Keine Metaboliten mehr nachweisbar

Neue Filteranlage: Aktivkohle holt alles aus Trinkwasser raus

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Die neue Steuerung könnte Henry Pfeiffer per Computer oder Smartphone auch vom heimischen Sofa aus bedienen. Aber was macht der Vorarbeiter im Wasserwerk? Selbst an seinem Geburtstag kommt er zum Pressetermin raus und stellt die Anlage mit ihrer komplizierten Vorrohrung persönlich vor.

Hoya - Von Michael Wendt. „Das erste Analyse-Ergebnis ist phänomenal“, sagt Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer. Die Messergebnisse zeigen: Die neue Aktivkohlefilter-Anlage im Wasserwerk Hoya arbeitet perfekt.

Das Trinkwasser wurde auf Spuren von zehn Pflanzenschutzmitteln und deren Abbauprodukten untersucht. Nicht ein einziges konnte darin nachgewiesen werden. Dies sei aber kein Freibrief für Landwirte, künftig wieder die Spritzmittel einzusetzen, die zur Wasserbelastung geführt haben, betont Meyer. Gleichzeitig lobt er die gute Zusammenarbeit von Samtgemeinde und Bauern. Die sei auch in Zukunft nötig.

Rückblick: 2011 ergaben Messungen, dass das Hoyaer Trinkwasser Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln (Metaboliten) enthält. Weil sie nicht giftig sind, gilt für sie nur ein Richtwert, kein Grenzwert. Dennoch sah das Landesgesundheitsamt durch die sogenannte Stoffsummen-Bildung im Wasser, also das Vorhandensein gleich mehrerer gesundheitlich bedenklicher Stoffe, ein dauerhaftes hygienisches Problem. Die Samtgemeinde mischte daraufhin dem in Hoya geförderten Wasser unbelastetes Wasser der Harzwasserwerke bei und entschied sich später für die Installation einer Aktivkohlefilter-Anlage, um die Metaboliten herauszufiltern.

Diese läuft nun seit Mitte Juli und „arbeitet wie erwartet“, sagt Olaf Cassens von der Purena GmbH. Das Tochterunternehmen der Avacon AG hat im Auftrag der Samtgemeinde die Betriebsleitung im Wasserwerk inne.

Das Filtersystem mit drei hintereinander geschalteten Tanks, die allesamt vom Rohwasser durchlaufen werden, bietet dreifache Sicherheit. In jedem Tank befindet sich eine zwei Meter dicke Aktivkohle-Schicht. Jede für sich bietet eine ausreichende Filterwirkung zur Wasseraufbereitung. Das nun analysierte Wasser war bereits schadstofffrei, nachdem es durch die ersten 50 Zentimeter gesickert war. Die Aktivkohle wird übrigens aus amerikanischer Steinkohle hergestellt. Sie ist porös, an ihrer Oberfläche lagern sich die Schadstoffe an.

Hauptproblem in Hoya war das erhöhte Vorkommen von Metazachlorsäure, dem Abbauprodukt eines Spritzmittels aus dem Rüben- und Rapsanbau. Metazachlorsäure ist im geförderten Rohwasser immer noch vorhanden. Weil es aber von den Landwirten auf freiwilliger Basis seit 2012 im Wasserschutzgebiet nicht mehr eingesetzt wird, „erwarten wir, dass wir in den nächsten Jahren erkennen, dass die Belastung aufhört“, sagt Cassens.

Seit Bekanntwerden des Metaboliten-Problems hat die Samtgemeinde im Wassereinzugsgebiet insgesamt acht Messstellen eingerichtet, an denen die Wasserqualität beobachtet wird. Auch sie tragen zu den Investitionskosten von rund 900.000 Euro für die Filteranlage und das Drumherum bei.

Hinzu kommen jährlich Betriebskosten. „Die hatten wir zunächst mit 100.000 bis 150.000 Euro kalkuliert, meinen heute aber: Es wird günstiger“, sagt Detlef Meyer. Ein Grund für diese Annahme: Die Samtgemeinde braucht nicht ständig neue Aktivkohle. Sie lässt die vorhandene immer wieder aufbereiten. Ob die Wasserpreise stabil bleiben können, lasse sich nach ein paar Monaten Betrieb der Anlage sagen, schätzt Detlef Meyer.

So toll die Kohle funktioniert, eins kann sie nicht: Nitrat aus dem Wasser filtern. „Dazu bedarf es einer anderen, sehr teuren Technik“, sagt Olaf Cassens. Anders als in anderen Gegenden der Republik ist das Hoyaer Wasser durch die Düngung der Äcker aber auch nicht übermäßig mit Nitrat belastet. Und das soll so bleiben. „Wir dürfen den Dialog mit den Landwirten nicht aufgeben“, sagt Detlef Meyer.

Aktuelle Analysewerte auf www.wasserversorgung.hoya-weser.de

Quelle: kreiszeitung.de

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