Die 1938 aus Hoya vertriebene Jüdin Marion Blumenthal Lazan trug sich in das Goldene Buch ein

„Alles so gemütlich und normal“

Extra aus den USA angereist: Ehemann Nathaniel, Sohn David und Enkel Gavriel Lazan (großes Foto, v.l.) begleiteten Marion Blumenthal Lazan ins Hoyaer Rathaus, wo sie sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug (kleines Foto).

Hoya - (ahe) · „Ich bedanke mich sehr für den herzlichen Empfang in Hoya. Besonders freue ich mich auf das Wiedersehen mit meinen Freunden Heike und Hans Huth.“ Mit diesen Worten trug sich gestern Abend Marion Blumenthal Lazan in das Goldene Buch der Stadt Hoya ein.

Die Zeilen sind Beleg dafür, wie weit die Vergangenheitsbewältigung der 1938 aus Hoya vertriebenen Jüdin vorangeschritten ist – und wie sehr auch die Familie Huth dazu beigetragen hat. „Die Herzlichkeit ist außergewöhnlich“, beschreibt Blumenthal Lazan die Beziehung zu ihren Freunden in Hoya. Heike Huth, Mitglied der „Interessengemeinschaft Synagoge“ ist das Lob sichtlich unangenehm. Sie möchte das Wirken der 75-Jährigen in den Mittelpunkt stellen.

Dennoch: „1995 sind wir erstmalig wieder nach Hoya gekommen. Es fiel uns sehr schwer. Es war alles so gemütlich und normal gewesen, bis man uns rausgejagt hat. Nun fühlen wir uns bei der Rückkehr wohler. Das hat lange gedauert, und Huths haben einen großen Anteil daran“, sagte Blumenthal Lazan im Rahmen der Zeremonie im Rathaus, wo Bürgermeister Edmund Seidel die vierköpfige Reisegruppe begrüßte. Ehemann Nathaniel, Sohn David und Enkel Gavriel Lazan begleiteten die rüstige Frau gestern in die Grafenstadt, wo sie ihr Elternhaus in der Langen Straße, die verlegten „Stolpersteine“ in Gedenken an die Opfer des Antisemitismus und die Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge besichtigten. „Irgendetwas ist da“, tippt sie sich – angesprochen auf ihre Erinnerungen an die Heimatstadt – an den Kopf. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich mich an das Bild unserer Wohnung erinnere oder es nur aus Erzählungen weiß.“

1938 war die Familie mit der Vierjährigen in die Niederlande geflüchtet, wo sie in verschiedenen Flüchtlingslagern vergeblich auf ihre Ausreise in die USA – ihre heutige Heimat – warteten. Nach der Besetzung der Niederlande wurde die Familie über Umwege ins Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Am 23. April 1945 entkamen sie während eines Räumungstransports bei Tröbitz (Brandenburg) in die Freiheit, 1948 folgte dann die Auswanderung in die Vereinigten Staaten.

Auf Einladung der Gedenkstätte Bergen-Belsen, wo Blumenthal Lazan am Sonntag referierte, kamen die Amerikaner nun nach Deutschland. Den dortigen Ausstellungsleitern vertraute die Jüdin das Gebetsbuch ihres Vaters an, „über 100 Jahre alt, mit einem Kleeblatt darin“. Mehr zu Marion Blumenthal Lazan unter

Quelle: kreiszeitung.de

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