floridas. Mithilfe des Golfstroms erreicht er nach drei Jahren im Stadium des Glasaals die europäische Küste und steigt in Fließgewässer wie zum Beispiel die Elbe auf. Im Süßgewässer reift der Aal zehn bis 20 Jahre bis zur Geschlechtsreife heran. Um sich zu paaren, treten die adulten Tiere den tausende Kilometer langen Weg zurück in den Nordatlantik an. Auf dem Weg lauern etliche Gefahren: Vor allem in den Turbinen von Wasserkraftwerken entlang der Flüsse stirbt ein Großteil der Tiere. Und auch die große Nachfrage nach Glasaalen aus Asien – der Preis kletterte innerhalb weniger Jahre von 80 Euro auf bis zu 1 000 Euro pro Kilo – ließ die Bestände für Besatzmaßnahmen schrumpfen. „Man kann die Natur nicht zurückdrehen“, gibt Hollberg mit Blick auf die Entwicklung der Flüsse zu Bedenken. Aber der Mensch versucht auch hier, einzugreifen. In Hamburg sorgt an der Elbe-Mündung eine Aal-Versandstelle dafür, dass die jungen Tiere eingefangen und in sichere Gewässer gebracht werden. Die Besatzmaßnahmen werden von der Fischwirtschaft und den Sportanglern finanziert.

„Wenn mit dem Besatz aufgehört wird, gibt es ein Fiasko“, ist sich Hollberg sicher. Deshalb bringt es seiner Ansicht nichts, einen Fangstopp auszusprechen. Wer auf den Konsum verzichte, nehme zugleich die Chance auf eine rasche Erholung der Bestände. Ternäben will in diesem Jahr sogar erstmals junge Aale im Dümmer aussetzen. Die Gespräche mit dem Land Niedersachsen liefen bereits, kündigte Hollberg an. In Zusammenarbeit mit der Fischinitiative will Ternäben dieses Jahr drei Millionen Tiere aussetzen.

Eine weitere Hoffnung der Fischproduzenten ruht auf der Forschung, die in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht hat. War bisher eine künstliche Fortpflanzung des Aals nicht möglich, sind heute bereits die Möglichkeiten zur industriellen Zucht größer denn je. Auch die Asiaten – allen voran die Japaner – forschen mit Hochdruck an einer Möglichkeit, den beliebten Fisch künftig industriell zu züchten. „Dann würden die Wildbestände entlastet und eine geschlossen Aquakultur ähnlich wie bei Forellen und Lachsen möglich“, meint Hollberg.

Quelle: kreiszeitung.de

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