Über das Leben als Rentner

Henning Scherf plaudert in Eystrup: Das Altsein als Chance begreifen

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Henning Scherf begrüßte jeden Zuhörer persönlich.

Eystrup - Von Christel Niemann. Er schüttelte, schüttelte und schüttelte oder umarmte, hatte dabei die Ruhe weg, und ließ erst locker, als er auch den letzten von knapp 200 Besuchern persönlich begrüßt hatte. Sie alle waren der Einladung des Heimatvereins Eystrup gefolgt, um dem Vortrag Henning Scherfs „Wer nach vorne schaut, bleibt länger jung“ im Alten Güterschuppen zu lauschen.

Von Scherf weiß man, dass er gerne Leute per Handschlag begrüßt und umarmt, dass er viel radelt und heißes Wasser trinkt. Politik „im engeren Sinne“ ist für Scherf aber längst ein abgeschlossenes Kapitel. Heute spielt er Orgel, singt im Chor, liest in Grundschulen, schreibt Bücher oder engagiert sich bei „pan y arte“, einem Projekt, das sich für Bildung für Kinder in Nicaragua stark macht. Kurzum: Der mittlerweile 81-jährige frühere Bremer Bürgermeister beweist, was „Alte“ können, wenn sie nur wollen.

„Man muss etwas aus seinem Alter machen, bevor es etwas aus einem macht“, lautet ein Credo des Mannes, der als Ruheständler der verbreiteten Angst vor dem Alter in einer immer älter werdenden Gesellschaft ein neues, positives Bild entgegensetzt. Wie von dem umtriebigen Senior nicht anders zu erwarten war, plauderte Scherf frank, frei und äußerst unterhaltsam über seine persönliche Sicht auf das Älterwerden und auf das Altsein, und ging dabei ebenso auf gesellschaftliche Veränderungen als auch auf die Chancen ein, die er damit verbindet.

Die Veranstaltung des Heimatvereins Eystrup mit Gast Henning Scherf war schon einige Tage zuvor restlos ausverkauft.

„Ich hatte niemals zuvor in meinem Leben so viele Freiheiten und Freizeit“, sagte Scherf, dessen Ausführungen sich als eine Mischung aus Memoiren und Senioren-Manifest erwiesen. Beispielsweise plädierte er für eine Art Generationenvertrag zwischen jüngeren und älteren Semestern. Oder er sagte, dass jeder, insofern er nicht ausgebrannt sei, bis ins hohe Alter arbeiten könne, etwa als Berater der Jüngeren. Insbesondere aber könne man sich ehrenamtlich engagieren und sich etwa in Schulen, so wie er es seit Jahren mache, als Lesepate einbringen. „Suchen Sie den Kontakt zu Kindern. Sie glauben gar nicht, wie bereichernd das ist.“

Dann plauderte er über Biographisches. Erzählte von seiner Familie aus der er stammt, dankbar deren Lebensleistung würdigend, erwähnte liebevoll seine Ehefrau Luise und die Kinder, die längst aus dem Haus sind und die, wie die Enkel, immer wieder wieder gerne in die Arme der Eltern beziehungsweise Großeltern zurückkämen. Besonders interessiert lauschten die Zuhörer den Schilderungen der Wohngemeinschaft, die Scherf und seine Frau vor mehr als 30 Jahren mit zehn anderen Menschen in der Bremer Innenstadt bezogen haben. Offen erzählte er von den vielen Glücksmomenten, aber auch von Belastungsproben, zum Beispiel bei Krankheiten oder bei den bislang zwei Sterbefällen in der WG. „Ja, es wird auch gestritten“, gab er auf Nachfrage zu. Aber Dank einer guten Meditation seien bislang auch alle Differenzen wieder beigelegt worden.

Besonders ausführlich ging Scherf auf klassische Begrifflichkeiten des Alters ein, das er zu Unrecht mit Panik belegt sieht. Den Anwesenden machte er außerdem ausdrücklich Mut, sich selbst auch Gedanken über alternative Lebens- und Wohnformen fürs eigene Alter zu machen. Denn obwohl sich einige seiner eigenen Ideen auch als Illusion entpuppt hätten, fühle er sich dennoch in seiner „Wahlfamilie“ rundum wohl.

Lesung mit Henning Scherf in Eystrup

Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Chri stel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann
Henning Scherf in Eystrup
Henning Scherf berichtete über das Älterwerden. © Christel Niemann

In Summe forderte er sein Publikum dazu auf, „lebendig“ zu bleiben. „Es kommt nicht darauf an, wofür Sie sich interessieren, sondern dass Sie sich interessieren. Das hält wach und fit und die grauen Zellen in Bewegung.“ Das Thema Sterben blendete er für seine eigene Person nicht aus. „Ich hoffe, dass ich selbst dann von lieben Menschen umgeben bin.“

Drei Stunden hörte das Publikum konzentriert zu und hing teilweise wie gebannt an den Lippen Scherfs, der sich auch noch ausreichend Zeit nahm, um Bücher zu signieren und die Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Am Ende wurde er mit stehenden Ovationen gefeiert und die Veranstalter mussten ihren redseligen Gast förmlich zum Aufbruch drängen, sonst hätte der den Zug nach Bremen sicher verpasst.

Quelle: kreiszeitung.de

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