Funde vorgestellt

Altsachsen-Siedlung größer als gedacht

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Studenten der Universität Göttingen arbeiten fleißig auf der Ausgrabungsstelle mit.

Liebenau/Steyerberg - Von Max Brinkmann.Menschen leben mit ihren Rindern gemeinsam unter einem Dach. Sie betreiben Ackerbau und Viehzucht, fertigen Messer und Schmuck oder angeln an den beiden umliegenden Flüssen – diese werden zeitgleich auch als Handelswege genutzt. Nein es ist nicht schon wieder „ConQuest of Mythodea“ in Brokeloh – vor gut 1 200 Jahren sah es südwestlich von Liebenau genauso aus.

Die Siedlung existierte wirklich und wurde von den Altsachsen erbaut. So viel war Grabungsleiter Tobias Scholz und seinen Mitarbeitern schon bekannt. Überrascht hat sie jedoch, dass der Umfang der Siedlung in der Nähe des bereits bekannten Gräberfelds deutlich größer war, als gedacht. Sie reichte sogar bis südlich der heutigen Landesstraße 350, wie geomagnetische und bodenkundliche Untersuchungen zeigen.

Das Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen führt noch bis zum Ende des Monats eine sechswöchige Grabungskampagne an der Siedlung durch. Jetzt wurden die bisherigen Ergebnisse präsentiert. „Bei den Untersuchungen auf der anderen Straßenseite gab es Änderungen im Erdmagnetfeld. Wir sind auf Eisengegenstände gestoßen und haben auch an der Oberfläche Funde gemacht“, erklärt Tobias Scholz. Durch das jahrelange Pflügen des Feldes sind einige Funde wieder an das Tageslicht gekommen.

Grabungsleiter Tobias Scholz erklärt einige Untersuchungen.

Die Grabungen laufen bereits seit 2015 – und auch im kommenden Jahr wird nochmal für sechs Wochen geforscht. So wird im Laufe der Zeit immer klarer wie die Altsachsen im achten beziehungsweise neunten Jahrhundert gelebt haben. Die weilerartige Siedlung fußte auf mehreren wirtschaftlichen Standbeinen. Die Bewohner betrieben Ackerbau und Viehzucht, nutzten aber auch die Weser und die Große Aue zum Fischen sowie Sammeln essbarer Muscheln und konnten Eisen schmieden. „Gerade diese Kombination mit dem guten Erhaltungszustand macht den Fundplatz archäologisch sehr interessant“, sagt Scholz.

Die Lage der Siedlung war für die Bewohner von Vorteil, denn sowohl die Weser als auch die Große Aue bieten an dieser Stelle gute Überquerungsmöglichkeiten. Dennoch war der Standort an sich überschwemmungsfrei.

Ein Stück Metallschlacke. Insgesamt wurden davon 65 Kilogramm gefunden.

Im vergangenen Jahr wurden bereits die ersten Pfostenreihen eines Langhauses gefunden. In diesen 15 bis 30 Meter langen Häusern wohnten Mensch und Vieh gemeinsam unter einem Dach. Während den vergangenen Wochen entdeckte Scholz mit den Archäologie-Studenten der Uni Göttingen und den Ehrenamtlichen vom Verein „RAUZWI – Lebendige Archäologie Mittelweser“ das Nebengebäude, ein sogenanntes Grubenhaus. Dort wurde gearbeitet – was genau ist nicht klar. In der Siedlung gibt es jedoch Hinweise auf Webgeräte. Lehmrückstände die im Grundriss des Grubenhauses gefunden wurden, deuten außerdem auf eine offene Feuerstelle oder einen Ofen hin.

Handelsort mit Ofen

Die Grundrisse eines zweites Grubenhauses wurden nur gut 50 Zentimeter entfernt gefunden. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass beide Gebäude zeitgleich existiert haben“, meint Scholz. „Deswegen können wir davon ausgehen, dass die Siedlung hier länger Bestand hatte, da es mehrere Generationen an Häusern gab“.

Auch in diesem Jahr gab es wieder viele Funde bei den Ausgrabungen. Der wohl Spannendste ist Muster einer Münze, das klar ein Gesicht zeigt. „Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass es sich wohl um den Sohn von ,Karl dem Großen´ handelt“, weiß Scholz.

Außerdem wurde eine zweifarbige Glasperle sowie viele Keramikstücke gefunden. Darunter auch „Importware“, die, laut Scholz, von den Friesen gefertigt wurde. Das bestätigt, dass die Siedlung die Flüsse als Handelswege genutzt hat.

Die Funde deuten auf eine Feuerstelle oder Ofen aus Lehm hin.

Für die auf mehrere Jahre angesetzte Grabungskampagne bekam „RAUZWI“ Fördergelder von der Bingo-Stiftung, dem Landschaftsverband Weser-Hunte, der Volksbankstiftung, den Firmen Nordmann (Steyerberg) Gustav Meyer (Liebenau) und privaten Sponsoren.

Auch der Flecken Steyerberg, die Samtgemeinde Liebenau und die Wirtschaftsförderung des Zweckverbbands Linkes Weserufer unterstützen die Grabungen. Gemeinsames Ziel ist es das Gräberfeld zu einem Kultur- und Bildungsort zu entwickeln, der auch überregional interessant sein kann.

Die Uni Göttingen und „RAUZWI“ laden Interessierte heute von 11 bis 17 Uhr zu einem Tag der offenen Grabung ein. Es wird Führungen und Erläuterungen zu der Siedlung und dem Leben der Altsachsen geben.

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