Werner von Behr hat die Hoya-Diepholz’sche Landschaft zwölf Jahre geprägt

Abschied eines Präsidenten

Ein bewegender Moment: Konrad Volger (links), neu an der Spitze der Hoya-Diepholz’schen Landschaft, mit dem scheidenden Präsidenten Werner von Behr. Foto: HDL

Diepholz/Nienburg – Sie hat eine lange und eindrucksvolle Geschichte, die Hoya-Diepholz’sche Landschaft. Werner von Behr, dessen Familienwurzeln bis ins 12. Jahrhundert dokumentiert sind, hat als Landschaftspräsident für diese Organisation gewirkt. Sie ist – wie alle sechs historischen Landschaften in Niedersachsen – untrennbar mit einer der größten Versicherungen im Land verbunden: der VGH.

Weil der 66-jährige Werner von Behr seinen landwirtschaftlichen Betrieb auf dem Rittergut in Hoya an seinen Sohn Alexander übergeben hat, musste er nach zwölf Jahren Amtszeit die Präsidentschaft niederlegen. Die Funktion in der Landschaft sei nicht an die Person, sondern an das Rittergut gekoppelt, erläutert Werner von Behr. Das Präsidentenamt hat nun Konrad Volger übernommen: Landwirt auf dem Schäferhof in Nienburg.

Der Wechsel vollzog sich während des sogenannten Landtags der Hoya-Diepholz’schen Landschaft. Stehend spendeten die Mitglieder dem scheidenden Präsidenten von Behr Beifall. In seinen Händen lag auch ein großer Teil der Geschäftsführung. Zum Amt gehörte aber genauso die Mitwirkung in wichtigen Gremien der VGH, sprich dem Brandkassenausschuss und dem Aufsichtsrat. Weil alle historischen Landschaften in Niedersachsen Träger der landschaftlichen Brandkasse sind, die noch heute einen wesentlichen Teil der VGH bildet, sitzen Funktionsträger aus dem ganzen Land mit am Tisch. „Man lernt interessante Menschen aus allen Bereichen Niedersachsens kennen“, formuliert es der scheidende Landschaftspräsident – und empfindet den Austausch mit ihnen als „beeindruckend und menschlich berührend“.

Traditionell sitzt auch der Abt des Klosters in Loccum mit am Tisch – als Vorsitzender des Brandkassenausschusses: ein Kirchenmann an der Spitze eines Wirtschaftsunternehmens. Diese Regelung stammt noch aus dem Gründungsjahr der Brandkasse, 1750. Abt ist heute Horst Hirschler, der diese Funktion in Kürze an den bisherigen Landesbischof Ralf Meister abgeben wird.

Ein selbstständig gewordenes Kind der Hoya-Diepholz’schen Landschaft ist der Landschaftsverband Weser-Hunte, über den Geld in die Kulturförderung der Landkreise Diepholz und Nienburg fließt. Der Landschaftspräsident ist Beisitzer im Vorstand des Landschaftsverbandes. Die Fördersumme errechnet sich nach der Einwohnerzahl der Landkreise. Gefördert werden Kulturprojekte nach genau festgelegten Kriterien. Für andere Projekte steht Geld aus einer Direktspende der VGH zur Verfügung – immerhin 86 000 Euro in jedem Jahr.

Vor 30 Jahren war der Landschaftsverband gegründet worden – mit viel Engagement des damaligen Landschaftspräsidenten Bertold von Behr. „Er musste viel Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Werner von Behr über den Einsatz seines Vaters. Doch aus rechtlichen Gründen könne die VGH den Landschaften selbst nur begrenzt Zuwendungen zur Verfügung stellen. „Es sind Kundengelder, und die sollen in der Region bleiben“, sagt Werner von Behr.

Weil die historischen Landschaften in Niedersachsen einst die Brandkasse verwalteten, erhalten sie noch heute einen Verwaltungskostenzuschuss. Daraus finanzieren sie ihre Aufwendungen – aber vor allem Spenden. Aus dem Topf zur Förderung Benachteiligter stellte die Hoya-Diepholz’sche Landschaft zum Beispiel 2 000 Euro für den Bau eines Spielplatzes auf dem Rittergut des Kinderheims „Kleine Strolche“ zur Verfügung. Die VGH-Stiftung habe für dieses besondere Projekt noch eine hohe vierstellige Summe dazu gespendet, sagt Werner von Behr.

Vorschläge für Projektförderungen nimmt die Landschaft gern von der jeweiligen Kommune entgegen, in der ihr Landtag – Jahr für Jahr wechselnd – stattfindet.

Aus einem Topf für historische Projekte fließen Zuschüsse für die Veröffentlichung von geschichtlichen Werken oder die Grabungen auf dem Heiligenberg – doch genauso für die Restaurierung von Akten im Niedersächsischen Landesarchiv, die eine wichtige Quelle für Heimatforscher sind. Mit Unterstützung der Landschaft wurden historische Dokumente aus dem Amt Hoya restauriert, die durch das Leine-Hochwasser 1946 fast zerstört worden waren. „Daran haben sich auch die fast 40 Gemeinden im damaligen Amt Hoya beteiligt“, freut sich Werner von Behr über deren Zuschüsse. Für das nächste Projekt, die Restaurierung der Akten aus dem ehemaligen Amt Freudenberg, haben die Kommunen in diesem Bereich ebenfalls Zuschüsse signalisiert.

Andererseits gewährt die Landschaft Zuschüsse für die Veröffentlichung von Ortschroniken – und fördert pro Jahr vier solcher Projekte mit jeweils 750 Euro. Für Werner von Behr ein Herzensanliegen. Denn bei der Präsentation „lernt man nicht nur engagierte Menschen kennen“, sagt der scheidende Landschaftspräsident, „sondern man lernt auch seine Region immer besser kennen“.

Im Rückblick auf seine zwölf Amtsjahre denkt der 66-Jährige gern an das 150-jährige Bestehen der Hoya-Diepholz’schen Landschaft zurück, bei dem Ministerpräsident Stephan Weil in seiner Festansprache die historischen Landschaften als eine Wurzel der Demokratie gewürdigt hatte: „Das war ein Highlight.“ Jetzt will sich Werner von Behr verstärkt seinem sportlichen Hobby widmen – dem Rudern – und im Ruderverein Hoya mehr Verantwortung übernehmen.

Historie und Hintergrund: Im Mittelalter hatten die Grafschaften Hoya und Diepholz jeweils eigene Landstände (Ritterschaft, Klerus, Stadtbürgertum, Bauernschaft). Die Landschaften beteiligten sich an der Verteidigung der jeweiligen Herrschaftsgebiete und vertraten die Interessen der Bevölkerung gegenüber dem Landesherren. Mitte des 18. Jahrhunderts schufen sie eine Feuerversicherungsanstalt (Brandkasse).

Die beiden Landschaften vereinigten sich 1863 zur Hoya-Diepholz’schen Landschaft. Die Landschaften haben heute vor allem kulturelle Aufgaben, sind aber nach wie vor Träger Landschaftlichen Brandkasse (Teil der VGH) und wirken dort in allen wichtigen Gremien mit. Die Hoya-Diepholz’sche Landschaft umfasst die Landkreise Diepholz, Nienburg und einen kleinen Teil des Kreises Verden zwischen Weser und Aller sowie des Landkreises Oldenburg. Die Landschaft ist in drei Kurien gegliedert, die sich regelmäßig auf Landtagen zusammenfinden.

Quelle: kreiszeitung.de

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