„Das war alles hochprofessionell“

Indoorplantagen-Prozess: Zweimal Bewährung

Verden/Eystrup - Von Wiebke Bruns. Bewährungsstrafen in Höhe von neun und 18 Monaten hat die Zweite Große Strafkammer des Landgerichts Verden am Mittwochnachmittag in dem Prozess um eine Cannabis-Indoorplantage in Eystrup verhängt (wir berichteten). Mit dem Urteil endete für die beiden 34 Jahre alten Angeklagten aus Albanien eine siebenmonatige Untersuchungshaft.

Am 8. April 2018 waren sie im Rahmen einer Observation durch die Polizei beim Verlassen eines Hauses in Eystrup beobachtet und festgenommen worden. Bei der anschließenden Durchsuchung des Gebäudes wurde eine Plantage mit 776 Pflanzen sichergestellt. Staatsanwalt Martin Schanz hatte gestern in seinem Plädoyer vorgerechnet, dass rund 38 Kilogramm hätten geerntet werden können. „Das 600-fache der nicht geringen Menge ist angebaut worden“, sagte Schanz.

Den Tatbeitrag der beiden Angeklagten hatte er als täterschaftlich eingestuft und vier Jahre Haft für jeden Angeklagten beantragt. Einer der beiden Männer hatte die Versorgung der Pflanzen mit Wasser und Dünger sowie regelmäßige Kontrollen alle zwei bis drei Tage eingeräumt im Auftrag eines weiteren Mannes. Dies wertete Schanz als einen „essenziellen Baustein bei der Aufzucht der Pflanzen“. Der zweite Angeklagte habe ihn dabei unterstützt. Gericht und Verteidiger stuften den Beitrag der Angeklagten jedoch nur als Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge ein, was automatisch zu einer Reduzierung der Strafrahmen führt. Verteidiger Hans Alfred Isreal hatte für seinen Mandanten sogar einen Freispruch beantragt, dieser habe seinen Freund immer nur nach Eystrup gefahren. Pflichtverteidiger Martin Lindemann hatte exakt die verhängten 18 Monate für seinen Mandaten gefordert.

Seit 2016 war das Haus vermietet, aber bis 29. September 2017 befand sich dort offenbar keine Plantage. An diesem Tag hatte ein Mitarbeiter eines Eystruper Heizungsbauers noch Arbeiten in dem Gebäude verrichtet. Von Februar bis April 2018 soll zunächst einer der Angeklagten dort die gärtnerischen Arbeiten an der Plantage verrichtet haben. Als er diese Aufgabe übernommen haben will, soll die Anlage bereits fertig eingerichtet gewesen sein. Erst im März 2018 soll der zweite Angeklagte aus Albanien nach Deutschland eingereist sein. „Das war alles hochprofessionell“, hieß es in der Urteilsbegründung. Die ganze Anlage sei weitestgehend automatisiert gewesen. „Aber etwas Betreuung brauchten die Pflanzen“, stellte der Vorsitzende Richter Daniel Hauschildt fest.

Beim Strafmaß spielte auch die Größe der Anlage eine Rolle. „Das war nicht der Wohnzimmeranbau, sondern eine ganz professionelle Veranstaltung“, meinte Hauschildt. Kein minderschwerer Fall, keine verminderte Schuldfähigkeit, aber auch keine Vorstrafen bei den Angeklagten. Somit sei die Strafe zur Bewährung auszusetzen, und das bedeutete die sofortige Entlassung aus der Untersuchungshaft.

Quelle: kreiszeitung.de

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Auto

Mit dem E-Auto gut gewärmt durch den Winter

Mit dem E-Auto gut gewärmt durch den Winter
Technik

Das neue iPad Pro ist ein Super-Tablet

Das neue iPad Pro ist ein Super-Tablet
Leben

Wie viel Auslauf brauchen Hamster?

Wie viel Auslauf brauchen Hamster?
Welt

Bedrückende Bilder: Das blieb nach dem verheerenden Brand von Thomas Gottschalks Villa übrig

Bedrückende Bilder: Das blieb nach dem verheerenden Brand von Thomas Gottschalks Villa übrig

Meistgelesene Artikel

Unbekannter gibt Hinweis auf Fundort der Leiche von Elke Kerll

Unbekannter gibt Hinweis auf Fundort der Leiche von Elke Kerll

Nienburg: Erster Weihnachtsbaum steht

Nienburg: Erster Weihnachtsbaum steht

Polizei Nienburg nimmt Auto-Dieb fest

Polizei Nienburg nimmt Auto-Dieb fest

Lack im Futter: Puten aus Landkreis Nienburg belastet

Lack im Futter: Puten aus Landkreis Nienburg belastet

Kommentare