Leben am Rande der Sozialhilfe

DGB stellt ersten Renten-Report vor

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Mehrere Personen sitzen auf einer Parkbank. (Symbolbild)

Hannover - Immer mehr Menschen auch in Niedersachsen droht Armut im Alter.

Mehr als drei Viertel aller Frauen und gut ein Drittel der Männer, die 2015 in Niedersachsen in Altersrente gingen, erhielten weniger als 900 Euro Rente, warnte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Freitag in seinem ersten Renten-Report. 

Unterhalb von 930 Euro gelten Menschen den Angaben zufolge als armutsgefährdet. Der DGB forderte, das Rentenniveau zu stabilisieren und im nächsten Schritt auf 50 Prozent anzuheben. Mittelfristig sollten auch Selbstständige und politische Mandatsträger in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. 

DGB beklagt „katastrophalen Trend“

Die Linke verlangte ein Rentenniveau von 53 Prozent. Derzeit liegt das Rentenniveau bei etwa 48 Prozent des verfügbaren Einkommens - also des Nettogehalts vor Abzug der Steuern, aber nach Abzug der Sozialabgaben. Allerdings macht die Entwicklung der Renten in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Menschen Sorgen. Denn bis 2030 soll das zulässige Rentenniveau bei 43 Prozent liegen. „Wenn nicht konsequent und zügig umgesteuert wird, bekommt die Mehrheit der zukünftigen Ruheständler ein massives Problem“, betonte Hartmut Tölle, Vorsitzender des DGB Niedersachsen. „Der Trend ist katastrophal: Menschen müssen länger arbeiten und haben trotzdem geringere Renten.“ 

Landesweit gibt es knapp 1,9 Millionen Rentner. „Geschockt“ reagierte die gewerkschaftspolitische Sprecherin für die Linke im Bundestag, Jutta Krellmann: „Die Bundesregierung hat tatenlos zugesehen, wie das Problem der Altersarmut unerträgliche Ausmaße angenommen hat.“ 760.000 Menschen in Niedersachsen, die für Niedriglöhne arbeiteten, erhielten bei dem Lohnniveau selbst nach 45 Jahren eine Rente weit unter der Armutsgrenze. „Das muss aber nicht sein. Denn in Österreich, wo alle in die gesetzliche Rente einzahlen, liegt die Durchschnittsrente für Neu-Verrentete mehr als doppelt so hoch.“ Künftig sollten alle Berufsgruppen in die Rentenversicherung einzahlen, forderte sie. 

Maßvoller Rentenanstieg würde Bundeshaushalt 80 Milliarden Euro kosten

Laut DGB stieg die sogenannte Armutsgefährdungsquote von Rentnern im Land bis 2015 auf 17,2 Prozent - nach 11,6 Prozent im Jahr 2005. Sinke das Rentenniveau wie geplant weiter, würden künftig noch mehr Menschen von Altersarmut bedroht sein. Gesellschaftspolitisch sei immer klar gewesen, dass die Rente ausreichen müsse, um den Lebensstandard zu sichern, erklärte Tölle. Er sprach sich gegen Renten am Rande der Sozialhilfe aus. Ein Anstieg des Rentenniveaus auf 50 Prozent bedeute „maßvolle Anstiege der Rentenbeiträge“, der Bundeshaushalt werde mit 80 Milliarden Euro belastet. 

Nach DGB-Angaben erhielten Männer, die vor 2015 in Rente gingen, durchschnittlich 1105 Euro Rente, Neurentner seit 2015 erhalten demnach 1062 Euro im Schnitt. Verglichen mit Neurentnern des Jahres 2000 mussten Männer, die 2015 in Rente gingen, laut DGB-Report einen Kaufkraftverlust von 130 Euro verkraften. Frauen, die 2015 erstmals Rente erhielten, bekamen im Schnitt 475 Euro weniger als Männer. 

Minijobs und Leiharbeit führen zu niedrigen Renten

Alarmierend sei die Lage der Menschen, die etwa wegen Krankheit nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten könnten, warnte der DGB. 81 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer in dieser Lage erhielten eine Erwerbsminderungsrente unter 900 Euro. 

Tölle erklärte, 41,7 Prozent der Beschäftigten in Niedersachsen müssten von Leiharbeit, Teilzeit- oder Minijobs leben. „Niedriglöhne und prekäre Jobs führen zu niedrigen Renten, von denen keiner leben kann.“ Bei einem bundesweiten Aktionstag am 31. Mai und mit weiteren Aktionen will der DGB die Forderung nach einem Renten-Kurswechsel untermauern.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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