Diskussionsrunde zum „Agrarpaket“

Landwirtschaft und Politik im Dialog in Loccum

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Die Diskussionsrunde beginnt in der „Halle für alle“. (von li.) Tobias Göckeritz (Vorsitzender des Landvolks Mittelweser), Karl-Friedrich Meyer (Vorsitzender des Landvolks Weserbergland, Katja Keul (Grünen-Abgeordnete des Deutschen Bundestages), Maik Beermann (CDU-Abgeordneter des Deutschen Bundestages).

Landkreis - Von Johanna Ritter. Über das Thema "Agrarpaket" diskutierten in Loccum Bundestagsabgeordnete Katja Keul und Abgeordnete des Bundestags Maik Beermann mit rund 60 Landwirten. 

Mit den Worten „ Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen und den Landwirten die Gelegenheit geben, Fragen zu stellen und Statements abzugeben, damit die Bundespolitiker, die unsere Region vertreten, einen Eindruck bekommen, warum sie sich in Berlin gegen den einen oder anderen Gesetzentwurf entscheiden sollten“, eröffnete derVorsitzende der Landvolk Vereinigung Mittelweser Tobias Göckeritz die Diskussionsrunde in der Loccumer „Halle für alle“.

Sowohl die Bundestagsabgeordnete Katja Keul (Grüne), als auch der Abgeordnete des Bundestags Maik Beermann (CDU) waren der Einladung der Landvolk Kreisverbände Mittelweser und Weserbergland, sowie der Organisation „Land schafft Verbindung“ gefolgt. 

Bevölkerung mit regionalen Produkten versorgen

Sie standen Rede und Antwort zum Thema „Agrarpaket“, welches „auf die Reise geschickt wurde“, so der Vorsitzende des Landvolks Weserbergland Karl-Friedrich Meyer. 

Rund 60 Landwirtinnen und Landwirte versammelten sich zum Dialog in der Loccumer „Halle für alle“.

Einig waren sich die rund 60 Landwirte und Landwirtinnen darin, dass sie auch in Zukunft noch „Landwirtschaft machen und die Bevölkerung mit regionalen Produkten versorgen wollen“. Jedoch müssen dazu die Rahmenbedingungen stimmen. Grünen Politikerin Keul, die nicht für den Agrarbereich zuständig ist, war daran gelegen in ihrer Funktion als Volksvertreterin in den Dialog zu gehen und Vorschläge sowie Anregungen an die entsprechenden Fachkollegen weiterzuleiten

„An der Basis hören, wo der Schuh drückt“, hatte sich der Abgeordnete Beermann vorgenommen. Als eine große Herausforderung sieht er aktuell die Schaffung einer zwingend notwendigen Zukunftsperspektive für die landwirtschaftlichen Betriebe, die auch politisch mitgestaltet werden muss. „Es muss ein Riegel vorgeschoben werden, damit nicht noch mehr Höfe aufgegeben werden“, ist er sich sicher. 

Bestehen der Betriebe sichern

Eine rege, teilweise hitzige, Diskussion setzte sich in Gang. „Wo soll die Tierhaltung in 20 Jahren stehen“ und „Wo soll der Weg in der Landwirtschaft überhaupt hingehen“ beschäftigte die Anwesenden. Dieses insbesondere im Hinblick darauf, dass derzeit „bestimmte Strömungen zu spüren sind, die danach verlangen, den Tierbestand zu senken“, sagt Landwirt und stellvertretender Vorsitzender des Landvolks Holzminden, Christian Ahlswede, und forderte die Politiker zu einer „ehrlichen Aussage mit konkreten Zahlen auf“. 

Diese konnte Keul ad hoc nicht aus dem Ärmel schütteln, ging aber mit dem Wunsch nach verlässlichen Rahmenbedingungen konform. Kommentierte ihrerseits mit „langfristig werden wir aber dahin kommen, dass wir in Niedersachsen weniger Tiere haben werden.“ Außer Frage stand dabei für sie die Sicherstellung des weiteren Bestehens der bäuerlichen Betriebe, auch mit einem geringeren Tierbestand. „Weniger Tiere und pro Tier ein besserer Preis ist der Weg, den man in Zukunft gehen muss“, so Keul.

Zur Sprache kam ebenso das Model der Direktvermarktung. Auch hier gibt es seitens der Politik Einschränkungen“, sagt Beermann, was er am Beispiel der kleinen Schlachtbetriebe, die „aufgrund der Auflagenhöhe nicht mehr in der Lage sind, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten“ verdeutlichte. 

Dies untermauerte er mit Zahlen, die besagen, dass „Anfang 1900 noch 38,2 Prozent, aktuell 1,4 Prozent der Bevölkerung, in der Landwirtschaft tätig sind und somit ein Landwirt nach heutigem Maßstab für die Ernährung von 143 Menschen zuständig ist“. „Es gibt derzeit in der Politik weder eine klare Zukunftsvision für die deutsche Landwirtschaft noch eine Investitionssicherheit“, erklärte Beermann.

Klärungsbedarf bei Nitratbelastung und "Roten Gebieten" 

Unbestritten stand für die Abgeordnete Keul fest, dass „die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland und Europa erhalten werden muss“, und „die Agrarsubventionen umverteilt werden müssen, damit „sie bei denen ankommen, die die bäuerliche Landwirtschaft vor Ort machen“.

In Bezug auf die Setzung der Messpunkte für Nitratbelastung und der damit verbundenen Ausweisung der „Roten Gebiete“ besteht weiterhin Klärungsbedarf. Dem gegenüber standen Einzelbeispiele, wie die geforderte Erhöhung der Güllelagerkapazität vereinzelter Betriebe und den dafür nicht vorhandenen Baugenehmigungen.

Grundsätzliche Uneinigkeit herrschte bezüglich dem Vorhanden- oder Nichtvorhandensein des Insektensterbens, was Keul mit „nicht alles kann eine wissenschaftliche Fehlleistung sein“, kommentierte und den Vorschlag unterbreitete, hierzu einmal Experten einzuladen und zu befragen.

O-Ton der teilnehmenden Bäuerinnen, Bauern und Abgeordneten war, die vorhandenen Probleme angehen zu wollen, um zielführende Zukunftslösungen zu finden.

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