Anglermord in Nienburg: Angeklagter in Haft gestorben

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Das Landgericht Verden sprach den Angeklagten im Oktober frei. In Haft blieb der Mann dennoch.

Verden - von Wibke Bruns. Der Angeklagte im Nienburger Anglermord ist tot. Das Verfahren gegen den 56-Jährigen endete mit einem Freispruch. Die Staatsanwaltschaft Verden legte daraufhin Revision ein.

Nach 35 Jahren war die Staatsanwaltschaft Verden überzeugt, den 1984 in Nienburg verübten Mord an dem Angler Wilhelm Rettberg endlich aufgeklärt zu haben. Doch der Verdener Landgerichtsprozess gegen den 56 Jahre alten Angeklagten endete am 1. Oktober 2019 mit einem Freispruch. Die Staatsanwaltschaft Verden legte Revision ein, hat diese nun aber zurückgenommen. Denn der Angeklagte ist tot. Verstorben in der Haft, wo er seit 30 Jahren wegen eines anderen Mordes eine lebenslängliche Freiheitsstrafe verbüßt hat. In der Nacht zum 4. Juli 1984 sollte der Angeklagte als 21-Jähriger den Angler am Ufer der Weser beim Sammeln von Taumaden gesehen und sich entschlossen haben, ihn auszurauben. Um diese Tat zu verdecken, habe er den Angler getötet, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Angeklagter war schon 1985 unter Verdacht geraten

Unter Verdacht geraten war der Angeklagte schon damals, saß 1985 sogar in Untersuchungshaft. Doch das Verfahren wurde eingestellt. Im Juni 1988 hatte er dann eine 78 Jahre alte Frau in Stöckse ermordet. Um die Witwe aus seiner Nachbarschaft zu bestehlen, war er in ihr Haus eingebrochen. Die Rentnerin hatte ihn bemerkt, war daraufhin von ihm vergewaltigt und getötet worden. Um Spuren zu verdecken, hatte er versucht, das Haus mit der Leiche in Brand zu stecken. Im November 1989 wurde er wegen Mordes, Vergewaltigung und versuchter Brandstiftung zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt.

In der Nacht 4. Juli 1984 wurde Wilhelm Rettberg in Nienburg ermordet.

"Keine objektiven Spuren"

Wegen dieser Tat saß er noch immer ein, als im Juli 2018 Mordanklage im Fall Rettberg erhoben worden war. Der Fall war als sogenannter „Cold Case“ (kalter Fall) neu aufgerollt worden. Nach einem Beitrag in der Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ hatte sich dann eine Zeugin gemeldet. Doch in dem Prozess überwogen für die 1. Große Strafkammer die Zweifel. „Wir haben keine DNA-Spuren, keine Fingerabdrücke, keine Fussel, keine objektiven Spuren“, hieß es in der Urteilsbegründung. Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt war dagegen bis zum Schluss von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Lebenslänglich, lautete ihr Antrag. Der Angeklagte hatte zu den Vorwürfen geschwiegen.

Nach kurzer schwerer Erkrankung gestorben

Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof sollte das Urteil überprüfen. Doch dazu kommt es nicht mehr. Die Revision wurde am Mittwoch vergangener Woche zurückgenommen. Zwei Tage nach dem Tod des Angeklagten in der Haft. Zur konkreten Todesursache machte Gerichtssprecher Dr. Rouven Seeberg keine Angaben. Der Tod sei Folge einer kurzen schweren Erkrankung gewesen.

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