EU: Haarefärben erst ab 16 Jahre / Wie Nienburgs Friseure damit umgehen

Adieu, Strähnchen und Mahagoni-Mähne

Nienburg - Farbenfrohe Experimente am Kopf als unverkennbare Zeichen des Aufbegehrens und der Suche nach dem eigenen Stil – das ist Geschichte für Jugendliche unter 16 Jahren. Die Europäische Union verbietet ihnen das Haarefärben im Rahmen einer Kosmetik-Verordnung, um sie vor möglichen Allergien zu schützen. Das ist gut gemeint, aber wirkungslos in den Augen von Tanja Strohmeyer, Obermeisterin der Friseur-Innung im Landkreis Diepholz.

In der Praxis ist die Verordnung offenbar schwer umzusetzen. „Wir Friseure müssen im Laden theoretisch nach dem Ausweis der Kunden fragen, in der Drogerie gibt es die Haarfarbe aber weiter wie gehabt“, ärgert sich Tanja Strohmeyer. Friseure seien schließlich Fachkräfte, die sich mit den Produkten auskennen und sie sicher anwenden können. „Ich sehe ein, dass es Bereiche gibt, wo das nicht hingehört, etwa im Handel“, so die Obermeisterin.

Seit dem 1. November 2011 müssen die Hersteller bestimmte Haarfärbemittel auf ein mögliches Allergierisiko sowie und darauf hinweisen, dass das Produkt nicht für Jugendliche unter 16 Jahren bestimmt sei. Die Kreishandwerkerschaft empfiehlt daher, Jugendlichen unter 16 Jahren „nicht ohne Zustimmung der Eltern oder Erziehungsberechtigten die Haare mit diesen Färbemitteln zu färben“.

In Einzelfällen sei es aber vertretbar, dass auf Wunsch von Eltern oder Erziehungsberechtigten, die trotz der Risikohinweise auf eine Färbung bestehen, diese mit deren schriftlicher Einwilligung vorgenommen werde.

So müssen Tanja Strohmeyer und ihre Kollegen alle, die auf dem Friseurstuhl Platz nehmen, nach dem Alter fragen und beraten. Ist der Kunde allergisch oder hatte er bereits eine allergische Reaktion auf Henna-Tattoos oder Permanent-Make-up, so sollen ihm die Friseure vom Haarefärben abraten und zunächst einen Besuch beim Hautarzt empfehlen.

Auswirkungen auf den Umsatz hat Strohmeyer für sich bislang nicht festgestellt. „Aber es gibt Betriebe, die auf junge Kundschaft ausgerichtet sind, da ist das schwierig.“ Probleme mit jungen Kunden habe sie bislang nicht gehabt, so die Obermeisterin. „Das kommt noch eher bei den Konfirmanden“, so die Friseurmeisterin. „Die sind in dem Alter, wo sie etwas machen lassen möchten.“

Das Team von „Hairkiller“ in Nienburg bedient vor allem junge Kundschaft, rund 40 Personen am Tag. Salon-Leiterin Carmen Angov zufolge seien die Jugendlichen aber „ziemlich vernünftig“ und beschränkten ihre Farb-Wünsche auf blonde Strähnen oder eine braune Farbe. „Bislang merken wir keine Auswirkungen, aber ich denke, wir werden‘s noch merken“, sagt Angov.

Mehr Vertrauen in die Kompetenz des Friseur-Handwerks wünscht sich an dieser Stelle Friseurmeisterin Tatjana Sydow, die den gleichnamigen Salon in Leese führt. „Ich halte nichts von der Verordnung – man muss doch auch schon in dem Alter wissen, was man tut.“ Nichts Neues hat die Verordnung für Friseurmeisterin Martina Müller gebracht, die den „Klier“-Salon in Hoya führt. „Wir machen eigentlich nichts anders als vorher“, sagt die Fachfrau mit Blick auf die Beratung, die in ihrem Geschäft dazugehört. „Klar, wenn da ein zu junges Mädchen sitzt, sagen wir was. Aber unsere Färbekunden sind meist reife Frauen, die dafür auch das Geld haben.“ Die junge Kundschaft wünsche sich höchstens mal Strähnchen und dabei würde nicht mal Farbe an die Kopfhaut kommen, ergänzt die Friseurmeisterin · kat

Quelle: kreiszeitung.de

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