Geliebter muss sich nicht selbst belasten

42-Jährige soll versucht haben, Ehemann mit Morphin zu töten

Das Landgericht in Verden
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Der Prozess am Landgericht Verden wurde in der zurückliegenden Woche fortgeführt.

Der Prozess um eine Frau aus Rehburg-Loccum, die ihren Mann vergiften wollte, ging in der vergangenen Woche in die nächste Runde.

Verden/Rehburg - von Wiebke Bruns. Der Geliebte muss nicht aussagen. Das hat die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Verden in dem Strafprozess gegen eine 42 Jahre alte Angeklagte aus Rehburg-Loccum entschieden. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Verden soll die Frau im Januar 2020 versucht haben, ihren Ehemann mit Insulin und Morphin zu ermorden. Vor der Tat habe sie eine Affäre mit einem 37 Jahre alten Mann aus Rehburg-Loccum angefangen.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme und den Akteninhalten war der Zeuge mit der Angeklagten liiert, heißt es in dem Beschluss, der am siebten Verhandlungstag verkündet wurde. Nachdem der Ehemann, der nun als Nebenkläger an dem Strafverfahren beteiligt ist, ins Stolzenauer Krankenhaus eingeliefert worden war, sei der Geliebte mit der Angeklagten dort aufgetaucht. Die 42-Jährige soll in der Klinik unter Hinweis auf eine Patientenverfügung versucht haben, lebensrettende Maßnahmen wie eine mögliche, dann aber nicht notwendig gewordene Intubation, zu verhindern.

Der 37-Jährige habe bei der Polizei ausgesagt, dass er sich wegen bestehender Altschulden einen „finanziellen Vorteil von der Beziehung erhofft“ habe. Die Kammer hält es für möglich, dass der Nebenkläger „einer dauerhaften Partnerschaft der Angeklagten mit ihrem Geliebten im Wege stand“ und dass der Geliebte „Einfluss auf das Tatgeschehen genommen oder die Angeklagte darin bestärkt haben könnte“.

„Den Anklagevorwurf als wahr unterstellt, ergibt sich ein Motiv darin, den Weg zu einer dauerhaften Beziehung zu ebnen“, sagte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk. Der Zeuge könnte sich also mit einer wahrheitsgemäßen Aussage selbst belasten. Weil er dies nicht muss, sprach das Gericht ihm das Recht zu, die Aussage zu verweigern. Fortgesetzt wurde die Beweisaufnahme mit der Befragung der Hausärztin des Ehemannes. Sie bestätigte das Bild eines „antriebsarmen, in den Tag hineinlebenden“ Patienten. Allerdings nicht, dass dieser ein Alkoholproblem oder Suizidgedanken gehabt habe.

Gegenüber der Ärztin habe der Mann meist nichts gesagt. „Das Meiste habe ich mit seiner Frau besprochen“, so die Medizinerin. Morphin habe sie als Schmerzmedikament wegen Rückenproblemen verschrieben und Insulin wegen extrem hoher Blutzuckerwerte. Gespritzt habe das Insulin die Ehefrau.

Bei der Polizei soll die Ärztin das Ehepaar als „sehr dubios“ bezeichnet haben. In dem Prozess erklärte die Zeugin dies damit, dass die Ehefrau mal eine Reduzierung der Medikamente vorgeschlagen habe, diese dann aber wieder erhöht habe. „Dieses Rauf und Runter. Ich war unzufrieden, weil ich kein Konzept erkannt habe“, so die Ärztin.

Befragt zur Lebensgefahr erklärte sie, dass eine Unterzuckerung auch in Verbindung mit einer Diät alleine kein Problem gewesen wäre. Aber in Verbindung mit einer Überdosis Morphin sprach sie von einer „riskanten Kombination“. Die Morphinmenge steht aber nicht fest, weil in der Klinik erst nach einer Medikamentengabe eine Blutprobe genommen worden sein soll.

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