Die alte Nienburger Riesenwasserrutsche steht nun in Polen

Ein Koloss ist umgezogen

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Wiedererkannt? Seit vergangenem Sommer sorgt die Rutsche aus Nienburg an einem polnischen See für jede Menge Badespaß.

Nienburg / Gmina Biszcza - Von Tobias Laber. Eigentlich kannte sie jeder, viele vom Sehen, noch mehr aber durch eine ausgiebige Nutzung: die Riesenwasserrutsche aus dem alten Nienburger Freibad an der Mindener Landstraße. Sang- und klanglos verschwand sie vor knapp fünf Jahren aus der Kreisstadt.

Als im Jahr 2012 der Abriss des Hallen- und Freibades begann, startete auch der Verkauf des Inventars. Viele Gemeinden aus der Umgebung konnten hier Dinge erwerben, um diese zur Attraktivitätssteigerung ihrer Bäder zu nutzen.

Einen Gewaltakt allerdings legte der Landesberger Ireneusz Grum hin. Der gebürtige Pole aus Potok Gorny betreibt in seiner Heimat einen Teil eines Sees in der Gemeinde Gmina Biszcza, 1100 Kilometer von Nienburg entfernt. Im Sommer verbringen an dem Gewässer bei gutem Wetter am Wochenende bis zu 10 000 Menschen ihre Freizeit. Neben dem Badespaß im Wasser können die Besucher dort auch Tretboot fahren. Seit vergangenem Sommer können sich die Gäste nun über ein weiteres Highlight freuen: Nämlich über die Rutsche, die lange Jahre den Nienburgern im alten Freibad Freude bereitet hat.

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Die Wasserrutsche im Nienburger Schwimmbad an der Mindener Landstraße.

Als Ireneusz Grum vom Ausverkauf hörte, reifte in ihm und seinem besten Freund Carsten Brauer aus Landesbergen die Idee, die Rutsche zu kaufen. Schnell wurde der Kontakt zum damaligen Geschäftsführer Ernst-August Kahle hergestellt. Nach schneller Verhandlung und Klärung der Formalitäten, begann Grum mit seinem Sohn und dem Schwager seines Sohnes im Frühsommer 2012 mit dem Abbau der Rutsche. Vier Tage benötigte das Trio. „Wir haben die Rutsche primär mit der Hand abgebaut, bei Wind und Wetter. Einfach war es nicht, aber am Ende hat sich der Aufwand gelohnt“, blickt der neue Rutschen-Besitzer zurück. „Einzig die Treppe haben wir nicht abgebaut“, ergänzt er. Da diese aus Beton bestand, wäre der Abbau und Transport zu aufwändig geworden. Ireneusz Grum baute sich in seiner Heimat als Ersatz eine Treppe aus Edelstahl.

Nach kurzer Zwischenlagerung der Einzelteile in Landesbergen, wurde die Rutsche per Spedition nach Polen transportiert. Zwei große Lkw wurden für den Transport benötigt. Nachdem dort alles mit den Behörden geklärt war – schließlich musste unter anderem die Statik stimmen – sollte der Wiederaufbau des Wahrzeichens aus dem alten Nienburger Freibad beginnen. Im März vergangenen Jahres begann der Wiederaufbau am Ufer des Badesees. „Das Wetter hat uns viel geärgert. Am schlimmsten war der Regen. Denn weil die Rutsche am See aufgestellt wurde, drückte das Grundwasser von unten in unsere Löcher. Wir mussten die Löcher für die Fundamente aber fertig haben, weilder Beton bereits bestellt war. Wir hatten echt zu kämpfen“, erinnert sich Grum lebhaft zurück. „Außerdem musste die Statik stimmen, und das Gefälle sollte ja auch passen. Wasser fließt ja schließlich nicht bergauf“, berichtet Grum schmunzelnd. Nach gutfünf Monaten hatte er mit seinem Team das Ziel erreicht: Die Rutsche stand, und das in der Originalhöhe von 7,5 Metern.

Pünktlich zu den Sommerferien ging die Rutsche in den Probebetrieb. „Ich bin sehr froh, dass am Ende alles funktioniert hat. Waghalsig war diese Aktion auf jeden Fall. Was hätte nicht alles dazwischen kommen können. Am meisten Sorge hat mir der Gedanke bereitet, dass Einzelteile beschädigt ankommen“, erklärt Grum.

Tatsächlich mussten am Ende zwei Elemente der Rutsche überholt werden. Auch ein Trägerarm hat auf dem zwölf Stunden langen Weg einen Schlag abbekommen. Das war aber alles nichts, um was man sich Gedanken machen musste. Am Ende waren dann alle Sorgen vergessen. Seit dem Wiederaufbau der Rutsche haben sich schon viele Besucher an ihr erfreuen können. So, wie einst die kleinen aber auch großen Wasserratten im alten Freibad an der Mindener Landstraße.

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