Polizeidirektion Oldenburg bildet neue Spezialeinheit „Kriminaltechnik“

Ohne Lupe und Maßband

Mit einer Speziallampe können die Ermittler Sekretspuren aufdecken.

Niedersachsen - Von Julia DuttaOLDENBURG · Nein, wie ein Ermittler aus der Krimiserie „CSI“ sieht er nicht aus. Kein schnittiger Anzug, keine abgedunkelte Sonnenbrille. Auch Parallelen zu Kommissar David Hunter aus Simon Becketts Krimibestsellern sucht man vergebens. Dennoch hat Christian Knospe einiges mit den berühmten fiktionalen Spurenermittlern gemeinsam. Er leitet die neue, 28-köpfige Spezialeinheit „Kriminaltechnik“ der Polizeidirektion Oldenburg.

„Früher arbeitete die Spurensicherung mit Lupe und Maßband“, erklärt Knospe und klappt dabei ein kleines Lederetui aus, das auch aus einer Schneiderei stammen könnte. Heute sind die Kriminaltechniker mit allerlei Spezialgerätschaften unterwegs. Haare, DNA-Material, Fußabdrücke – ein kleinstes Detail kann die Ermittler zum Täter führen. Daher ist bei den Kriminaltechnikern höchste Sorgfalt und Akribie gefragt. „Die Kriminaltechnik ist der Ursprung für den Erfolg der polizeilichen Arbeit“, sagt Polizeipräsident Hans-Jürgen Thurau. „Und Geständnisse werden in Mordfällen immer seltener. Daher sind wir umso mehr auf umfangreiches Beweismaterial angewiesen.“

Die Polizeidirektion hat ihre Spezialeinheit aus diesem Grund mit den neuesten technischen Geräten ausgestattet. Sogenannte Live-Scan-Geräte erlauben es, digital Fingerabdrücke zu nehmen und umgehend mit den Daten des Bundeskriminalamts (BKA) abzugleichen. Die neueste Errungenschaft der Ermittler ist eine 360-Grad-Kamera, die den gesamten Tatort scannt und damit virtuell begehbar macht. Auch in diesem Punkt hat die Ermittler nämlich wenig mit dem TV-Alltag zu tun: „Dass Polizisten zwischen den Leichen umherlaufen, während die Spurensicherung noch arbeitet, ist undenkbar“, erläutert Thurau. Erst wenn die Kriminaltechniker – in Schutzanzügen und mit Masken – den Tatort „abgearbeitet“ haben, dürfen andere Beamte den Raum betreten.

Seit der Gründung der Spezialeinheit vor knapp einem Jahr konnten die Kriminaltechniker bereits wichtige Beiträge zur Klärung von Morden liefern. Den ersten Einsatz hatten die Spezialisten bei einem Rache-Mord in Schwanewede im vergangenen Jahr, und auch im Fall des Mordes an zwei jungen Frauen auf einem Campingplatz in Cuxhaven lieferten die Spezialisten die entscheidende Spur zum Täter. Der jüngste Fall führte die Ermittler nach Hude (Kreis Oldenburg), wo ein 97-Jähriger von seinem Nachbarn erschlagen worden war.

Knospe lässt keinen Zweifel daran, dass diese Arbeit nicht spurlos an den Beamten vorbeigeht. „Es ist belastend“, gibt er unumwunden zu und berichtet, dass sich die Mitglieder der Einheit auch Beratung suchen. Aber um einen bisher unbekannten Tathergang zu rekonstruieren, ist die Arbeit der Spezialisten unerlässlich. Und auch wenn sie nicht solche coolen Helden sind wie im TV, so finden die Kriminaltechniker im wahren Leben wenigstens echte Mörder.

Quelle: kreiszeitung.de

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