Aktivisten bringen am Montag Wiesenhof-Fließbänder zum Stillstand

„Das Schlachten beenden“

+
Johanna und Lena (rechts) sitzen vor einem der Tore Wiesenhofs. Jeweils eine Hand haben sie einbetonieren lassen. „Es gibt keinen Schlüssel“, sagt Johanna.  

Wietzen /Holte - von Kristina Stecklein. Ketten, Betonfässer, belagerte Lkws: Am Montag überraschten Tierschutz-Aktivisten den Wiesenhof-Betrieb in Wietzen. Ihre Forderung: Der Ausbau des Betriebes soll gestoppt werden.

„Wir sind laut, wir sind hier, für die Befreiung – von Mensch und Tier!“, ruft die Gruppe lautstark. Zum Teil mit Sonnenbrillen, zum Teil mit Schirmen stehen sie bei knapp 20 Grad in der prallen Sonne auf einem Laster des Wiesenhof-Betriebes in Wietzen/Holte.

Auch die Polizei Marklohe ist vor Ort. „Sie wissen, dass Sie Hausfriedensbruch begehen?“, fragt der Beamte eindringlich einen der Demonstranten. Keine Antwort. Stattdessen wieder dieselbe Parole. Erneut versucht der Polizist Antworten zu erhalten, sagt, dass es sich um ein Privatgelände handelt. „Wir sind laut, wir sind hier, für die Befreiung – von Mensch und Tier!“ schallt es von der anderen Seite, wieder derselbe Ruf, in den auch der Demonstrant einsteigt.

Aus ganz Deutschland versammelten sich die Gruppen ab Montagmorgen, 10 Uhr, vor und auf dem Gelände von Wiesenhof.

„Wir sind knapp 30 Personen“, erklärt Christopher Klement. Für diese Protestaktion kam er ganz aus Braunschweig, steht der Presse Rede und Antwort. „Natürlich haben wir das schon lange geplant“, bestätigt er – damit der Effekt aber bleibt, erfährt sonst keiner davon. „Wir bleiben hier, bis das Gelände geräumt wird“, sagt er bestimmt. An drei Punkten des Geländes haben sich die Aktivisten positioniert. Melanie ist mit einem dicken Fahrradschloss um ihren Hals an einem Tor der Fabrik festgekettet. Viel Luft bleibt da nicht – sie ist gezwungen, in dieser Position zu verharren. Doch für die Frau aus Norddeutschland lohnt sich dieser Einsatz: „Die Fließbänder stehen still, der Warenfluss ist unterbrochen“, sagt sie, während sie ihren Kopf möglichst gerade hält. Dabei geht es den Aktivisten nicht nur um die Tiere. „Die Arbeiter arbeiten teilweise unter schlechten Bedingungen – wir solidarisieren uns mit den Arbeitenden“, versichert Melanie. In der Produktion möchte die Frau aber auch mitreden dürfen. „Wir möchten in der Zukunft mitentscheiden, wie und was produziert wird und wo es hinkommt.“

Mit deutlichen Worten haben sich die Aktivisten auch auf Lkws positioniert.

Laut der herausgegebenen Pressemitteilung der Aktivisten ist es ihr Ziel, den „geplanten Ausbau der Schlachtfabrik zu verhindern und sich der Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur direkt in den Weg zu stellen.“ Dass es bei der Aktion Probleme geben kann, sind sich die Aktivisten durchaus bewusst. „Wir wissen, dass rechtlich etwas passieren könnte“, bestätigen Johanna und Lena nickend. „Wir können zuschauen – oder wir tragen dazu bei, dass das Schlachten beendet wird“, sagt Johanna. Sowohl ihre als auch Lenas Hand sind in einem Betonfass fest – und wenn es sein muss, bis in den späten Abend. Die Sonnencreme steht bereit, der Schirm ist gezückt.

Alle Gruppen und Einzelaktivisten kommen aus ganz Deutschland und verabreden sich über ein Netzwerk, die Kampagne gegen Tierfabriken. Auch heißt es, dass in der neuen Schlachtfabrik 250 000 Hühner täglich getötet werden können – die bisherige Schlachtkapazität beträgt 140 000 Hühner. „Seit Beginn dieser Pläne organisierte sich der Widerstand.“ Die Aktivisten fordern konkret den Stopp aller Ausbaupläne von Wiesenhof, die Umwandlung aller Schlachtbetriebe, in denen Entscheidungen von allen – auch von der Gesellschaft – getroffen werden und eine Produktionsweise, die sich am Wohlergehen aller statt Gewinnsteigerung orientiert.

Es ist ein Prozedere, das selbstverständlich auch Polizeieinsatz erfordert. „Sie stehen auf einem Privatgrundstück, das ist Hausfriedenbruch und Nötigung und wird strafrechtlich verfolgt“, erklärt Eckhard Schwirten von der Polizei Marklohe. Was noch kommen soll, weiß er nicht. „Wir fragen etwas, aber es gibt keine Antworten“, umschreibt der Beamte das erste Szenario. Mit dem Geschäftsführer des Betriebes stehe die Polizei im Kontakt. Seine größte Sorge seien die stehenden Lkws, die zum Teil auch mit Tieren beladen sind – und durch den Protest in der Sonne stehen müssen. „Es muss irgendwie weiter gehen“, sagt der Polizist abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Politik

Schulz schließt große Koalition aus

Schulz schließt große Koalition aus
Politik

AfD feiert - SPD am Boden: Die Bilder zum Wahlabend

AfD feiert - SPD am Boden: Die Bilder zum Wahlabend
Fußball

Perfekte Woche für Nürnberg - Düsseldorf wieder Spitze

Perfekte Woche für Nürnberg - Düsseldorf wieder Spitze
Boulevard

Furioses Finale mit Dolce & Gabbana und Stella Jean

Furioses Finale mit Dolce & Gabbana und Stella Jean

Meistgelesene Artikel

Wohnmobilwochenende und Reisegutgscheine: Die Gewinner stehen fest

Wohnmobilwochenende und Reisegutgscheine: Die Gewinner stehen fest

Nienburger Kino: Neuer Standort steht fest

Nienburger Kino: Neuer Standort steht fest

Die „Alten Knochen“ lassen sich feiern

Die „Alten Knochen“ lassen sich feiern

VW-Polo-Fahrer beschädigt zwei Fahrzeuge 

VW-Polo-Fahrer beschädigt zwei Fahrzeuge 

Kommentare