Aus für Legebatterien: Umstellung dauert Monate / Tierschützer kritisieren Maßnahmen

„Wir haben schon zu viel erlebt“

Bodenhaltung – für Tierschützer auch noch kein tiergerechtes Leben.

Niedersachsen - HANNOVER (dpa) · Nach dem Aus für Legebatterien wird die Geflügelwirtschaft in Niedersachsen noch Monate brauchen, bis sie die Haltung der Hennen vollständig umgebaut hat.

„Es gibt noch eine ganze Reihe von Betrieben in der Umstellungsphase. Diese wird mindestens ein halbes Jahr dauern“, sagt der Präsident des Landesverbandes der Geflügelwirtschaft, Wilhelm Hoffrogge, in Dötlingen (Kreis Oldenburg). Dabei handelt es sich nach Angaben Hoffrogges und des Landwirtschaftsministeriums um reine Baumaßnahmen. „Nach unseren Kenntnissen gibt es in Niedersachsen keine Hühner mehr in Legebatterien“, betont Sprecher Gert Hahne in Hannover.

Seit dem 1. Januar ist das Halten von Hennen in Legebatterien in Deutschland endgültig verboten und damit zwei Jahre früher, als es das EU-Recht verlangt. Die Landkreise seien aufgefordert, bis Mitte Januar schriftlich zu bestätigen, dass es keine Hühner mehr in Legebatterien gibt, ergänzt Hahne. Der Deutsche Tierschutzbund äußerte Skepsis, ob wirklich kein Tier mehr in den alten Käfiganlagen gehalten wird. „Den Worten von Herrn Hahne muss ich Glauben schenken“, sagt Bundesgeschäftsführer Thomas Schröder. Wichtig sei aber, dass die Bestätigungen der Landkreise öffentlich werden, damit kein Zweifel bleibe. „Wir haben in Niedersachsen in Sachen Legehennen-Haltung schon zu viel erlebt“, erklärt Schröder.

Der Tierschutzbund kritisiert das Verbot zudem als nicht ausreichend. Die großen Betriebe stellten meist auf die ebenfalls nicht artgerechten Kleingruppenkäfige um, sagt die Vorsitzende des Landesverbandes, Vera Steder, in Meinersen (Kreis Gifhorn). „Die Hühner sind dort auf geringfügig größerem Raum eingesperrt. Sie können dort ihr Gefieder nicht pflegen, sie können nicht aufflattern, und sie können nicht im Sand baden.“ Statt zu fünft oder zu sechst würden nun rund 60 Tiere in einem größeren Käfig sitzen. Das Ministerium bezeichnete die Kritik an dieser Haltungsform als „völlig unverständlich“. Wegen des Verbots ist nach Angaben von Hoffrogge die Zahl der Legehennen in Niedersachsen von rund 13 Millionen auf etwa neun Millionen gesunken. „Da Hühner nicht von einem Haltungssystem in ein anderes umgestallt werden können, haben sich die Betriebe darauf eingerichtet, dass die Legeperiode mit Ablauf des Jahres 2009 endet“, sagte Hoffrogge. „Nach 14 Monaten werden Legehennen im Normalfall geschlachtet.“ Bevor die Betriebe jedoch neue Hühner anschaffen können, müssen sie die neuen Haltungssysteme installieren, die Ställe renovieren und vorher eine Baugenehmigung beantragen.

300 Millionen Euro würden sie landesweit in den Umbau der Ställe investieren. „Das ist eine große finanzielle Belastung“, sagte Hoffrogge. Zumal während der Umstellungsphase die Einnahmen fehlten. „Wir produzieren jetzt schon weniger Eier. Das bekommt auch der Verbraucher zu spüren – die Eier sind teurer geworden.“

Quelle: kreiszeitung.de

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