Grünkohlessen fällt aus

Tourismus von Lockdown hart getroffen - Jetzt ruhen die Hoffnungen auf Ostern

Der Lockdown bedroht die Existenz etlicher Gastronomie- und Tourismusbetriebe in Niedersachsen. Die Ergebnisse einer Umfrage sind alarmierend. Alle Hoffnung ist nun auf eine Rückkehr zu relativer (Urlaubs-) Normalität bis Ostern gerichtet.

  • Corona-Krise trifft die Tourismusbranche in Niedersachsen hart.
  • Tourismussektor erwartet, dass die aktuelle Situation bis März andauert.
  • In Gastronomie und Tourismus drohen bald viele Insolvenzen.

Der aktuelle Lockdown in der Corona-Krise trifft die Tourismusbranche in Niedersachsen hart, nachdem es im Sommer zunächst eine Stimmungsaufhellung gegeben hatte. Das geht aus der neuen Saisonumfrage der Industrie und Handelskammern in Niedersachsen (IHKN) hervor. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen beklagt demnach Liquiditätsengpässe. „Die Geschäftslage ist in der Tourismusbranche miserabel - in der Reisebranche sagen fast 30 Prozent, dass die Betriebe von der Insolvenz bedroht sind“, sagte IHKN-Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt in Hannover. „Das sind schon dramatische Zahlen.“ Bis Ostern wird nun auf eine Rückkehr zur Normalität gehofft.

Landeshauptstadt NiedersachsenHannover
Bevölkerungsdichte168 Einwohner / Quadratkilometer
Websitewww. niedersachsen.de
LandtagspräsidentinGabriele Andretta

„Wir erleben den Teil-Lockdown wie einen Voll-Lockdown“, sagte Bernhard Brons, Präsident der IHK für Ostfriesland und Papenburg. Im Geschäft an der (Nordsee-) Küste gebe es im November und Dezember Rückgänge um zwei Drittel. „Das ist in dieser Zeit sehr kritisch.“ Der Tourismussektor erwarte, dass die aktuelle Situation bis März andauere. „Wenn es nicht gelingt, dass wir ein normales Ostergeschäft erleben, dann wird bei ganz vielen das Licht ausgehen.“ Der Tourismus im Binnenland sei ebenfalls hart getroffen. „Beim Binnenlandgasthof ist jetzt die Saison, das Grünkohlessen findet nicht statt.“ IHKN-Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt sagte, es fielen auch Geschäftsreisen weg, etwa in der Messestadt Hannover.

Ende November erlaubte die niedersächsische Landesregierung Hotelübernachtungen für Weihnachtsbesuche. Klar sei aber, dass der Besuch von Verwandten zu Weihnachten keine touristische Übernachtung sei. In Hamburg planen einige Hotels - trotz Ausnahmegenehmigung - geschlossen zu bleiben.

Urlaub in Niedersachsen: Hoffen auf Wiederbelebung 2021

„Die Situation in Niedersachsen als einem der führenden Tourismusländer in Deutschland ist tatsächlich sehr, sehr ernst“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Hilfen von Bund und Land für die Branche müssten nun zielgenau und unbürokratisch ausgezahlt werden. Niedersachsen alleine stelle 120 Millionen Euro zur Unterstützung von Tourismus und Gastronomie bereit.

„2021 hoffen wir auf eine Wiederbelebung des Tourismus in Niedersachsen“, sagte Bernd Althusmann. Dabei sei die Hoffnung, dass das Bundesland auch dauerhaft von dem Trend in der Krise profitiert, dass Menschen wieder mehr Urlaub im eigenen Land und in der Natur verbringen. Im Sommer und Herbst seien Urlaubsgäste nach Niedersachsen gekommen, die sonst woanders hinreisen. „Das ist ein Potenzial, das wir aufgreifen müssen.“ Zusätzliche Unterstützung werde die Branche für internationales Marketing und Digitalisierung erhalten - dabei geht es auch darum, Quartiere online unkompliziert zu finden und buchen zu können.

Die Worte „Bis bald“ sind an den Fenstern eines aufgrund der Corona-Anordnungen geschlossenen gastronomischen Betriebs angebracht. Viele hoffen, dass sie die Krise überstehen.

Die Dramatik der aktuellen Lage wird von den Ergebnissen der IHKN-Saisonumfrage (Befragungszeitraum 7. Oktober-6. November) untermauert. Bei jedem zweiten derzeit geschlossenen Betrieb in Gastronomie und Tourismus droht demnach die Insolvenz. Jedes zweite bedrohte Unternehmen wird den Geschäftsbetrieb ohne weitere Hilfen keine drei Monate mehr aufrechterhalten können. Eine Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit wird erst im zweiten Halbjahr 2021 oder später erwartet.

Die Befragung zeigt auch große Unterschiede zwischen den Regionen und Beherbergungsarten. Tourismusbetriebe etwa konnten im Sommer und Herbst noch gute Umsätze machen, die Verluste vom Frühjahr aber ließen sich meist nicht mehr aufholen.

Wer an Weihnachten und Silvester dem ganzen Trubel entfliehen möchte, kann eine Kreuzfahrt buchen. Laut dem Portal Onboardradio sind Reisen per Schiff über die Feiertage möglich.

Zwei italienische Reedereien haben ihre Touren an den Festtagen abgesagt. In Übereinstimmung mit den Bestimmungen der italienischen Regierung seien Costa-Kreuzfahrten vom 20. Dezember 2020 bis zum 6. Januar 2021 ausgesetzt worden, teilte die Reederei mit. Auch MSC sagte Seereisen in diesem Zeitraum ab. Weitreichende Beschränkungen in ganz Italien machten es lokalen und internationalen Gästen praktisch unmöglich, von und zu den italienischen Einschiffungshäfen zu reisen, hieß es.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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