Treffen der Interessengruppe im Familienzentrum Hoya gut besucht

ADHS ein brennendes Thema

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Der Diplom-Psychologe Michael Albers erklärte Grundlegendes zum Thema ADHS. ·

Hoya - Von Jana Wohlers. ADHS, die Aufmerksamkeitsdefizitstörung, ist ein großes Thema in der Samtgemeinde. Mehr als 15 Interessierte besuchten am Mittwochabend ein Treffen der ADHS-Interessengemeinschaft im  Familienzentrum in Hoya.

„Ich bin jedes Mal wieder über die große Beteiligung erstaunt“, bilanzierte Diplom-Psychologe Michael Albers, der zum Thema referierte und mit professionellen Ratschlägen durch den Abend leitete.

Neben dem Martfelder, der für den Fachbereich „Jugend“ beim Landkreis Nienburg arbeitet, standen weitere Experten Rede und Antwort, darunter der in Hoya praktizierende Allgemeinmediziner Dr. Lars Budde und die in Nienburg tätige Ergotherapeutin Jutta Mack.

„Der große Andrang zeigt, dass das neue Familienzentrum seinen Sinn und Zweck erfüllt: nämlich für die ganze Familie da zu sein“, lobte Albers. Auch Heike Teichmann, Leiterin des Familienzentrums, freute sich über die positive Resonanz. „Hätten wir das gewusst, wäre die Wahl auf einen größeren Raum und mehr Stühle gefallen“, scherzte sie. Doch das enge Beieinandersitzen der Besucher hatte auch Vorteile: Nachdem Albers die wichtigsten Fakten über die Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung erklärte hatte, entwickelte sich eine rege Diskussion, in der viele unterschiedliche Meinungen zu hören waren.

Vorweg hatte Albers erklärt, dass niemand, weder Kind noch Eltern, Schuld an der Krankheit habe. Ebenso ist ADHS nicht heilbar, die Symptome können sich jedoch im Alter verändern.

Belegt sei, dass bei Erkrankten die Informationsweitergabe in bestimmten Teilen des Gehirns gestört ist. Albers zeigte die ADHS-Problematik an einem Schaubild auf. Grob erklärt entwickeln Menschen Filter, um äußere Reize zu bewerten und gegebenenfalls auszublenden. „Bei ADHS-Betroffenen werden sozusagen viele Reize am Filter vorbeigeschleust und wirken so direkt auf ihre Handlungen“, sagte Albers. Schwierige Rahmen- und Erziehungsbedingungen würden die Symptome verstärken.

Deshalb gab Michael Albers Tipps für den Umgang mit Betroffenen. Die Ratschläge seien jedoch nicht immer umzusetzen, hieß es in der Diskussionsrunde. Mehrere betroffene Eltern erzählten zudem, die positiven Begleiterscheinungen von ADHS, wie eine höhere Flexibilität und Spontanität, würden in der Schule kaum beachtet.

Eine anwesende Lehrerin verdeutlichte den Blickwinkel der Lehrer auf ADHS und wies Vorwürfe zurück, der Krankheit keine Beachtung zu schenken. „Oftmals sind die Lehrer mit der Thematik gar nicht vertraut, geschweige denn richtig ausgebildet“, sagte Michael Albers.

Ist unser Bildungssystem nicht an die aktuellen Bedürfnisse angepasst, unsere Gesellschaft nicht ausreichend über ADHS informiert? Diese Frage rückte mehrfach in den Fokus. Denn nicht nur viele Lehrer, sondern auch zahlreiche Eltern lehnen es strikt ab, sich auf das Thema einzulassen, sagten die Experten. „Wir leben in einer extremen Leistungsgesellschaft, in der kein Platz für ADHS ist. Meines Erachtens sollte die Schule nicht zu sehr in den Fokus rücken, denn Kinder brauchen Freiraum“, forderte eine Besucherin.

http://www.familienzentrum-hoya.de/beratung/adhs.html

Quelle: kreiszeitung.de

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